Atomanlage Sellafield Hohe Strahlung soll natürliche Ursache haben

In Sellafield gibt der Betreiber Entwarnung: Die hohe Radioaktivität in der Atomanlage gehe auf natürliche Radonstrahlung zurück. Wegen der auffälligen Werte sind in Sellafield derzeit nur die wichtigsten Mitarbeiter im Einsatz.

Atomkomplex Sellafield (Archivbild): Ungewöhnlich hohe Radioaktivitätswerte
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Atomkomplex Sellafield (Archivbild): Ungewöhnlich hohe Radioaktivitätswerte


London - Die Nachricht aus dem britischen Sellafield sorgte am Freitagmorgen für Besorgnis: Wegen erhöhter Werte von Radioaktivität waren die Mitarbeiter der Wiederaufbereitungsanlage aufgefordert worden, zu Hause zu bleiben. Wie der Betreiber mitteilte, laufe das Werk aber im normalen Betrieb weiter - allerdings nur mit den wichtigsten Mitarbeitern. Die Radioaktivitätswerte lägen über den natürlich auftretenden, seien jedoch weit unter denen, bei denen Mitarbeiter reagieren müssten.

Nun gab das Unternehmen bekannt, die Ursache der auffälligen Strahlungswerte gefunden zu haben: "Nach unseren Analysen können wir nun bestätigten, dass diese Werte auf natürlich vorkommende Radon-Hintergrundstrahlung zurückgehen." Ein Risiko für die Mitarbeiter oder die Öffentlichkeit habe nicht bestanden. Zudem hätten Tests gezeigt, dass alle Anlagen korrekt und normal liefen.

In einer Mitteilung des Energieministeriums hieß es: "Wir stehen in ständigem Kontakt mit Sellafield, aber wir haben keinen Grund zu glauben, dass die Lage ernster ist, als sie sagen." Auch von der Gewerkschaft Prospect, die rund 5000 Atomspezialisten in Sellafield vertritt, hieß es, die Werte seien innerhalb der akzeptablen Grenzen und stellten keine Gefahr für die Gesundheit von Menschen oder die ganze Anlage dar.

Zuletzt wegen Wintereinbruchs abgeschaltet

Die Anlage in Sellafield ist seit Jahrzehnten umstritten. Sie wird zur Lagerung nuklearer Abfälle und zur Wiederaufbereitung benutzter Brennelemente verwendet. Sie ist der älteste und größte Atomkomplex in Europa und wird auch von deutschen Kraftwerksbetreibern zur Wiederaufbereitung benutzter Brennstäbe verwendet. Auf dem Gelände befinden sich noch etliche Castoren mit hochradioaktivem Abfall, die zurück nach Deutschland transportiert werden sollen.

Im vergangenen März musste der Betrieb der Atomanlage im Nordwesten Englands vorübergehend ausgesetzt werden, weil Sturmböen und Schnee die Sicherheit der Mitarbeiter gefährdeten. "Sellafield besteht aus mehr als 1300 Gebäuden, und wenn die Anlage in Betrieb ist, gleicht sie einer kleinen Stadt - mit mehr als 10.000 Leuten, die dort arbeiten und sich auf dem Gelände bewegen", erklärte der Betreiber damals.

Wegen der Sturmböen, des starken Schneefalls und der Tatsache, dass viele Straßen bereits gesperrt seien, sei es für die Arbeiter schlicht nicht sicher genug. Also versetzte der Betreiber die Atomanlage als Vorsichtsmaßnahme in "einen kontrollierten Abschaltungszustand" und schickte die Beschäftigten der Wiederaufbereitungsanlage und Einrichtungen zur Lagerung von Atommüll nach Hause. Eine Gefahr für die Sicherheit der Anlage habe auch im März 2013 nicht bestanden.

Schwere Zwischenfälle 1957 und 2005

Der schwerste Zwischenfall in der früher nach dem Nachbarort Windscale benannten Anlage ereignete sich im Oktober 1957. Damals brach in einem zum Bau von Bombenplutonium genutzten Reaktor ein Feuer aus. Beim Versuch, den Brand zu löschen, entwichen radioaktive Gase in die Atmosphäre und verseuchten ein Gebiet von mehreren hundert Quadratkilometern. Zeitweilig war hier die Milcherzeugung verboten. Der Reaktor wurde stillgelegt.

Einen weiteren Skandal gab es 2005, als bekannt wurde, dass nach einem Rohrbruch etwa 20 Tonnen eines hochaktiven Uran-Plutonium-Gemischs in Salpetersäure in eine Auffangwanne geflossen waren. Für Menschen und Umwelt habe keine Gefahr bestanden, betonte der Betreiber.

che/dpa/AP/Reuters



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insgesamt 53 Beiträge
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Seite 1
hman2 31.01.2014
1. So sicher wie das Amen in der Kirche...
Zitat von sysopAFPIn Sellafield gibt der Betreiber Entwarnung: Die hohe Radioaktivität in der Atomanlage gehe auf natürliche Radonstrahlung zurück. Wegen der auffälligen Werte sind in Sellafield derzeit nur die wichtigsten Mitarbeiter im Einsatz. Atomanlage Sellafield: - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomanlage-sellafield-natuerliches-radon-erhoehte-strahlungswerte-a-950438.html)
Immer wenn man Pannen nicht mehr vertuschen kann, werden in der Kernenergiebranche Pressemeldungen garniert mit "Eine Gefahr für die Bevölkerung bestand jedoch zu keinem Zeitpunk". Niemals nie nicht, unter gar keinen Umständen war, ist oder wird hier jemals was gefährlich sein... Geh'n se weiter, hier gibt's nix zu sehen...
günter1934 31.01.2014
2. Radon
Radon ist ein natürlich vorkommendes radioaktives Gas. Das Radon, das in Sellafield für Aufregung gesorgt hat, hat aber garantiert keinen natürlichen Ursprung sondern wurde bei der Aufarbeitung der Brennstäbe freigesetzt.
ich_auch_nicht 31.01.2014
3. Huii ..
Glück gehabt, Ich hatte schon befürchtet die erhöhten Strahlenwerte käme womöglich von der Brühe, die dort ins Meer verklappt wird.
dishmaster 31.01.2014
4. Verwundert!
Die Erklärung klingt aber seltsam. Wo kommt dieses Radon denn plötzlich her? Es wird ja hauptsächlich durch den Zerfall von Uran und Thorium gebildet. Wie es da zu einem Anstieg des natürlichen Vorkommens kommen kann, ist mir schleierhaft. Wir wissen ja, dass "natürlich" neuerdings verwunderlichen Interpretationen unterworfen ist. So wären alte Uranbrennstäbe durchaus auch eine "natürliche" Quelle.
calexico55 31.01.2014
5. Falsch einsortiert?
Das ist doch ne Meldung aus Spam: ein Gebiet mit Wiederaufarbeitung, AKW und mehreren Störfällen leidet unter "natürlicher Radioaktivität". Hat man das alles am ungünstigsten Platz Britanniens gebaut oder zählen die Isotope aus den Störfällen vergangener Jahre schon zur Umwelt? Wobei da ja die Radon-Freisetzung eher unbedeutend gewesen sein dürfte. Zitat: "Die Radioaktivitätswerte lägen über den natürlich auftretenden" & "dass diese Werte auf natürlich vorkommende Radon-Hintergrundstrahlung zurückgehen." Ja, wie jetzt?
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