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Artilleriegefecht: Asien fürchtet sich vor neuem Korea-Krieg

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Das Artillerieduell zwischen Nord- und Südkorea schürt die Angst vor einem Krieg in Asien. Der Norden hat eine technisch rückständige, aber gigantische Armee, der Süden eine hochgerüstete Streitmacht. Eine Eskalation wäre für beide Seiten katastrophal.

Fotostrecke: Waffenspektakel in Nordkoreas Hauptstadt Fotos
AFP / KCNA VIA KNS

Auf der koreanischen Halbinsel geht wieder das Gespenst des Krieges um. Der letzte liegt rund 60 Jahre zurück: Fast eine Million Soldaten und drei Millionen Zivilisten starben in dem dreijährigen Konflikt, der 1950 mit dem Angriff Nordkoreas auf den Süden begann. Mit dem Waffenstillstand wurden die beiden Staaten entlang des 38. Breitengrads voneinander getrennt. Die Grenze gilt seither als die gefährlichste der Welt.

Das jüngste Artillerieduell schürt nun die Ängste vor einem erneuten Waffengang. Beide Länder streiten über die Schuld an dem Gefecht, die Nachbarstaaten reagieren erschreckt. Südkorea hat inzwischen seine Truppen mobilisiert.

Im schlimmsten Fall könnte ein neuer Waffengang in einen Atomkrieg münden. Es wäre ein äußerst ungleicher Kampf: Eine zahlenmäßig große Armee stünde einer deutlich kleineren, dafür aber technologisch hochgerüsteten Streitmacht gegenüber.

Nordkorea gilt als das am stärksten militarisierte Land der Welt. Seine Armee umfasst rund 1,2 Millionen Soldaten. Damit ist sie die viertgrößte Streitmacht der Welt - hinter China, Indien und den USA und noch vor Russland. Zudem hat der kommunistische Staat die Zahl seiner Soldaten in Spezialeinheiten, die im Kriegsfall die Speerspitze eines Angriffs bilden würden, erst im vergangenen Jahr auf 180.000 verdoppelt - und besitzt damit die größte Zahl an Spezialeinheiten weltweit. Das Militärbudget ist - gemessen an den Mitteln des bitterarmen Landes - gewaltig: Es umfasst nach Angaben des US-Außenministeriums rund sechs Milliarden Dollar (4,4 Milliarden Euro), was mehr als einem Viertel des Bruttoinlandsprodukts Nordkoreas entspricht.

Allerdings gilt die Koreanische Volksarmee im Vergleich zur nur 687.000 Mann starken Armee Südkoreas als rückständig und schlecht ausgerüstet. Die konventionellen Waffensysteme wie Flugzeuge, Panzer und Artillerie befinden sich weitgehend auf dem Stand der sechziger und siebziger Jahre. Angesichts der wirtschaftlichen Lage Nordkoreas überrascht das kaum: Da die Regierung kaum aus eigener Kraft die eigene Bevölkerung versorgen kann, hat sie auch kein Geld für eine umfassende Modernisierung der Streitkräfte. Zudem ist seit 2006 ein internationales Waffenembargo in Kraft, das größere Einkäufe von Rüstungsgütern nahezu unmöglich macht.

Nukleare Abschreckung existiert bereits

Bei den wenigen Hightech-Waffen handelt es sich vor allem um Prestigeprojekte wie das Atomwaffenprogramm. Militärexperten schätzen, dass Nordkorea spaltbares Material für zwei bis neun Atombomben des Hiroshima-Typs besitzt. Ein erster Atombombentest im Oktober 2006 wurde von westlichen Experten noch als gescheitert gewertet. Doch am 25. Mai 2009 ließ das Regime in Pjöngjang eine weitere Bombe detonieren. Diesmal erreichte die Sprengkraft 10 bis 20 Kilotonnen TNT - was in etwa der Zerstörungskraft jener Bomben entspricht, die im Zweiten Weltkrieg Hiroshima und Nagasaki verwüstet haben.

