Schleswig-Holstein AKW Brokdorf bleibt nach Auffälligkeiten länger vom Netz

Bei einer Inspektion im Atomkraftwerk Brokdorf haben Techniker Auffälligkeiten an den Brennstäben entdeckt. Der Meiler soll nun länger abgeschaltet bleiben als eigentlich geplant.

AKW Brokdorf
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AKW Brokdorf


Wegen Auffälligkeiten an den Brennstäben bleibt das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein zunächst vom Netz. "Erst, wenn die Ursache geklärt und ausgeschlossen ist, dass sich das Problem an anderen Brennstäben wiederholt, kommt ein Wiederanfahren des Kernkraftwerks in Betracht", sagte der schleswig-holsteinische Umweltminister Robert Habeck (Grüne).

Bei einer Inspektion hatten Techniker auffällig dicke Oxidschichten an den Brennstäben entdeckt. Laut Betreiber PreussenElektra und Umweltministerium bestand dadurch zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für die Mitarbeiter oder die Bevölkerung.

Die Brennstäbe eines Atomreaktors bestehen aus zwei Teilen: einem Hüllrohr aus Metall und dem darin enthaltenen Brennstoff. Im Laufe der Zeit oxidieren die Hüllrohre. Üblich sei am Ende der etwa fünfjährigen Lebensdauer eines Elements eine Oxidschicht, die maximal 0,1 Millimeter dick ist. Bei den betroffenen Elementen war die Oxidschicht stellenweise demnach aber bereits nach rund zwei Jahren weitaus dicker und erreichte in einem Fall punktuell schon 0,15 Millimeter.

Das Kraftwerk durchläuft derzeit seine Jahresrevision, bei der unter anderem Brennstäbe ausgewechselt werden. Es befindet sich währenddessen nicht am Netz und ist abgeschaltet. Nach Angaben des für die Atomaufsicht zuständigen Umweltministeriums waren bei den Wartungsarbeiten zunächst ungewöhnlich viele Schwebstoffe im Reaktorwasser bemerkt worden. Diese entpuppten sich als Oxidteile.

Revisionszeit verlängert

Bei dem Betreiber PreussenElektra handelt es um die umbenannte frühere Kernkraftsparte des Energieriesen E.on. Der Konzern kündigte an, die Revisionszeit wegen der anstehenden Untersuchungen bis zum 3. März zu verlängern und in dieser Zeit die Ursachen für die erhöhte Oxidation zu suchen.

Brokdorf ist das einzige Atomkraftwerk in Schleswig-Holstein, das noch Strom produziert. Die Meiler Krümmel (Geesthacht) und Brunsbüttel sind nach Pannen bereits seit Jahren abgeschaltet und seit einiger Zeit endgültig stillgelegt. Sie sollen zurückgebaut werden.

sep/AFP/dpa



insgesamt 46 Beiträge
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ROBIN7 21.02.2017
1. Gleich ganz abschalten
Ist die atomare Schüttelbude mal wieder kaputt - so wie die angeblich so "zuverlässigen" Atomkraftwerke in Frankreich ? Man sollte sie lieber gleich ganz abschalten !
jalb63 21.02.2017
2.
War es nicht so, daß Alternativstrom nicht uns Netz eingespeist werden kann, weil AKW-Strom Netze belastet? Das Ding sollte abgeschaltet bleiben.
tatsache2011 21.02.2017
3. Ursache finden reicht nicht
"die Revisionszeit wegen der anstehenden Untersuchungen bis zum 3. März zu verlängern und in dieser Zeit die Ursachen für die erhöhte Oxidation zu suchen." Nach dem 3. März ist die Revisionszeit beendet und es beginnt die Ausfallzeit zum weiteren Suchen der Ursache und Beseitigung der Ursache.
H-Vollmilch 21.02.2017
4.
Da dürften doch jetzt genügend Gründe vorliegen, eine weitere tickende Zeitbombe abzuschalten und vom Netz zu nehmen. Jeder Weiterbetrieb wäre unverantwortlich!
gs-hybrid 21.02.2017
5. AKW Brokdorf bei den
Das AKW Brokdorf verzeichnet seit seiner Inbetriebnahme 1986 bis Ende 2016 insgesamt 246 sogenannte "meldepflichtige Ereignisse". Damit steht Brokdorf nach dem AKW Philippsburg 2 (259 Ereignisse) und dem AKW Grohnde (249 Ereignisse) in der Spitzengruppe der 8 noch in Betrieb befindlichen AKWs. Quelle: Bundesamt für Strahlenschutz (http://www.bfs.de/DE/themen/kt/ereignisse/standorte/kkw/kkw.html)
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