Schleswig-Holstein AKW Brokdorf muss seine Leistung drosseln

An den Brennelementen des Atomkraftwerks Brokdorf hat sich eine dicke Oxidschicht gebildet, es wurde vorübergehend abgeschaltet. Nun hat die Atomaufsicht die Ursache für das Problem entdeckt.

Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein
DPA

Kernkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein


Das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein darf nur mit gedrosselter Leistung wieder ans Netz. Grund sei eine ungewöhnlich schnelle und starke Korrosion an Brennstäben, teilte Landesenergieminister Robert Habeck (Grüne) am Montag in Kiel mit. Dazu habe das Zusammenwirken mehrerer Faktoren geführt, unter anderem eine vor Jahren vorgenommene Leistungserhöhung sowie ein immer häufigeres schnelles Hoch- und Runterfahren des Reaktors.

Im Februar waren an Hüllrohren von Brennelementen in Brokdorf bei der routinemäßigen Jahresrevision ungewöhnlich dicke Metalloxid-Schichten entdeckt worden. An einigen Stäben waren die Grenzwerte überschritten. Die im Kieler Umwelt- und Energiewendeministerium angesiedelte Atomaufsicht hatte eine gründliche Untersuchung eingeleitet und das Wiederanfahren untersagt. Eine Gefahr bestand demnach allerdings nicht.

Dass eine dünne Oxidschicht an den Metallrohren um den radioaktiven Brennstoff entsteht, ist nach Angaben der Behörden und des Betreibers normal. Die Stäbe im Reaktor werden mit Wasser gekühlt, dem das Element Bor zugesetzt ist. Im Laufe der Zeit reagiert die heiße Oberfläche der Brennstabhülle mit dem im Wasser gelösten Sauerstoff und Wasserstoff und bildet eine Schicht. Diese war in Brokdorf teils aber ungewöhnlich dick.

"Hohe Leistungsanforderungen"

Nach den nun vorliegenden Ergebnissen sei die beschleunigte Korrosion an den Rohren auf "ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren" zurückzuführen, erklärte das Ministerium am Montag. Neben dem für die Hüllen verwendeten Material seien die "hohen Leistungsanforderungen" an den Reaktor dafür verantwortlich.

Demnach war dem Betreiber 2006 erlaubt worden, die elektrische Bruttoleistung des Kraftwerks zu erhöhen. Seit 2011 und dann noch einmal seit 2015 wurde von dem AKW zudem ein intensiverer sogenannter Lastfolgebetrieb praktiziert, um auf wechselnde Auslastungen im Stromnetz zu reagieren. "Diese Beanspruchung hat nach unseren Erkenntnissen zu der unerwarteten Oxidation im oberen Bereich einiger Brennstäbe geführt", erklärte Habeck.

Seinen Angaben zufolge wird der Betreiber PreussenElektra den Betrieb von Brokdorf künftig wieder auf den Modus von vor 2006 umstellen. Für diesen Zustand lägen gesicherte Erfahrungen zum Verhalten der Rohre vor, Wiederholungen der starken Korrosion würden damit "sicher verhindert". Unter dieser Bedingung habe die Atomaufsicht auch die Wiederbeladung des Reaktors erlaubt. Dies sei aber keine automatische Zustimmung zum Wiederanfahren. Wann das AKW wieder ans Netz gehen soll, ist bislang unklar.

jme/AFP/dpa



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