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Korea-Konflikt: Eskalation im Gelben Meer
Der 25. Mai 2009 sei auch entscheidend für die Interpretation des Artillerieduells um die Insel Yeonpyeong, meint der Heidelberger Politikwissenschaftler Sebastian Harnisch. "Seit dem Atombombentest hält sich das Regime in Pjöngjang für unangreifbar - und zwar zu Recht." Denn die bislang offene Frage, ob Nordkoreas Atomwaffen tatsächlich einsetzbar sind, spiele kaum eine Rolle. "Entscheidend ist, ob die umliegenden Staaten an die Einsatzfähigkeit glauben oder nicht", so Harnisch. "Und dort herrscht die Meinung vor, dass man es lieber nicht ausprobieren möchte. Deshalb ist der Abschreckungseffekt bereits vorhanden"

Daher fühle sich Nordkorea sicher genug, den Süden und indirekt die USA immer wieder herauszufordern - vor allem aus innenpolitischen Gründen. Das Artilleriegefecht passe damit zur Versenkung der südkoreanischen Korvette "Cheonan". "Es war wahrscheinlich nicht die eigenmächtige Tat eines lokalen Kommandeurs, sondern ein radikaler Teil der Provokations- und Erpressungsstrategie des Nordens", so Harnisch. Deshalb sei von einer "begrenzten Aktion" auszugehen. "An einer weiteren Eskalation kann Nordkorea kein Interesse haben."

Keine Seite hat Interesse am Krieg

Denn ein umfassender bewaffneter Konflikt wäre für den Norden kaum zu gewinnen. Allerdings sind sich Experten sicher, dass auch die USA und Südkorea an einem Krieg kein Interesse haben. "Washington und Seoul können das Regime in Pjöngjang nicht beseitigen, ohne dabei verheerende Verluste zu erleiden", hieß es in einer 2007 veröffentlichten Studie des Strategic Studies Institute (SSI) der US-Armee.

Das liegt freilich vor allem an der zahlenmäßigen Stärke der nordkoreanischen Streitkräfte, die allerdings als wenig schlagkräftig gelten. So verfügt Nordkorea über rund 5000 Kampfpanzer und mehrere hundert amphibische Panzer. Ein Großteil der Ausrüstung stammt aber noch aus der Sowjet-Zeit und ist modernisierungsbedürftig. Südkorea kann auf 2750 Kampfpanzer und rund 2800 gepanzerte Fahrzeuge zurückgreifen, die als deutlich moderner gelten.

Auch die Luftwaffe Nordkoreas ist hoffnungslos veraltet. Sie besteht aus rund 1600 zumeist chinesischen und russischen Modellen der sechziger und siebziger Jahre, wie etwa die MiG-23, MiG-21 und MiG-19. Das modernste ist die rund 30 Jahre alte MiG-29: Schätzungen zufolge soll Nordkorea über 35 Exemplare des russischen Kampfjets verfügen. Fraglich ist allerdings, wie viele davon aufgrund des Waffenembargos und der damit prekären Ersatzteil-Lage einsatzbereit sind.

Die Südkoreaner dagegen besitzen rund 700 amerikanische Flugzeuge, darunter 173 F-16-Mehrzweckjets und 40 Jagdbomber des Typs F-15K "Slam Eagle", der sich in der Ausschreibung unter anderem gegen den Eurofighter durchgesetzt hat. Die Luftwaffe Nordkoreas sei "kein Gegner" für Südkorea und die USA, meint Harnisch - sie wäre im Kriegsfall vermutlich schnell vernichtet. "Das Erringen der Lufthoheit steht in der Planung der USA und Südkoreas ganz weit oben."

Angst vor der Verwüstung Seouls

An anderer Stelle aber könnte der Norden den Süden empfindlich treffen. Ganz oben auf der Liste der Ziele steht die südkoreanische Hauptstadt Seoul, die nur rund 50 Kilometer von der Staatsgrenze entfernt ist - und damit innerhalb der Reichweite der nordkoreanischen Artillerie liegt. Die Verwüstung Seouls mit konventionellen Waffen sei "Pjöngjangs glaubwürdigste Drohung", heißt es in der SSI-Studie.

