Atomendlager: Niedersachsen bietet die meisten Gorleben-Alternativen

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Atommüll: Schwierigkeiten bei der Endlagerung Fotos
dpa

Nie ist in Deutschland ernsthaft nach einer Alternative zum umstrittenen Endlager Gorleben gefahndet worden. Dabei haben Geologen klare Vorstellungen, wo eine Suche lohnen würde. Ein Katalog von Kriterien liegt seit Jahren ungenutzt in der Schublade.

Berlin - Rund 300 bis 350 Tonnen Uran, so groß ist nach Auskunft der Gesellschaft für Nuklear-Service (GNS) die Menge an hochradioaktivem Abfall, die jedes Jahr in Deutschland anfällt. Aus jedem Kraftwerk kommen im Schnitt 40 bis 50 Brennelemente. Doch die Frage, wo der strahlende Müll für Hunderttausende, vielleicht sogar eine Million Jahre aufbewahrt werden kann, ist noch nicht beantwortet. Bis zum Betriebsstart eines Endlagers warten die alten Brennstäbe in provisorischen Zwischenlagern.

Die SPD hat den Atommüll inzwischen als Wahlkampfthema entdeckt. Die Sozialdemokraten versichern, dass das Endlager Gorleben - sollten sie es wieder in die Regierung schaffen - keine Zukunft hat. "Das Thema Endlagerung sollte wichtiger sein als politische Profilierungen", hält GNS-Sprecher Jürgen im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE dagegen. Seine Firma betreibt die Zwischenlager in Gorleben und Ahaus.

Seit Ende der siebziger Jahre hatte sich die Endlagersuche im Westen Deutschlands vor allem auf den Salzstock Gorleben im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg konzentriert - nicht zuletzt aufgrund politischen Drucks, wie sich nun zeigt. Alternative Standorte wurden über die Jahre nie ernsthaft geprüft - auch später nicht, weder unter Rot-Grün noch unter der Großen Koalition.

Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat inzwischen mehrfach gefordert, dass auch Alternativen zu Gorleben untersucht werden müssten - bis vor kurzem immer mit dem Versprechen, dass bei gleicher Eignung der Salzstock in Niedersachsen genutzt würde - wegen der dort bereits investierten Summen. Doch eine Suche nach alternativen Standorten hat vor allem auf Druck von Unions-Ministerpräsidenten und Atomindustrie bis heute nicht stattgefunden.

Kriterien existieren seit 2002 - und blieben ungenutzt

Dabei existieren seit Ende 2002 wissenschaftliche Kriterien, wie eine solche Suche zu organisieren wäre. Vorgelegt hat sie der sogenannte AkEnd (Arbeitskreis Auswahlverfahren Endlagerstandorte). Die 14-köpfige, unabhängige Gruppe war vom Umweltministerium eingesetzt worden und leistete fast vier Jahre lang eine immense Fleißarbeit. Ausgehend von einer weißen Deutschlandkarte definierten die Experten das ideale Suchverfahren, Bevölkerungsbeteiligung inklusive. Dabei legten sie Wert darauf, dass mindestens drei Standorte über Tage näher erkundet werden - und zwei unter Tage.

Doch umgesetzt in der Praxis wurden die Erkenntnisse nicht, auch wenn sie international - zum Beispiel in der Schweiz - zur wichtigen Referenz für die Endlagersuche wurden. "Es ist wissenschaftlicher Standard, dass man verschiedene Alternativen vergleicht", beklagt etwa Florian Emrich vom Bundesamt für Strahlenschutz im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "In anderen Ländern passiert das auch, in Deutschland nicht."

Das Umweltministerium hat mittlerweile Kriterien für eine neue Endlagersuche veröffentlicht. Und vielleicht stimmt eines Tages die Atomindustrie tatsächlich einer neuen Suche zu - im Tausch gegen längere Laufzeiten für einige Kraftwerke. Doch selbst wenn es dann ein Auswahlverfahren geben sollte, wird das wohl einige Zeit brauchen, zu viel ist in den vergangenen Jahren schiefgelaufen: "Ein Standortauswahlverfahren muss gut vorbereitet sein", sagt Karl-Heinz Lux von der Technischen Universität Clausthal im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das dauert mehrere Jahre." Die Menschen müssten darauf eingestimmt werden, wenn geologische Erkundungstrupps durchs Land zögen.

