Atomkraft Gutachten warnt vor brasilianischem Fukushima

Deutschland verabschiedet sich von der Atomkraft, doch in Brasilien fördert die Bundesrepublik den Bau eines neuen AKW. Ein Gutachten attestiert der umstrittenen Anlage Angra 3 nach SPIEGEL-Informationen jetzt massive Sicherheitsmängel: Sie wäre einem Tsunami praktisch schutzlos ausgeliefert.

Anlagen Angra 1 und 2: Neues AKW Angra 3 mit drastischen Risiken verbunden
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Anlagen Angra 1 und 2: Neues AKW Angra 3 mit drastischen Risiken verbunden


Hamburg - Der Bau des brasilianischen Atomkraftwerks Angra 3 ist nach Einschätzung eines Nuklearexperten mit drastischen Risiken verbunden. Ein Gutachten im Auftrag der deutschen Umweltorganisation "Urgewald" attestiert dem Projekt Angra 3 laut SPIEGEL-Informationen große Sicherheitsmängel.

"Wir haben das Potential einer Katastrophe, die sogar Fukushima übertreffen könnte", heißt es in der Expertise. Die Bundesregierung entscheidet diesen Monat darüber, ob sie den Bau des Reaktors mit einer Exportbürgschaft über 1,3 Milliarden Euro unterstützt.

Das "Urgewald"-Gutachten kommt zu dem Ergebnis, dass das Atomkraftwerk aufgrund seiner Lage zwischen Meer und Steilhängen einem Tsunami oder einem Erdrutsch praktisch schutzlos ausgeliefert wäre. Die Bevölkerung könne lediglich über eine Küstenstraße evakuiert werden. Angra entspricht laut der Studie nicht einmal mehr den Kriterien, die der brasilianische Atomkonzern Eletronuclear "derzeit benutzt, um geeignete Orte für zukünftige Atomkraftwerke zu identifizieren".

Im September 2011 hatte die Bundesregierung eine Hermes-Bürgschaft für das brasilianische Atomkraftwerk zunächst um ein halbes Jahr verlängert - was von der Opposition scharf kritisiert worden war. Die Grünen nannten es "dreist und empörend", in Deutschland im Zuge der Energiewende "alte Schrottreaktoren" abzuschalten und im Ausland den Bau unsicherer Atomkraftwerke zu fördern. Nach Fukushima hatte Deutschland ein Moratorium für die ältesten AKW verhängt, das schließlich in eine dauerhafte Stilllegung mündete.

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plagiatejäger 04.03.2012
1. Falschmeldungen über Tsunami
Es wird immer wieder gern der Fehler gemacht, dem Tsunami in Japan die Schuld an der Nuklear-Katastrophe zu geben. Heute scheint es doch sehr klar, daß die Reaktoren keineswegs einem starken Erdbeben, wie es statistisch alle 200 Jahre in Japan auch tatsächlich vorkommt, standhalten konnte - und die Kernschmelze schon 10 Sekunden nachh dem Beben in den meisten Reaktoren stattfand. Der Tsunami hat die Kernschmelze nicht ausgelöst,. Es wäre auch mit funktionierendem Kühlsystem immer in Japan zu Kernschmelzen gekommen. In Brasilien hat man die Chance, nach der dortigen Katastrophe wenigstens, die Berge abzusprengen und das AKW mit Gestein zuzuschütten. Man sollte beim Bau halt einfach ein paar Notbomben im Berg deponieren, um vor der Nuklear-Explosion alles schnell begraben zu können. Für Deutschland besteht wenig Gefahr durch explodierende REaktoren in Brasilien, Frankreich ist viel näher. Erdbeben in Europa sind naturgemäßt selten, aber sehr stark - irgendwass muss ja die Alpen aufgetürmt haben - und diese Kraft geht weiter.
chico 76 04.03.2012
2. Sag mir
Zitat von sysopAFPDeutschland verabschiedet sich von der Atomkraft, doch in Brasilien fördert die Bundesrepublik den Bau eines neuen AKW. Ein Gutachten attestiert der umstrittenen Anlage Angra 3 nach SPIEGEL-Informationen jetzt massive Sicherheitsmängel: Sie wäre einem Tsunami praktisch schutzlos ausgeliefert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,819132,00.html
wer die Studie beauftragte und ich sage dir was rauskommen ( soll ) wird.
die_piratenbraut 04.03.2012
3. Schwarzseher
Zitat von sysopAFPDeutschland verabschiedet sich von der Atomkraft, doch in Brasilien fördert die Bundesrepublik den Bau eines neuen AKW. Ein Gutachten attestiert der umstrittenen Anlage Angra 3 nach SPIEGEL-Informationen jetzt massive Sicherheitsmängel: Sie wäre einem Tsunami praktisch schutzlos ausgeliefert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,819132,00.html
Warum wird immer nur auf die negativen Seiten geschaut? Es muss doch mal festgehalten werden, dass gerade die alten Kernkraftwerke, solange sie im regulären Betrieb arbeiten, sehr umweltfreundlichen Strom und hohe Gewinne für den Betreiber anwerfen. Die heute verlangte Sicherheitstechnik macht Kernkraftwerke dagegen unrentabel, weil zu teuer. Wir sollten viel mehr die Vorteile der Kernkraft herausarbeiten. Die Kraftwerke von Tschernobyl waren für die Region vor dem Super GAU ein wichtiges wirtschaftliches Standbein. Warum wird das verdrängt und nur auf die wenigen Generationen geschaut, die um das Kraftwerk nicht leben können? Tschunamis an der Küste Brasiliens sind sehr selten. Risiko gehört zum Leben, oder zieht in Brasilien ein ahrradfahrer einen Helm auf?
emma04 04.03.2012
4. Volksverdummung
Wo bitte soll in Braslilien ein Tsunami herkommen. Anders als im Pazifik schiebt sich im Atlantik keine Platte unter die andere, sondern der Atlantik vergrößert sich. Daher gibt es auch keine Seebeben und damit kein Tsunami. Der Artikel ist reine Panikmache.
hubertrudnick1 04.03.2012
5. Verunsicherungen
Zitat von sysopAFPDeutschland verabschiedet sich von der Atomkraft, doch in Brasilien fördert die Bundesrepublik den Bau eines neuen AKW. Ein Gutachten attestiert der umstrittenen Anlage Angra 3 nach SPIEGEL-Informationen jetzt massive Sicherheitsmängel: Sie wäre einem Tsunami praktisch schutzlos ausgeliefert. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,819132,00.html
Warum werden die Menschen immer mit diesen Verunsicherungen aufgeschreckt, die Freunde der Atomkraftenergiegewinnung wollen doch nach wie vor an ihre totale Sicherheit glauben können. Es gibt nicht schöneres als wenn man gleich neben ein Atomkraftwerk wohnt und leben kann, nicht wahr? HR
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