Da der Norden um seine technologische Unterlegenheit weiß, basiert seine militärische Strategie vor allem auf asymmetrischer Kriegführung. Doch die beschränkt sich längst nicht nur auf die Störung von GPS-Geräten in Präzisionswaffen oder das Anstreichen von Bodenzielen mit Radar-Tarnfarbe. So soll Nordkorea über ein gewaltiges Arsenal an chemischen und biologischen Waffen verfügen, die mit Raketen ins Ziel gebracht werden können. Zu Nordkoreas Arsenal zählen mehr als 1800 Raketen unterschiedlicher Reichweite. Südkorea hat kürzlich neue Marschflugkörper mit einer Reichweite von 1500 Kilometern stationiert, die ganz Nordkorea erreichen könnten.

Auch in Bereichen, in denen sich der Süden für klar überlegen hielt, sind offensichtlich Überraschungen möglich. Eine davon war die Versenkung der "Cheonan", die das Vertrauen der Südkoreaner in ihre technologische Überlegenheit nachhaltig erschüttert hat. Nordkorea besitzt bis zu 70 U-Boote, darunter rund 20 Boote der russischen Romeo- und Whiskey-Klasse. Sie gelten als veraltet, laut und deshalb leicht zu orten. Dennoch wurde die "Cheonan" - eine 1989 in Dienst gestellte, moderne Korvette - offenbar torpediert, und das während eines Manövers unter voller Kampfbereitschaft. "Für die südkoreanische Marine war das eine Katastrophe", sagt Harnisch. Die Medien des Landes stellen inzwischen offen in Frage, ob die Marine den U-Booten des Nordens gewachsen ist.

Außer den rund 70 U-Booten besitzt Nordkorea mehr als 600 weitere Kriegsschiffe, bei denen es sich jedoch zum größten Teil um kleinere Küstenboote handelt. Größere Hochseeschiffe sind Mangelware: Nur drei Fregatten befinden sich in der Koreanischen Volksmarine. Der Süden verfügt insgesamt über rund 170 Kriegsschiffe und ein Dutzend U-Boote.

Unter dem Strich, so glauben Militärexperten, könne Nordkorea einen Krieg gegen den Nachbarn im Süden nicht gewinnen. Doch das, argwöhnen die Autoren der Studie des Strategic Studies Institute, müsse nicht bedeuten, dass ein Krieg ausgeschlossen ist. Ob die Koreanische Volksarmee Erfolg haben könne oder nicht, "spielt keine Rolle" - denn es sei die Wahrnehmung Nordkoreas, oder genauer: des Diktators Kim Jong Il, die letztlich über Krieg oder Frieden entscheide. "Wenn die Koreanische Volksarmee den Befehl erhält, wird sie angreifen."

