Atomruine Fukushima: Erneut radioaktives Wasser ausgetreten

Behördenvertreter im AKW (6. August 2013): Neues Leck entdeckt Zur Großansicht
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Behördenvertreter im AKW (6. August 2013): Neues Leck entdeckt

Neue Panne im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima: Aus einem Kühlwassertank sind Hunderte Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser gesickert. Betreiberkonzern Tepco konnte das Leck bislang nicht schließen.

Tokio - Am japanischen Katastrophenreaktor Fukushima ist erneut Wasser mit extrem hoher Radioaktivität ausgetreten. Direkt über den Pfützen in der Nähe mehrerer Wassertanks seien Strahlungswerte von 100 Millisievert pro Stunde gemessen worden, teilte der Kraftwerksbetreiber Tepco mit. Wissenschaftlern zufolge ist dieses Niveau für Menschen gesundheitsgefährdend. Die Dosis ist fünfmal so groß wie die Jahresdosis für Arbeiter in der Atomruine.

Der Betreiberkonzern Tepco schätzte die Menge des ausgetretenen Wassers auf 300 Tonnen. Das Leck sei noch nicht geschlossen worden. Ins nahe gelegene Meer sei das Wasser zwar nicht gesickert, wahrscheinlich aber ins Erdreich. Wo der Tank, der ursprünglich rund 1000 Tonnen kontaminierten Wassers enthalten habe, Leck geschlagen sei, werde noch untersucht.

Infolge des Erdbebens und Tsunamis vom 11. März 2011 war das AKW verwüstet worden. Es kam zu Kernschmelzen. Seither pumpen die Reparaturtrupps unentwegt Wasser zur Kühlung in die Reaktoren. Die dabei anfallenden riesigen Mengen verseuchten Wassers werden in Tanks gefüllt, die kaum noch ausreichen.

Das ausgetretene Wasser enthält laut Tepco unter anderem Strontium, das Wissenschaftler auch als "Knochenkiller" bezeichnen. Es schädige das Knochenmark und könne Leukämie (Blutkrebs) auslösen.

Die japanische Regierung geht davon aus, dass radioaktiv verseuchtes Wasser aus dem Unglückskraftwerk Fukushima bereits seit zwei Jahren in den Pazifik fließt. Es sickerten schätzungsweise 300 Tonnen verstrahltes Wasser pro Tag aus der zerstörten Atomanlage in den Ozean, hatte ein Vertreter des Industrieministeriums erklärt. Dabei handelt es sich nicht nur um Kühlwasser. Erschwerend hinzu kommt, dass jeden Tag Hunderte Tonnen Grundwasser in die Reaktorgebäude eindringen und sich dort mit dem kontaminierten Kühlwasser vermischen. Die Kontaminierung sei jedoch auf Bereiche nahe dem AKW beschränkt, versicherte Tepco.

