Atomkraft Japan erwägt, Altreaktoren stillzulegen

Der Betreiber des Atomkraftwerks Mihama überlegt, zwei Alt- Reaktoren in Japan stillzulegen. Auch neue AKW soll es vorerst nicht geben.

Atomkraftwerk Mihama: Stehen Reaktor 1 und 2 vor dem Aus?
AP

Atomkraftwerk Mihama: Stehen Reaktor 1 und 2 vor dem Aus?


Zwei jahrzehntealte Atomreaktoren im Westen Japans stehen möglicherweise vor der endgültigen Stilllegung. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo am Freitag meldete, erwägt der Betreiber des Atomkraftwerks Mihama, der Elektrizitätsversorger Kansai Denryoku, die mehr als 40 Jahre alten Reaktoren 1 und 2 auszurangieren. Insgesamt besteht das Werk aus drei Reaktorblöcken. Im August 2004 war es in dem Atomkraftwerk (AKW) zu einem Störfall mit mindestens vier Todesopfern gekommen.

Auch den Bau neuer Kernkraftwerke schloss Yuko Obuchi, neue japanische Ministerin für Handel und Industrie, zumindest auf absehbare Zeit aus. Die existierenden Meiler würden derzeit Sicherheitsüberprüfungen unterzogen, daher rechne sie zum jetzigen Zeitpunkt nicht mit dem Bau neuer Meiler, sagte Obuchi laut "Japan Times".

In Folge der Fukushima-Katastrophe im März 2011 sind derzeit alle Meiler in Japan abgeschaltet. Wenn sie verschärfte Sicherheitsauflagen erfüllen, sollen sie aber wieder hochgefahren werden. Im April hatte die japanische Regierung den Wiedereinstieg in die Atomkraft beschlossen.

Protest gegen Wiedereinstig

In der Bevölkerung ist der Plan umstritten. Zuletzt hatten im Mai 2014 knapp 200 Japaner den Neustart des Atomkraftwerks Oi in der westlichen Provinz Fukui gerichtlich stoppen lassen. Die Klägergruppe hatte beanstandet, dass die Sicherheit nicht belegt sei. Das Bezirksgericht gab ihnen recht.

Inzwischen sieht die Regierung die Sicherheit von zwei abgeschalteten Reaktoren des Landes aber als gewährleistet an. Japans Atomregulierungsbehörde NRA veröffentlichte im Juli einen rund 400 Seiten starken Bericht, demzufolge die Anlage Sendai 1 und Sendai 2 in Südjapan sicher genug sind, um wieder ans Netz zu gehen. Wann genau das der Fall sein wird, ist noch unklar. Die Bevölkerung und örtliche Behörden sollen in eine Entscheidung über das Hochfahren der Anlage einbezogen werden.

Am 11. März 2011 kam es nach einem schweren Erdbeben und einem Tsunami in gleich drei Reaktoren des Atomkraftwerks Fukushima Daiichi zur Kernschmelze. Radioaktive Stoffe wurden in großen Mengen frei, weite Gebiete mussten evakuiert werden. Die Aufräumarbeiten werden Jahrzehnte dauern.

jme/dpa/AFP

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insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
fatherted98 05.09.2014
1. Sicher eine gute...
...Entscheidung. Die Gefahr ist dadurch aber nicht gebannt...die Brennstäbe bleiben aktiv...das merkt man auch in Deutschland. Ein AKW Rückzubauen dauert ca 50-60 Jahre...und die Kosten sind astronomisch...und...wohin mit dem Dreck der nicht "abklingt"? Naja...der Pazifik ist ja recht groß..
pinkfeuerfisch 05.09.2014
2.
Ich verstehe nicht : Woher bezieht dieses Land denn dann derzeit seine Energieversorgung? Ich meine, eine Industrienation / ein ganzes Land wird ja wohl kaum komplett mit Lagerfeuer und Kerzen funktionieren. Also: wenn es "derzeit" auch ohne Meiler geht, WARUM sollen sie dann wieder ans Netz gehen? Damit sie dann bei der nächsten Naturkatastrophe in die Luft fliegen ?
knuty 05.09.2014
3.
Ach, Fukushima war doch eine absolute Ausnahme. So etwas passiert nur alle paar hundert Jahre, wenn überhaupt. Ein derartiges schweres Erdbeben zusammen mit einem so hohem Tsunami, die zufällig ausgerechnet noch auf AKW treffen, die aus Kostengründen nicht darauf eingerichtet waren, wird so schnell nicht noch ein Mal passieren. Und ist doch auch kaum Schaden entstanden. Hauptsache ist doch, dass weiterhin billiger Strom geliefert wird. * *Ironietags liefere ich bei Bedarf nach.
x+n 05.09.2014
4. ...
Zitat von pinkfeuerfischIch verstehe nicht : Woher bezieht dieses Land denn dann derzeit seine Energieversorgung? Ich meine, eine Industrienation / ein ganzes Land wird ja wohl kaum komplett mit Lagerfeuer und Kerzen funktionieren. Also: wenn es "derzeit" auch ohne Meiler geht, WARUM sollen sie dann wieder ans Netz gehen? Damit sie dann bei der nächsten Naturkatastrophe in die Luft fliegen ?
Das Land importiert mehr fossile Brennstoffe, insbesondere Gas, was die Volkswirtschaft mit zig milliarden jährlich belastet. Es geht ohne Meiler, ist aber sehr sehr teuer.
rainier50 05.09.2014
5. Beispiel Deutschland ?
Insgesamt also eine vernünftige Entscheidung. Man wird es wohl ähnlich machen wie in Deutschland, d.h. den besonders gefährlichen alten Schrott ausmustern und vielleicht einige modernere Anlagen wieder in Betrieb nehmen, bis erneuerbare Alternativen greifen. Vielleicht auch ein Ergebnis des Erfolgs der deutschen Energiewende, die schon jetzt neue AKW unwirtschaftlich erscheinen lässt ?
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