Hamburg - Die Bergung des Atommülls aus dem Zwischenlager Asse könnte sich deutlich verzögern. Laut einer internen Terminplanung des Bundesamts für Strahlenschutz kann der strahlende Abfall erst ab 2036 aus dem Bergwerk geholt werden. Angesichts der drohenden Verzögerung hat SPD-Chef Sigmar Gabriel die Bundesregierung nun zum raschen Handeln aufgefordert.
Bundesumweltminister Peter Altmaier müsse jetzt die "sträflichen Versäumnisse" seines Amtsvorgängers Norbert Röttgen (beide CDU) ausgleichen und die rechtlichen Voraussetzungen schaffen, damit die Bergung des Atommülls schnellstmöglich beginnen könne, sagte Gabriel der "Braunschweiger Zeitung". Erst 2036 mit der Rückholung aus der Asse zu beginnen, sei "völlig inakzeptabel".
Der SPD-Politiker reagierte damit auf den Entwurf eines Terminplans des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), der am Dienstag bekannt geworden war. Bei der derzeitigen Rechtslage könnte demnach vermutlich erst 2036 damit begonnen werden, den Atommüll aus dem einsturzgefährdeten Bergwerk zu bergen. Gabriel sagte, es handele sich dabei um den ungünstigsten anzunehmenden Fall, der sich ergebe, wenn die Bundesregierung weiter untätig bleibe. Er fügte hinzu: "Jetzt müssen wir über alle Parteigrenzen hinweg dafür sorgen, dass es dazu nicht kommt."
Besuch des Ministers
Altmaier hatte sich am Dienstagabend "enttäuscht und beunruhigt" über die Verzögerungen bei der geplanten Räumung des Atommülllagers gezeigt. Er ließ über das Bundesumweltministerium mitteilen, dass er am Freitag zusammen mit BfS-Präsident Wolfram König die Schachtanlage bei Wolfenbüttel besuchen werde. Dabei solle König die örtliche Bevölkerung über den Zeitplan und seine Folgen informieren. In der Asse sind rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Atommüll eingelagert. Da Wasser in die Schachtanlage dringt, müssen sie in Sicherheit gebracht werden.
Der damalige Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) hatte die Asse im März besucht und sich für eine schnellstmögliche Rückholung des schwach- und mittelradioaktiven Mülls ausgesprochen. Bislang ist unklar, wie lange das ehemalige Bergwerk stabilisiert werden kann. Pro Tag dringen bis zu 12.000 Liter Wasser in die Anlage ein, in die bis zum Jahr 1978 etwa 126.000 Atommüllfässer gekippt wurden. Ihre Bergung dürfte Milliarden von Euro kosten.
boj/AFP
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