hda/dpa/AFP

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insgesamt 146 Beiträge
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1.
Epimetheu$ 20.08.2013
"Sie können das Leck nicht finden." Aha... Sie wollen das Leck nicht finden. Wie teuer ist es bitte hunderte Tonnen kontaminiertes Wasser fachgerecht zu lagern/entsorgen?? Das verstrahlte Wasser aufzufangen ist sicherlich nicht das Ziel von Tepco bzw. der Regierung.
2. noam chomsky
tento 20.08.2013
Zitat von sysopNeue Panne im zerstörten Atomkraftwerk Fukushima: Aus einem Kühlwassertank sind Hunderte Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser gesickert. Betreiberkonzern Tepco konnte das Leck bislang nicht schließen. Atomruine Fukushima: Erneut radioaktives Wasser ausgetreten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomruine-fukushima-erneut-radioaktives-wasser-ausgetreten-a-917495.html)
noam chomsky sagt, das eine gesellschaft sich daran messen lassen muß, wie sie mit ihren hilflosesten und schwächsten mitgliedern umgeht. im falle von fukushima sind das die kinder, die auch mehr von radioaktivität betroffen sind als erwachsene. er fordert, die 300.000 kinder, die in fukushima in gebieten leben, die so hoch verstrahlt sind wie die gebiete die in tschernobyl geräumt wurden, zu evakuieren. ein japanischer anwalt hat das vor der un vorgetragen. hier seine rede: The Reality of Fukushima- A Japanese Lawyer Speaks at UN - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=iseUGiGAXh4) und hier der aufruf von chomsky und anderen: The Fukushima Collective Evacuation Trial Team: Campaign (http://fukushima-evacuation-e.blogspot.jp/p/video-letters.html)
3. Kreislauf?
denkdochmalmit 20.08.2013
Frage mich sowieso warum das Wasser nicht im Kreis gepumpt wird? Und bitte liebe Spon Redaktion, benutzt bei Wasser doch bitte die Masseinheit Liter oder Kubikmeter damit man als Leser wenigstens den Eindruck hat das die Artikel nicht einfach nur vom Praktikanten aus dem englischen übersetzt wurden..
4.
gruenertee 20.08.2013
Japan verseucht den Pazifik um Entsorgungskosten zu sparen. 300t/Tag ist nicht akzeptabel und es wäre angebracht das Japan entsprechende Reperationszahlungen leistet. Auch ist die Menge anzuzweifeln, ich vermute dass deutlich mehr Tonnen täglich austreten.
5.
Laetus Leto 20.08.2013
Mal eine andere Stimme zum Thema, die nicht auf auf die allgemeine Panikmache eingeht, (ist ein wirklich interessantes Interview!) "Ein schwerer Reaktorunfall setzt, ebenso wie der Bruch eines Staudamms, große Mengen an gespeicherter Energie frei. Aber selbst im schlimmsten vorstellbaren Fall, wie etwa Tschernobyl, wird die Zahl der Opfer gering bleiben. Wir sollten deshalb nach Fukushima die Welt nicht auf den Kopf stellen. Es gibt größere Probleme – soziale und ökonomische Stabilität, Klimawandel, Ernährung und Wasserversorgung. Die Japaner sollten ihre Kernkraftwerke genauso wenig abschalten wie die Deutschen." http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_notizen/artikel/0001149
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Fukushima: Die Krux mit dem Wasser