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1. ...
peterregen 23.11.2010
Zitat von sysopDas Artillerieduell zwischen Nord- und Südkorea schürt die Angst vor einem Krieg in Asien. Der Norden hat eine technisch rückständige, aber gigantische Armee, der Süden eine hochgerüstete Streitmacht. Eine Eskalation wäre für beide Seiten katastrophal. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,730704,00.html
Wie viele nordkoreanische Zivilisten wohl in den letzten 60 Jahren verhungert sind oder anderweitig umgebracht wurden? Vielleicht gibt es da ein oder zwei die sagen, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
2. Und jetzt?
mavoe 23.11.2010
Zitat von sysopDas Artillerieduell zwischen Nord- und Südkorea schürt die Angst vor einem Krieg in Asien. Der Norden hat eine technisch rückständige, aber gigantische Armee, der Süden eine hochgerüstete Streitmacht. Eine Eskalation wäre für beide Seiten katastrophal. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,730704,00.html
Atomkrieg vielleicht möglich. Neue Weltwirtschaftskrise, die vielleicht nur noch China "heil" übersteht. Sehe ich da vielleicht einen chinesischen Angriffskrieg mit "modernen" Mitteln und Nordkorea als Bauernopfer? Was machen dann letztendlich die USA? Und dann gibts ja noch Al Q.
3. ...
tingeltangel-bob 23.11.2010
Zitat von peterregenWie viele nordkoreanische Zivilisten wohl in den letzten 60 Jahren verhungert sind oder anderweitig umgebracht wurden? Vielleicht gibt es da ein oder zwei die sagen, lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.
Glauben Sie, dass China gerne US-Streitkräfte an seiner Südgrenze haben will? Genau das war 1950 der Grund für den (inofziellen) chinesischen Kriegseintritt. Wenn das eskaliert, wird China vermutlich sehr, sehr nachdrücklich auf ein Ende drängen, wenn der Norden zu verlieren droht. Oder aber es gibt ´nen Deal vereinigtes Korea gegen Taiwan oder sowas in der Art...Freiwillig wird China jedenfalls nicht auf diesen Puffer gegen die USA verzichten wollen.
4. Für ein titelfreies Forum und moderner Forum-Software mit Emailbenachrichtung
Boone 23.11.2010
Planet Erde. Mal wieder Krieg. Ganz normal. Diese Spezies bringt sich regelmässig gegenseitig um. Warum? Gute Frage. Vielleicht macht morden und sterben Spass. Vielleicht sind sie auch einfach nur verrückt. Schon seit Jahrtausenden ist der Planet Erde und die Spezies Mensch Forschungsobjekt No.1 der Vereinigten Galaktischen Zivilisationen.
5. ..
stevie76 23.11.2010
und das volk krepiert am mangel... ich bin felsenfest davon überzeugt dass nordkorea jetzt die füße still hält, alles andere würde für kim jong nur exil in china bedeuten oder kopp ab.
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Karte
Zwischenfälle an der innerkoreanischen Genze
November 1984
Bei einem Feuergefecht mit nordkoreanischen Wachsoldaten im Grenzdorf Panmunjom gibt es Tote auf beiden Seiten. Bei der Verfolgung eines Flüchtlings hatten die Nordkoreaner die Waffenstillstandslinie überschritten.
Mai 1992
Bei einem heftigen Schusswechsel zwischen nord- und südkoreanischen Militärpatrouillen an der innerkoreanischen Grenze werden drei Nordkoreaner getötet.
September 1996
An der Küste Südkoreas wird ein gestrandetes U-Boot aus dem Norden entdeckt. Von den 26 Besatzungsmitgliedern werden 24 von südkoreanischen Suchtrupps getötet oder tot aufgefunden.
Juni 2002
Bei einem Gefecht auf hoher See kommen fünf südkoreanische Soldaten ums Leben. Auf nordkoreanischer Seite werden vermutlich 30 Soldaten getötet oder verwundet.
Juli 2008
Eine südkoreanische Urlauberin wird in Nordkorea erschossen. Angeblich war sie in militärisches Sperrgebiet eingedrungen. Nach fast zehn Jahren stellt Südkorea daraufhin das Programm für Reisen zum nordkoreanischen Kumgang-Gebirge ein.
März 2010
Ein südkoreanisches Kriegsschiff mit 104 Mann an Bord sinkt nach einer Explosion im Gelben Meer, 46 Matrosen sterben. Die USA und Südkorea beschuldigen den kommunistischen Norden, die "Cheonan" versenkt zu haben, was dieser bestreitet.
November 2010
Nordkoreanische Truppen greifen die Insel Insel Yeonpyeong nahe der Westgrenze im Gelben Meer an. Mindestens zwei südkoreanische Soldaten sterben, es gibt zahlreiche verletzte Militärangehörige und Zivilisten. Nordkorea rechtfertigt die Angriffe mit einer Provokation des Südens.

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 25,027 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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Nordkoreas Atomprogramm
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Nordkoreas Atomprogramm
AFP
Nordkoreas Atomprogramm sorgt seit Jahren für Spannungen. Mit Hilfe von weitreichenden Langstreckenraketen ist das kommunistische Land unter dem "lieben Führer" Kim Jong Il offenbar fähig, zumindest seine Nachbarstaaten mit Nuklearwaffen zu erreichen. Das Land behauptet, genug Plutonium für sechs Atombomben zu besitzen.

Nordkorea hatte sich zwar bei Unterzeichnung des Atomwaffensperrvertrags 1985 verpflichtet, nukleare Anlagen nur zivil zu nutzen, im Geheimen aber waffenfähiges Uran angereichert. Als das Ende der neunziger Jahre bekannt wurde, wurde Nordkorea scharf kritisiert. Die USA stoppten die Hilfs- und Energielieferungen an das verarmte Land. Daraufhin kündigte Pjöngjang um die Jahreswende 2002/03 seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag und seine Zusammenarbeit mit der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) . Die Uno-Inspektoren mussten das Land verlassen, alle Überwachungskameras wurden abmontiert.

