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Kim Jong Uns Nuklearprogramm: Experten fürchten Atomtest-Salven in Nordkorea

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Nordkoreas Diktator Kim Jong Un: Bald Atomtests in Serie? Zur Großansicht
AFP/ KCNA VIA KNS

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un: Bald Atomtests in Serie?

Südkoreas Regierung warnt vor einem neuen Atomtest Nordkoreas. Doch Experten fürchten mehr: Pjöngjang könnte künftig ganze Salven nuklearer Sprengsätze zünden - so wie die USA und die Sowjetunion im Kalten Krieg.

Die Nachricht klang nach dem üblichen Säbelrasseln zwischen Nord- und Südkorea. Auf dem wichtigsten Atomtestgelände Nordkoreas gebe es "verstärkte Aktivitäten", sagte ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums am Dienstag. "Wir ziehen die Möglichkeiten in Betracht, dass der Norden einen überraschenden Atomtest vornehmen könnte." Dass US-Präsident Barack Obama am Freitag zu einem zweitägigen Besuch nach Seoul kommen wird, verstärkt den Eindruck des politischen Geplänkels.

Das Regime von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hatte bereits Ende März gedroht, schon bald einen neuen Atomtest durchführen zu wollen. Zudem war von einer "neuen Form" von Versuch die Rede - und westliche Experten befürchten, dass das womöglich mehr war als eine leere Drohung.

Derzeit kursieren zwei Theorien:

  • Nordkorea könnte einen Sprengsatz mit hochangereichertem Uran einsetzen, nachdem es bisher ausschließlich Plutonium genutzt hat, oder gar eine thermonukleare Waffe konstruieren, die auf Kernfusion statt Kernspaltung basiert.
  • Das Regime könnte dazu übergehen, nicht einen, sondern mehrere Sprengsätze auf einmal zu zünden. Die Salven-Technik hatten die USA und die Sowjetunion im Kalten Krieg vielfach angewandt.

Bei den "verstärkten Aktivitäten" auf dem Testgelände Punggye Ri, von denen der südkoreanische Ministeriumssprecher redete, dürfte es sich unter anderem um Anzeichen von Tunnelgrabungen handeln, die kürzlich auf Satellitenbildern aufgetaucht waren. Die auf Nordkoreas Militär spezialisierte Internetseite "38 North" hatte bereits Mitte Februar über verdächtige Grabungen auf dem Testgelände Punggye Ri berichtet. Auf der Südseite des Areals seien zwei Tunnel fertiggestellt worden, und auf der Nordseite sei auf Satellitenbildern der Bau eines weiteren Tunnels zu erkennen. Die dortigen Arbeiten seien zuletzt stark beschleunigt worden. Das verrieten Hügel von aufgeschüttetem Erdreich, die grob geschätzt auf insgesamt 1000 Meter Tunnel hinwiesen.

Salven-Technik aus dem Kalten Krieg

Zwar sei es unwahrscheinlich, dass dieser Tunnel für den nächsten Atomtest genutzt würde, schrieb "38 North"-Experte Jack Liu, da die beiden anderen auf der Südseite bereits fertig seien. Auch die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap zitierte zudem am Montag einen namentlich nicht genannten Militär-Insider mit der Aussage, man habe zwar verstärkte Bewegungen von Fahrzeugen und Streitkräften in Punggye Ri registriert, aber keine konkreten Anzeichen für einen unmittelbar bevorstehenden Atomtest.

Doch Jeffrey Lewis vom Monterey Institute of International Studies in Kalifornien sieht in den neuen Grabungen ein beunruhigendes Signal: Nordkorea könnte Vorbereitungen für künftige Salven-Tests treffen, bei denen zwei oder mehr Atomwaffen gleichzeitig gezündet werden. Dazu würden mehrere Seiten- von einem Haupttunnel abzweigen.

Laut Lewis ist das die "einfachste Erklärung" für die Tunnelgrabungen. Mit der Salven-Technik könnten die Nordkoreaner wesentlich effizienter testen, da das Versuchsgelände in einer entlegenen Region mit oft schlechtem Wetter liege. Serien-Tests würden somit Zeit, Geld und Ressourcen sparen. Auch Otfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit hält die Interpretation, die neuen Tunnel könnten für Salven-Tests gedacht sein, für "durchaus plausibel" - auch wenn man nicht sicher sein könnte, ob sie wirklich zutrifft.

