Atomenergie Schleswig-Holstein untersagt Wiederanfahren von AKW Brokdorf

Der Umweltminister von Schleswig-Holstein lässt den Konflikt mit dem Betreiber des Kernkraftwerks Brokdorf eskalieren. Nach SPIEGEL-Informationen darf der Meiler nicht mit neuen Brennstäben beladen werden.

Kernkraftwerk Brokdorf
imago/ blickwinkel

Kernkraftwerk Brokdorf


Der Befund hat sowohl Atom-Ingenieure wie Aufsichtsbeamte überrascht: Im Atomkraftwerk Brokdorf hatte man bei Revisionsarbeiten eine Oxidationsschicht an den Stäben der Brennelemente entdeckt, die in einer solchen Dicke niemand erwartet hätte. Hinzu kommt ein weiterer, beunruhigender Befund: Die Korrosionsschicht befindet sich auch dort, wo die Elemente gar nicht heiß werden - ein Rätsel für alle Beteiligten.

PreussenElektra, der Betreiber der Anlage, will mit dem Beladen der Brennstäbe nach der Revision des Kraftwerks trotzdem einfach so weitermachen wie bisher. So jedenfalls kündigte er es unlängst an. Nun macht ihm Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) einen Strich durch die Rechnung.

Nach SPIEGEL-Informationen wird der Grünen-Politiker das Vorgehen heute Nachmittag untersagen. "Wir lassen uns nicht treiben", sagte Habeck. Es seien einfach noch viel zu viele Fragen ungeklärt, heißt es aus seinem Umfeld.

Parallelen zu anderen Störfällen in deutschen AKWs

Seit Monaten beschäftigt die Aufsichtsbehörde nun schon der seltsame Fund, und jede weitere Erkenntnis ließ die Sorgen auf staatlicher Seite nur noch größer werden. Atomkraftgegner haben dies bereits zum Anlass genommen, Blockaden vor der Anlage an der Elbmündung zwischen Brunsbüttel und Glückstadt zu errichten.

Habecks Beamte glauben nun auch Parallelen entdeckt zu haben zu Störfällen in anderen deutschen AKW, etwa in Philippsburg und in Grohnde. Dies gab offensichtlich den Ausschlag, die Bestückung der Anlage mit neuen Brennelementen zu unterbinden.

Brokdorf ist das letzte der drei Kernkraftwerke Schleswig-Holsteins, das noch in Betrieb ist. Die Meiler in Krümmel (Geesthacht) und Brunsbüttel sind nach Pannen abgeschaltet und stillgelegt. Der Rückbau wird vorbereitet. Bei dem Betreiber PreussenElektra handelt es sich um die Kernkraftsparte des Energiekonzerns E.on, der sich im vergangenen Jahr aufgespalten hat.

Durch den Beschluss der Landesregierung in Kiel dürfte Brokdorf noch deutlich länger vom Netz bleiben als ursprünglich geplant. Nach der Beladung der Brennstäbe dauert es in der Regel noch zwei weitere Wochen, bis der Reaktor hochgefahren wird. Doch davon ist man an der Elbe nun weiter entfernt, als noch Anfang der Woche gedacht.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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Seite 1
karl-felix 14.03.2017
1. Sofort
vom Netz nehmen . Schleswig-Holstein hast Windstrom bis zum Abwinken und muss den bis Bayern abführten . Vor Ort verbrauchen ist sinnvoller. Unsinnig jetzt für ein paar Jahre der Weiterbetrieb nur der reinen Geldgier wegen . Viel zu riskant. I n 5 Jahr3en ist eh Schluss mit der Atomkraft in Deutschland.
kritischergeist 14.03.2017
2. Erfreulicherweise......
....besteht ja keinerlei Zusammenhang zwischen dem Strom aus der Steckdose und Kraftwerken die ihn erzeugen. Die Grünen spielen Russisches Roulett mit der Stromversorgung im Norden. Wenn E.ON von diesem Mobbing eines Tages die Nase voll hat zieht es den Abzug.
Flari 14.03.2017
3.
Zitat von karl-felixvom Netz nehmen . Schleswig-Holstein hast Windstrom bis zum Abwinken und muss den bis Bayern abführten . Vor Ort verbrauchen ist sinnvoller. Unsinnig jetzt für ein paar Jahre der Weiterbetrieb nur der reinen Geldgier wegen . Viel zu riskant. I n 5 Jahr3en ist eh Schluss mit der Atomkraft in Deutschland.
Leider weht der Wind auch in SH weder stetig, noch nach Bedarf. Teilweise weht dort sogar gar kein Wind, während die Bewohner trotzdem nicht auf Strom verzichten wollen.
karl-felix 14.03.2017
4. Sie
Zitat von kritischergeist....besteht ja keinerlei Zusammenhang zwischen dem Strom aus der Steckdose und Kraftwerken die ihn erzeugen. Die Grünen spielen Russisches Roulett mit der Stromversorgung im Norden. Wenn E.ON von diesem Mobbing eines Tages die Nase voll hat zieht es den Abzug.
meinen, man solle Eon enteignen ? Das sehe ich anders. Ich denke man sollte Eon bei der industriellen Fertigung und Installation von Solaranlagen fördern damit möglichst schnell das Ziel des EEG- mindestens 80% Anteil EE im Netz- erreicht wird. Eon hat völlig recht auf Solarenergie zu setzen vor dem Hintergrund , dass die Sonne seit Milliarden Jahren in 3 Stunden soviel Energie zu uns schickt, wie die gesamte Menschheit für alle ihre Aktivitäten inkl. Mobilität im ganzen Jahr verbraucht. Das ist schon ok, dass Eon seine fossilen Kraftwerke abstösst und die AKW gehen sowie so in den nächsten Jahren vom Netz. Ich finde es gut, dass in Deutschland nie wieder ein AKW oder KKW gebaut wird. Wir haben EE im Überfluss.
hman2 14.03.2017
5. Das ist soo ermüdend...
Zitat von kritischergeist....besteht ja keinerlei Zusammenhang zwischen dem Strom aus der Steckdose und Kraftwerken die ihn erzeugen. Die Grünen spielen Russisches Roulett mit der Stromversorgung im Norden. Wenn E.ON von diesem Mobbing eines Tages die Nase voll hat zieht es den Abzug.
Seit nunmehr 40 Jahren erlebe ich, wie die Kernkraftlobby nicht müde wird, vom bevorstehenden Blackout zu faseln, und er kommt und kommt nicht, und die Bundesrepublik ist nach wie vor in Summe Stromexporteur, d.h. wir haben zu viel Strom im Netz, nicht zu wenig. Die Österreicher freut's, die kaufen unseren Überschuss zu negativen Preisen, d.h. sie bekommen Geld für das Verbrauchen, pumpen damit Millionen Liter Wasser im Pumpspeicherwerk nach oben, und bei der nächsten Lastspitze verkaufen sie uns unseren eigenen Strom zurück, und bekommen so ein zweites Mal Geld... Die sind da halt schlauer als wir...
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