Anfänge
AP
Das Atomprogramm Nordkoreas hat seinen Anfang in den sechziger Jahren, als der "große Bruder" Sowjetunion dem kommunistischen Nordkorea ein Atomforschungszentrum mit dem Forschungsreaktor Yongbyon baute, der 1965 seinen Betrieb aufnahm. Auf Druck der UdSSR verpflichtete sich Nordkorea 1985 als Mitunterzeichner des Atomwaffensperrvertrags , die Kernkraft ausschließlich zivil zu nutzen. 1992 schloss es mit Südkorea ein Abkommen, die koreanische Halbinsel frei von Atomwaffen zu halten.

Doch schon Ende der achtziger Jahre, so sind sich westliche Geheimdienste heute sicher, kam es zu geheimen Deals zwischen Pakistan und Pjöngjang. Der pakistanische Ingenieur Abdul Qadir Khan lieferte demnach wesentliche Bestandteile für den Atombombenbau, während Pjöngjang Pakistan Prototypen ihrer Mittelstreckenraketen stellte, die mit atomaren Sprengköpfen bestückbar sind. Seit dieser Zeit verfügt Nordkorea über Nukleartechnologie.

Genfer Rahmenabkommen 1994
AFP
Nach zähen Verhandlungen schloss der damalige US-Präsident Bill Clinton 1994 mit Pjöngjang das Genfer Rahmenabkommen , das den Atomkonflikt regulieren und die Gefahr einer nordkoreanischen Atombombe verhindern sollte. Darin garantierte Nordkorea die Stilllegung seines grafitmoderierten Reaktors in Yongbyon , aus dem wohl damals schon nuklearwaffenfähiges Material abgezweigt worden war. Im Gegenzug verpflichteten sich die USA zur Lieferung von Erdöl und zum Bau von zwei Leichtwasserreaktoren, womit die Energieversorgung des verarmten Nordkoreas sichergestellt werden sollte. Allerdings regelte die Vereinbarung nur die Plutoniumproduktion , jedoch nicht die Möglichkeit, aus hochangereichertem Uran Kernwaffen herzustellen.
Sechs-Parteien-Gespräche ab 2003
REUTERS
2003 begannen Verhandlungen über ein Ende des nordkoreanischen Atomwaffenprogramms . An den Gesprächsrunden aus sechs Nationen waren neben Nordkorea China, Russland, Japan, die USA und Südkorea beteiligt. Als Gegenleistung für die nukleare Abrüstung wurde dem vollkommen verarmten Nordkorea Wirtschafts- und Energiehilfe angeboten. Die Gespräche blieben jedoch zunächst ohne Ergebnis.

Im Februar 2005 gab Kim Jong Il offiziell den Besitz von Atomwaffen "zur Selbstverteidigung" bekannt.
Zum Abschluss der vierten Sechs-Länder-Gespräche im September 2005 verpflichtete sich Pjöngjang grundsätzlich zur Aufgabe aller Atomwaffen und Nuklearprogramme, das Atomprogramm lief aber im Geheimen weiter.

2007 zeichnete sich erneut eine Einigung im Atomstreit ab: Die nordkoreanische Seite sagte zu, seine Atomanlagen stillzulegen und die ausländischen Atominspekteure wieder zuzulassen. Im Gegenzug sollte das Land wirtschaftliche, humanitäre und Energiehilfe erhalten und von der US-Liste der den Terror unterstützenden Staaten gestrichen werden. Im Juni 2008 übergab Nordkorea eine seit Monaten überfällige Liste mit Einzelheiten seines Nuklearprogramms an China und sprengte den Kühlturm der abgeschalteten Atomanlage Yongbyon.