Stetige Fortschritte in Nordkoreas Atomwaffenprogramm

Die UdSSR soll während des Kalten Kriegs 146 Salven-Tests mit insgesamt 400 Sprengsätzen, die USA 63 solcher Versuche mit 158 Bomben durchgeführt haben. Dadurch konnte das sowjetische Testprogramm deutlich intensiviert werden, auch wenn die Versuche selbst komplizierter wurden.

Zwar ist Nordkorea von solchen Zahlen weit entfernt, doch die Einführung der Serien-Tests wäre ein weiterer Fortschritt im Nuklearwaffenprogramm des Landes. Bislang hat Pjöngjang 2006, 2009 und 2013 jeweils einzelne Tests durchgeführt. Der erste wurde international noch belächelt: Die Explosion war so schwach, dass es Zweifel gab, ob sie überhaupt von einer Atombombe herrührte. 2009 folgte ein Test mit einer wesentlich stärkeren Detonation. Die dritte Bombe war abermals deutlich kräftiger: Ihre Sprengkraft lag zwischen 10 und 40 Kilotonnen TNT und war damit bis zu dreimal höher als die der Hiroshima-Atombombe.

Bisher galt es als relativ gesichert, dass Nordkorea nicht genug Spaltmaterial besitzt, um die Frequenz der Testexplosionen zu erhöhen. Allerdings soll Pjöngjang in den vergangenen Monaten seine Kapazitäten zur Produktion von Nuklearmaterial ausgeweitet haben. Zudem argwöhnen Experten seit langem, dass Nordkorea versucht, seine Atomsprengköpfe so weit zu miniaturisieren, dass sie auf seine Interkontinentalraketen passen. Ganze Testreihen mit Atomwaffen könnten das Regime diesem Ziel näher bringen.

Nordkoreas Regierung hat Ende März über die staatliche Nachrichtenagentur KCNA eine Stellungnahme verbreitet, die in Richtung einer höheren Zahl von Atomtests interpretiert werden könnte: Man werde "die militärische Abschreckung stärken und sie in einem regelmäßigeren Prozess vorführen".

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1.
vulcan 22.04.2014
Zitat von sysopAFP/ KCNA VIA KNSSüdkoreas Regierung warnt vor einem neuen Atomtest Nordkoreas. Doch Experten fürchten mehr: Pjöngjang könnte künftig ganze Salven nuklearer Sprengsätze zünden - so wie die USA und die Sowjetunion im Kalten Krieg. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomtest-in-nordkorea-kim-jong-un-koennte-bald-salven-technik-nutzen-a-965469.html
Na ja, wenn die Technik auf dem entsprechenden Stand der MiG-21 im Hintergrund auf dem Foto ist, muss man sich wohl nicht soviel Sorgen machen ;-)
2. Schaut mich an,ich bin viel böser als der Putin
evolution2.0 22.04.2014
Jaja,Nordkorea hat auch Atomwaffen.Könnte man aber auch verkaufen und Essen fürs Volk besorgen.
3.
mcadamde 22.04.2014
Obgleich ich überzeugter Pazifist bin, frage ich mich manchmal, ob es nicht doch besser wäre, mit dieser nordkoreanischer Diktatur und ihrer wachsenden atomaren Bedrohung endlich Schluss zu machen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende...? Wobei in Anbetracht der momentanen politischen Weltstimmung eine diesbezügliche UN-Resolution wohl am Veto der einen oder anderen Sicherheitsratmitglieds scheitern würde...
4. Manöver
spiegelprisma 22.04.2014
Die Nato schickt aktuell Kriegsschiffe zumManöver Richtung Baltikum. Inzwischen zündet man in Korea Atombomben-Salven. Auch dort wurden Manöver über Manöver abgehalten. Die Strategie scheint ja echt viel zu helfen!
5.
baboinfinite 22.04.2014
Die Staatengemeinschaft und allen voran Deutschland werden so lange warten bis Nordkorea Kleinstsprengköpfe besitzt. Diese liesen sich in Artilleriegeschützen einsetzen und damit kann man den Süden nach Belieben erpressen.
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Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 25,027 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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