Strahlender Abfall Kontrolleure finden Hunderte beschädigte Atommüllfässer

Neuer Ärger mit dem Atommüll: Eine Umfrage unter den Aufsichtsbehörden der Bundesländer hat ergeben, dass viele Hunderte Behälter mit strahlendem Abfall beschädigt sind. Künftig wird Deutschland noch mehr radioaktiven Abfall entsorgen müssen.

Atommüll in Brunsbüttel: Zahlreiche beschädigte Fässer
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Atommüll in Brunsbüttel: Zahlreiche beschädigte Fässer


Hamburg - Die lange Reihe an Hiobsbotschaften aus deutschen Atommülllagern bekommt eine Fortsetzung: Im größten oberirdischen Zwischenlager in Karlsruhe fanden Prüfer bei Kontrollen mehr als 1700 beschädigte Fässer mit radioaktivem Müll, wie das NDR-Politikmagazin "Panorama 3" berichtet.

Der Sender hatte eine Umfrage unter den Aufsichtsbehörden aller 16 Bundesländer durchgeführt. Laut den Antworten befänden sich an mindestens 17 Standorten leicht oder schwer beschädigte Fässer, darunter in der hessischen Landessammelstelle in Ebsdorfergrund und am Kernkraftwerk Biblis. Experten gehen davon aus, dass die Anzahl der beschädigten Fässer und Container mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen noch weitaus höher ist. Michael Sailer, Atomexperte des Öko-Instituts, sagte "Panorama 3": "Ich erwarte, dass man bei genauerer Inspektion in verschiedenen Lagern weitere Korrosionen findet."

Über den Zustand der in Deutschland lagernden schwach- und mittelradioaktiven Abfälle gibt es keine offizielle Übersicht. Laut NDR heißt es in einer noch unveröffentlichten Antwort auf ein Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion Bündnis 90/ Die Grünen lediglich: "Der überwiegende Anteil der Gebinde mit radioaktiven Abfällen befindet sich in einem guten Zustand." Wie viele der rund 85.000 Behälter in weniger gutem Zustand sind, gehe daraus allerdings nicht hervor.

Besonders überraschend kommt die Nachricht nicht. Erst im Oktober war bekannt geworden, dass allein im Zwischenlager des stillgelegten AKW Brunsbüttel fast jedes dritte von 335 kontrollierten Fässern stark beschädigt war.

Trotz der schwierigen Situation um die Endlagerung wird Deutschland in den nächsten Jahrzehnten wohl deutlich mehr Atommüll entsorgen müssen. Allein die Menge des schwach- und mittelradioaktiven Abfalls, für den bei Salzgitter derzeit das Endlager Schacht Konrad errichtet wird, könnte sich verdoppeln, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" unter Berufung auf einen Entwurf des "nationalen Entsorgungsplans", den die Bundesregierung mit den Ländern abstimmt.

Auch Abfälle aus der Urananreicherung gelten jetzt als Atommüll

Bislang wurde für Schacht Konrad eine Abfallmenge von 298.000 Kubikmetern Atommüll prognostiziert, meist aus dem Abriss der Atomkraftwerke. Stattdessen gehe der Bund nun "von einer Gesamtmenge der zu entsorgenden Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung von rund 600.000 Kubikmetern" aus, zitiert das Blatt aus dem Entwurf.

Darin zählt der Bund dem Bericht zufolge erstmals auch Abfälle aus der Urananreicherungsanlage in Gronau als Atommüll mit. Dessen Betreiber Urenco lagere dort derzeit 13.000 Tonnen sogenannte Urantails, die bei der Anreicherung übrig blieben. Bislang seien diese Mengen stets als "Wertstoffe" durchgegangen, aus denen sich noch Kernbrennstoffe fertigen ließen. Dagegen rechne der Bund in dem Entsorgungsplan, den die EU-Kommission verlangt, nun mit bis zu 100.000 Kubikmetern Atommüll allein aus der Urananreicherung.

Weitere 200.000 Kubikmeter kämen hinzu, wenn das marode Salzbergwerk Asse II bei Wolfenbüttel geräumt wird. Wohin der Zusatzmüll gehen soll, sei offen. Ziel seien zwei Endlager, berichtet die "SZ" unter Berufung auf den Entsorgungsplan: Schacht Konrad für Abfälle, die wenig Wärme entwickeln, sowie ein zweites für den "heißen", in Castoren gelagerten Atommüll. Mit der Suche danach befasst sich derzeit eine Bund-Länder-Kommission.

mbe/dpa



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reifenexperte 18.11.2014
1. Bieten die Atomkraftbewürworter der Vergangenheit
sich nicht an, dass in ihren Häusern einzulagern? Wo sind sie, die immer so´laut waren?
phboerker 18.11.2014
2. Endlager
In einem Endlager wären die Fässer natürlich nicht marode geworden, also wäre ein Endlager auch die Lösung des Atommüllproblems. Für eine Million Jahre. Mindestens.
steelman 18.11.2014
3.
Ich erinnere mich noch gut an einen Besuch meiner Schulklasse im "Informationszentrum" des KKW Biblis in den 70ern. Wie es da immer wieder hieß "Asse ist sicher, die Endlagerung ist gesichert" usw. Die Lügner von damals haben natürlich alle nur das beste gewollt, heute gibt es neue Lügen zu anderen Themen. Nichts ändert sich.
motzbrocken 18.11.2014
4. Aber nein doch aber auch!
Jetzt erzählt uns die Atomlobby und sämtliche Politiker seit Jahren Atomstrom sei billig und sicher und ungefährlich. Die Lüge fliegt auf. Macht nichts. Wird nicht die Einzige sein, die uns allen demnächst um die Ohren fliegt. Da wäre noch die EUR und EU Lüge, der TTIP Vertrag, die Ukraine Krise, der NSA Skandal nur um ein paar der staatlichen Lügen aufzuzählen. Wünsche uns allen viel Glück bei dem was kommt.
goethestrasse 18.11.2014
5. Wennn schon bald...
Ge-FRACKT werden dar, kommts auf die Strahlung auch nicht mehr an. Die Kohle darf auch weiter in die Luft geblasen werden und dazu noch Freihandels-Gentech. Alles wunderbar apokalyptisch. Und dazu eine Christlich-Demokratische Kanzlerin, die alles tut um Schaden vom Deutschen Volke abzuwenden. Bin beruhigt.
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