Atombomben- und Raketentests
dpa
1998 löste das nordkoreanische Regime mit dem Test einer ballistischen Rakete vom Typ Taepodong-1 weltweit Empörung aus. Im Oktober 2006 schockierte Nordkorea die Weltöffentlichkeit mit unterirdischen Atomwaffentests. Daraufhin beschloss der Uno-Sicherheitsrat einstimmig die Resolution 1718 , in der der Atomtest verurteilt und Handels- und Finanzsanktionen gegen Nordkorea verhängt wurden.

Im April 2009 startete Pjöngjang eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2 mit einer Reichweite von Tausenden Kilometern. Angeblich wurde auch ein Kommunikationssatellit ins All gebracht. Als der Weltsicherheitsrat den Raketenstart verurteilte, brach Pjöngjang die Sechs-Parteien-Gespräche erneut ab und kündigte die Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Atomzentrums Yongbyon an. Am 25. Mai kam es zum zweiten unterirdischen Atombombentest. Die Sprengkraft der getesteten Atombombe wird seismologischen Messungen zufolge auf zehn bis 20 Kilotonnen geschätzt, das entspricht der Vernichtungskraft der Bombe, die 1945 Hiroshima zerstörte. Nur einen Tag später startete das Regime zwei Kurzstreckenraketen mit einer Reichweite von 130 Kilometern.


Interaktive Grafik
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Nuklearwaffen: Alle Atommächte und ihre Arsenale
Nord- und Südkorea
Nordkorea und Kim Jong Il
REUTERS
Am 9. September 1948 rief der kommunistische Politiker Kim Il Sung im Norden die Demokratische Volksrepublik Korea aus. Sie entwickelte sich, zunächst in enger Anlehnung an die Sowjetunion, zu einer kommunistischen Volksrepublik. 1998 wurde dessen Sohn Kim Jong Il Regierungschef. Der ehemalige US-Präsident George W. Bush bezeichnete Nordkorea zusammen mit Iran und dem Irak als "Achse des Bösen" , die aufrüstet, um den Frieden der Welt zu bedrohen.
Die Teilung Koreas
Seit 1910 war Korea eine japanische Kolonie. Nach der Niederlage Japans 1945 rückten sowjetische Truppen im Norden und US-amerikanische Truppen im Süden des Landes vor und trafen sich am 38. Breitengrad. Die Vereinbarungen der Alliierten über die Bildung einer provisorischen Regierung und die Abhaltung freier Wahlen in ganz Korea konnten nicht verwirklicht werden, da sich die UdSSR widersetzte. Im September 1948 wurde in Nordkorea die Volksdemokratische Republik Korea ausgerufen; Südkorea (Republik Korea) gab sich im Juli 1948 eine Verfassung.
Korea-Krieg
AP
Am 25. Juni 1950 begann die militärische Auseinandersetzung zwischen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit Unterstützung der Volksrepublik China und der Republik Korea (Südkorea), die von Uno-Truppen unter Führung der USA unterstützt wurde. Der Krieg endete mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsabkommens von Panmunjom am 27. Juli 1953, das die Teilung am 38. Breitengrad zementierte.
Südkorea
Am 15. August 1948 wurde die Republik Korea gegründet. Staatspräsident ist Lee Myung Bak , der im Dezember 2007 die Präsidentschaftswahlen gewann und seit Februar 2008 im Amt ist. In den vergangenen Jahrzehnten erlebte Südkorea dank seiner exportorientierten Wirtschaftspolitik und der großzügigen Unterstützung Japans und der USA einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung.
Militärische Stärke
Militär in Nord- und Südkorea
Nordkorea Südkorea
Truppenstärke insgesamt 1.106.000 687.000
darunter Heer 950.000 560.000
Marine 46.000 68.000
Luftwaffe 110.000 64.000
Reservisten 4.700.000 4.500.000
Kampfpanzer 3.500 2.750
Artilleriegeschütze 17.900 10.774
Boden-Boden-Raketen 64 12
einsatzbereite Kampfflugzeuge 620 490
darunter Jagdflugzeuge 388 467
Bomber 80 -
Kriegsschiffe 8 47
darunter Zerstörer - 10
Fregatten 3 9
Korvetten 5 28
taktische U-Boote 63 13
kleinere Küstenwachboote 329 76
(Quelle: International Institute for Strategic Studies (IISS, London)

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.
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