Atompanne in Belgien Keine Spur vom Saboteur

Auch vier Jahre nach der Sabotage in einem Atomkraftwerk in Belgien fehlt den Behörden jeder Hinweis auf den Täter. Es sei nicht einmal auszuschließen, dass der Täter bis heute in dem Kraftwerk arbeite.

Atomkraftwerk Doel
DPA

Atomkraftwerk Doel


Die Atomexpertin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, wirft den belgischen Behörden "schwere Versäumnisse" bei der Aufklärung eines Sabotageakts im belgischen Atomreaktor Doel bei Antwerpen vor. In einem Block des wegen zahlreicher Pannen und Störungen in Verruf geratenen Meilers hatten ein oder mehrere Unbekannte im August 2014 das Ölventil einer Turbine geöffnet, woraufhin sich der Reaktor abschaltete.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 34/2018
Heiler, Gurus, Scharlatane - Der Boom der Alternativmedizin

Wie der SPIEGEL berichtet, ergaben Nachforschungen der belgischen Ermittlungsbehörden, dass es sich offensichtlich um eine "vorsätzliche Manipulation" gehandelt hatte. Bis heute jedoch haben die belgischen Behörden offenbar keine Hinweise auf den Täter oder die Motive des Verbrechens, heißt es in einem Bericht der Bundesregierung vom 3. August.

Es sei nicht einmal auszuschließen, dass der Saboteur noch heute in dem Kraftwerk arbeite, moniert die grüne Atomexpertin. Angesichts des immensen Schadens, den bereits ein Einzeltäter in einem Atomkraftwerk anrichten könne, sei das "äußerst erschreckend".

Im Oktober 2014 hatten belgische Behörden herausgefunden, dass ein Dschihadist für rund drei Jahre im Hochsicherheitsbereich des AKW Doel als Sicherheitstechniker tätig war. Der Mann marokkanischer Abstammung arbeitete für ein externes Subunternehmen. Er hatte offenbar alle Background-Checks bestanden, obwohl er bereits im Visier der Behörden stand.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL-Magazin - am Kiosk erhältlich ab Samstagmorgen und immer freitags bei SPIEGEL+ sowie in der digitalen Heft-Ausgabe.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.

insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
limauniform2 17.08.2018
1. Es ist nicht auszuschließen,....
....dass die grüne Atomexpertin sich auch irrt. In Belgien jedenfalls gibt es keine Panikmache und das Nachbarland ist zweifellos ein funktionierender Rechtsstaat. Da ändert auch insinuierte Zweifel der Grünen nichts.
Newspeak 17.08.2018
2. ....
Und es gibt keine Kameraüberwachung in einen sicherheitsrelevanten Teil eines Atomkraftwerks?
r_saeckler 17.08.2018
3. "Die Atomexpertin der Grünen"...! Herr Dohmen, geht's noch?!
Ich gebe ja zu, "Experte" ist keie geschützte Berufsbezeichnung - ebensowenig wie "Model" oder "Masseuse". Aber ein Rest Selbstachtung sollte sogar einen SPON-Schreiberling hindern eine Person die - Zitat Wikipedia - " Germanistik, Anglistik und Kunstgeschichte in X, Y und z" studiert hat, selbstverständlich OHNE Abschluss und später dann "eine Kinderwerkstatt aufbaute" und schließlich in der Fraktion der Grünen zu "den Themen Atomausstieg, Atommüll und Endlagersuche, Atomtransporte, AKW im In- und Ausland, Uran, Energieforschung sowie Strahlenschutz/Mobilfunk" dilletiert als "Atomexpertin" hoch zu jazzen. Sonst, Herr Dohmen, können Sie sich nach einem gelegentlichen Kirchenbesuch gerne auch als "Theologie-Experten" titulieren. Was in Doel Besorgnis erregend ist und was nicht, da google oder frage ich im Zweifelsfall lieber bei der belgischen staatlichen Atomaufsichtsbehörde nach als bei einer abgebrochenen Germanistik-Studentin mit Kinderladen-Praxis.
mit66jahren 18.08.2018
4. Doel gibt es auch in Deutschland
AKWs, Gefängnisse und Flughäfen sind mit schwer überwindlichen Zäunen gegen unbefugtes Betreten geschützt, aber aufgrund des Faktors Mensch und der Computervernetzung nicht hundertprozentig sicher(, lässt man einmal normale technisch bedingte Risiken außen vor). Seit der Amokfahrt auf dem Berliner Christkindl-/Weihnachtsmarkt vor ein paar Jahren werden nun auch größere Menschenversammlungen bei Volksfesten oder Musikdarbietungen mit Betonblöcken und mit von Sicherheitsleuten bewachten Zäunen gesichert. Brücken über Autobahnen sind schon seit längerer Zeit ein potentielles Sicherheitsrisiko, denn sie eignen sich für Steinattacken gegen Autofahrer. Wer durch Usbekistan fährt, wird Polizeihäuschen vor größeren Brückenbauwerken sehen. Wahrscheinlich müssen wir künftig auch bei uns in punkto Brückensicherheit aufrüsten, denn wir haben nun mit mehr Gefährdern eine neue Situation im Land. Man kann zwar behaupten, durch neue Grenzen im Landesinneren entstehen neue Arbeitsplätze. Doch wirklich produktiv oder fortschrittlich sind sie nicht.
dasfred 18.08.2018
5. Ein Saboteur muss kein Dschihadist sein
Es reicht schon eine einfache Suchterkrankung, Medikamente oder Alkohol, oder eine zeitweise psychische Störung, die den Kollegen nicht gleich auffällt, um die Sicherheitslage im AKW deutlich zu verschlechtern. Soetwas kommt häufiger vor, als wir es uns vorstellen und ist meistens auch nur den Vorgesetzten und den behandelnden Ärzten bekannt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.