Von Sievert bis Becquerel: Kleines Lexikon der Strahlenmessung
Alpha-, Beta- und Gammastrahlen
DPA
Manche Atomkerne von chemischen Elementen sind instabil und zerfallen deshalb. Sie werden als radioaktiv bezeichnet. Die Zerfallsprozesse können unterschiedlicher Natur sein. Die Strahlung, die zerfallende Elemente aussenden, wird in drei Arten unterschieden: Während Alpha- und Betastrahlung aus Partikeln bestehen, handelt es sich bei Gammastrahlung um elektromagnetische Wellen, ähnlich der Röntgenstrahlung. Allerdings ist ihre Wellenlänge viel kleiner und die Strahlen sind somit extrem energiereich. Alphastrahlung besteht aus positiv geladenen Helium-Kernen, die aus zwei Protonen und zwei Neutronen aufgebaut sind. Betastrahlen bestehen aus Elektronen. Sie entstehen, wenn sich ein Neutron in ein Proton und ein Elektron umwandelt, das vom Atomkern abgestrahlt wird.
Becquerel: Einheit der Aktivität
Eine Substanz ist dann radioaktiv, wenn sie zerfällt und dabei Strahlung aussendet. Um anzugeben, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, benutzt man den Begriff der Aktivität (A). Sie wird in Becquerel (Bq) gemessen und gibt die Strahlung an, die eine Substanz innerhalb einer bestimmten Zeit durch Zerfall erzeugt. Per Definition entspricht ein Becquerel einem Zerfall pro Sekunde. Je schneller eine Probe zerfällt, desto intensiver strahlt sie also.
Gray: Einheit der Energiedosis
Weiß man, wie stark eine radioaktive Substanz strahlt, sagt das noch nichts darüber aus, wie sich die Strahlung auf den Körper auswirkt. Dafür ist es wichtig zu bestimmen, wie viel Energie von einer bestimmten Masseneinheit des Körpers absorbiert wird. Angegeben wird die absorbierte Energiedosis (D) in der Einheit Gray (Gy), wobei ein Gray der Energiemenge von einem Joule pro Kilogramm entspricht.
Sievert: Einheit der Äquivalentdosis
Um die biologische Wirksamkeit der radioaktiven Strahlung auf den Körper anzugeben, benutzt man anstelle der Energiedosis den Begriff der Äquivalentdosis (H). Sie berücksichtigt die Tatsache, dass verschiedene Arten von Strahlen ganz unterschiedliche Wirkungen auf den Körper haben. So ionisiert Alphastrahlung bei weitem mehr Moleküle als etwa Betastrahlen - und richtet deshalb eine größere Zerstörung im Körper an. Daher wird jede Strahlungsart mit Hilfe einer physikalischen Größe gewichtet, dem sogenannten Strahlenwichtungsfaktor. Gemessen wird die Äquivalentdosis in Sievert (Sv). Sie ergibt sich aus der Multiplikation der Energiedosis mit dem Strahlenwichtungsfaktor. 1 Sievert (Sv) sind 1000 Millisievert (mSv). 1 Millisievert sind 1000 Mikrosievert (µSv).
Sievert pro Zeit: Einheit der Strahlenbelastung
Um die Auswirkungen von radioaktiver Strahlung auf den Körper genauer einschätzen zu können, ist es wichtig zu wissen, wie lange eine bestimmte Dosis auf den Körper einwirkt. Daher wird die Strahlenbelastung meist in Sievert pro Zeiteinheit gemessen. Also etwa Millisievert pro Jahr oder Mikrosievert pro Stunde. Die durchschnittliche natürliche Strahlenbelastung liegt in Deutschland bei 2,1 Millisievert pro Jahr, also 0,24 Mikrosievert pro Stunde. Im Schnitt kommen zwei Millisievert pro Jahr durch künstliche Quellen von Radioaktivität hinzu. Den Löwenanteil dazu steuert die Medizin bei.
Von Becquerel zu Sievert: Der Dosiskonversionsfaktor
Die Strahlenbelastung von Böden oder in Lebensmitteln etwa wird in Becquerel pro Quadratmeter oder Becquerel pro Kilogramm angegeben. Doch was bedeutet dieser Wert für die Auswirkungen auf den Körper? Um eine Beziehung zwischen Aktivität und Äquivalentdosis herstellen zu können, gibt es den sogenannten Dosiskonversionsfaktor. Er hängt unter anderem von der Art der Strahlung und der radioaktiven Substanz ab, sowie von der Art, wie die Strahlung in den Körper gelangt (Inhalieren, Aufnahme durch die Nahrung). So entspricht die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium 137 mit der Nahrung einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 200 Gramm Pilzen mit 4000 Becquerel Cäsium 137 pro Kilogramm hat beispielsweise eine Belastung von 0,01 Millisievert zur Folge. Das lässt sich mit der Belastung durch Höhenstrahlung bei einem Flug von Frankfurt nach Gran Canaria vergleichen.
EU-Grenzwerte für Nahrungsmittel
Nach der Tschernobyl-Katastrophe hatte die EU Grenzwerte für den Import von Lebensmitteln aus jenen Ländern geregelt, die durch das Atom-Unglück kontaminiert wurden. Zusätzlich hat die EU am 26. März 2011 weitere Grenzwerte für Importe aus Japan festgelegt - die Grenzen wurden jedoch als zu lasch kritisiert. Am 8. April reagierte die EU - und passte die Grenzen an japanische Normen an. Für Cäsium 134 und Cäsium 137 gilt künftig bei Lebensmitteln ein Grenzwert von 500 Becquerel pro Kilogramm. Bei Säuglings- und Kindernahrung senkte Brüssel den Grenzwert für Cäsium von 400 auf 200, für Jod von 150 auf 100 Becquerel.