Wo könnte man nun - den politischen Willen vorausgesetzt - nach Alternativen zu Gorleben suchen? Geologen haben dafür zahlreiche Hinweise geliefert. SPIEGEL ONLINE dokumentiert nachfolgend die Optionen:

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Forum - Kernenergie - längere Laufzeiten trotz Reaktorpannen?
insgesamt 2342 Beiträge
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1.
Rainer Eichberg 11.07.2009
Zitat von sysopDie Kernenergie ist wieder diskutabel gewonnen, auch ein Ausstieg aus dem Ausstieg wird von Politikern erwogen. Wie zukunftsfähig ist die Atomenergie heute? Sollen die Reaktorlaufzeiten trotz der aktuellen Pannen verlängert werden?
Ja. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
2.
WillyWusel 11.07.2009
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Sie und Ihr Nachbar stehen jeweils mit MG ausgerüstet einem gefesselten Mann gegenüber. Sie meinen, es ist kein Unterschied, ob Sie den Mann an der Wand erschiessen oder Ihr Nachbar? Tot ist der sowieso? Schon mal was von Verantwortung für sein eigenes Tun gehört?
3. Söder und Ramsauer sind realitätsblind
kellitom 11.07.2009
Herr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
4.
flowpower22 11.07.2009
Zitat von Rainer EichbergJa. Alles andere wäre Blödsinn. Der Strom würde sonst im Ausland eingekauft, und auch da bekommen wir wieder Atomstrom. Nur halt nicht Atomstrom "made in Germany". Und ob in Frankreich ein Reaktor in die Luft geht, in Polen oder in der Tschechei, ist ziemlich egal - es würde uns dennoch treffen.
Es macht eben schon einen Unterschied. Glauben sie es oder nicht, aber die Welt schaut schon auf das was Deutschland macht. Wenn wir weiter mit Siemens die Speerspitze der Atomstrombewegung spielen, so werden die Bedenken in der Welt zerstreut. Aber es wird dann eben so sein wie immer. Die ärmeren Länder rechnen bei Sicherheitstandards vieles runter im Vergleich zu Deutschland. Auch diese sonderbare Haltung es bliebe uns quasi gar nichts anderes übrig halte ich für grossen Käse. In den 70'er Jahren gab es von der Politik verordnete Autofreie Sonntage um Sprit zu sparen. Das waren die schönsten Sonntage seit lange. Niemand hat diese Dreckskisten auch nur eine Sekunde vermisst.
5.
flowpower22 11.07.2009
Zitat von kellitomHerr Söder droht den Menschen damit, dass die CSU Strom aus Tschernobyl importieren müßte, wenn in Deutschland die Laufzeiten nicht verlängert würden.In einem Fernsehinterview. Der Ausspruch, blöd, blöder Söder bekommt hier eine ganz neue Berechtigung, denn in Tschernobyl wird schon lange gar kein Stropm mehr hergestellt. Alles abgeschsltet dort, Herr Söder. Alle 6 Blocks. Aber als Umweltminister in Bayern muss er so etwas nicht wissen. Dort kann selbst ein Söder Umweltminister werden und bleiben. Und Herr Ramsauer entblödet sich nicht zu sagen, dass es in Krümmel im egentlichen Inneren des Atommeilers keinerlei Probleme geben. Wo sind denn die Brennstäbelchen, Herr Ramsauer? Schweben die außen vorbei???? Oh weh, oh weh, die CSU verliert jegliche Glaubwürdigkeit. Hoffentlich merken das die Bayern VOR der Bundestagswahl, denn danach ist es zu spät.
Ich kann nur hoffen, dass die Bayern endlich aufwachen und dieser CSU mal die rote Karte zeigen werden in ein paar Wochen. Das wäre ein sehr gutes Zeichen und ein Sieg für das schöne Bayernland.
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