Japan Gericht erlaubt Wiederanfahren umstrittener Reaktoren

Atomkraftgegner wollten den Neustart von zwei Reaktoren in Japan per Gericht stoppen - sie sind nun gescheitert. Schon im Juli sollen die umstrittenen Meiler des AKW Sendai wieder ans Netz gehen.

Atomkraftwerk Sendai in der Präfektur Kagoshima im Südwesten des Landes: Seit Fukushima-Gau abgeschaltet
REUTERS

Atomkraftwerk Sendai in der Präfektur Kagoshima im Südwesten des Landes: Seit Fukushima-Gau abgeschaltet


Vier Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima ist Japan der Rückkehr zur Kernenergie einen Schritt näher gekommen. Ein Gericht wies am Mittwoch die Forderung von Bürgern zurück, ein Wiederanfahren zweier Reaktoren des Betreibers Kyushu Electric Power im Atomkraftwerk Sendai im Südwesten des Landes zu stoppen. Die Reaktoren sollen im Juli ans Netz gehen.

Das Urteil ist ein Erfolg für Ministerpräsident Shinzo Abe, der möglichst schnell die ersten nach der Atomkatastrophe abgeschalteten Meiler im Lande wieder in Betrieb sehen will. Die rechtskonservative Regierung setzt sich damit über den breiten Widerstand in der eigenen Bevölkerung hinweg. In Umfragen spricht sich eine Mehrheit der Bürger immer wieder gegen eine Rückkehr zur Atomkraft aus.

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Erlaubnis von Atomaufsichtsbehörde

Erst vor wenigen Tagen hatte ein anderes Gericht das Wiederanfahren zweier Reaktoren im AKW Takahama in Westjapan unterbunden und damit Abe einen Stolperstein in den Weg gelegt. Das Bezirksgericht in Fukui verhängte eine einstweiligen Verfügung gegen das Vorhaben. Begründung: Die neuen Sicherheitsauflagen - laut der Regierung die "strengsten der Welt" - seien "zu locker". Das Gericht urteilte, die Sicherheit der Reaktoren könne nicht gewährleistet werden. Den neuen Sicherheitsstandards der japanischen Atomregulierungsbehörde mangele es an "Rationalität", hieß es.

Das Gericht, das nun über die Zukunft der Reaktoren in Sendai entschieden hat, urteilte dagegen, die neuen Sicherheitsstandards seien angemessen, wie japanische Medien berichteten. Die Kläger, größtenteils Anwohner, prüfen nun, ob sie gegen das Urteil vorgehen wollen.

Zuvor hatte die Atomaufsichtsbehörde für beide Standorte, Sendai und Takahama, dem Wiederanfahren zugestimmt. Die Reaktoren in Sendai hätten genauso wie die beiden Reaktoren in Takahama die nach dem GAU in Fukushima verschärften Sicherheitsauflagen erfüllt.

Derzeit stehen sämtliche 48 kommerzielle Reaktoren in Japan still. Sie gingen nach dem Super-Gau in Fukushima im März 2011 Schritt für Schritt vom Netz. Während in Japan inzwischen über die Rückkehr zur Atomenergie diskutiert wird, laufen die Aufräumarbeiten in Fukushima weiter. Mitte April wagte sich die Betreiberfirma Tepco erstmals mit einem Roboter in die Ruine und lieferte die ersten Bilder aus dem Inneren der Atomruine.

jme/dpa/AFP

insgesamt 32 Beiträge
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felisconcolor 22.04.2015
1. Bevor
jetzt wieder jemand den Weltuntergang herbei redet. Bitte schlau machen wieviele Ressourcen Japan an fossiler Energie hat. Wieviel bisher der Zukauf von Energieträgern Japan gekostet hat UND keine was wäre wenn und Zukunftsutopien spinnen. Japan hat kaum bis keine Alternativen und die lassen sich auch nicht in 5 Minuten aus dem Boden zaubern. Und Japan hat auch ein Recht auf bezahlbare Energie. Und verschont uns mit Beispielen aus Deutschland, wo das hingeführt hat sehen wir.
r_dawkins 22.04.2015
2. Wie man FÜR Atomenergie sein kann,
erschließt sich mir nicht! Das ist höchstens als so eine Art von Trotzreaktion zu verstehen?
Frau_Enschleger 22.04.2015
3. AKWeg
Zitat von felisconcolorjetzt wieder jemand den Weltuntergang herbei redet. Bitte schlau machen wieviele Ressourcen Japan an fossiler Energie hat. Wieviel bisher der Zukauf von Energieträgern Japan gekostet hat UND keine was wäre wenn und Zukunftsutopien spinnen. Japan hat kaum bis keine Alternativen und die lassen sich auch nicht in 5 Minuten aus dem Boden zaubern. Und Japan hat auch ein Recht auf bezahlbare Energie. Und verschont uns mit Beispielen aus Deutschland, wo das hingeführt hat sehen wir.
Ja diese Argumentation macht total Sinn weil Japan ja das Uran im eigenen Land abbaut und nicht zukaufen muss. Bitte mal slebst schlau machen wieviele Ressourcen Japan an atomarer Energie hat. Und dass Atomkraft billiger sein soll stimmt ja auch nur wenn man von den Folgekosten absieht, die dann die nächsten Generationen blechen dürfen. Sieht man ja am Beispiel Deutschland wo das hinführt & wie Stromkonzerne sich vor den Folgekosten drücken.
pb-sonntag 22.04.2015
4. Das Gejammer der Steinzeitaktivisten
ist kaum zu überhören. "Jetzt schalten die doch wieder ihre Reaktoren ein, diese Japaner. Wohl nichts gelernt? Nicht so wie wir hier in Deutschland!" Da wird mal schnell das "grüne" Feld von den "Schwarze" bestellt und hierzulande der Atomausstieg propagiert. Was für einen Preis bezahlen wir dafür? Das sehen wir an den horrend steigenden Stromkreise und an den den Horizont verstellen Windrädern. Dafür leben wir auf der Insel der Glückseligen, zwischen all den Atommeilern, die uns umringen. Mir ist also egal, woher der Strom kommt, Hauptsache der Preis stimmt.
Wofgang 22.04.2015
5.
Da trifft die Weißheit von Strauß selig wieder mal voll zu: Das einzige was der Mensch aus der Geschichte lernt, ist, dass der Mensch aus der Geschichte nichts lernt.
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