Atomtest: Nordkorea sprengt Amerikas diplomatische Strategie

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REUTERS

Nordkoreas jüngster Atomtest belegt die Fortschritte des Landes in der Nukleartechnik: Die Explosion war viermal stärker als die vorherige. Zudem verfügt das Regime über Langstreckenraketen. Die USA stehen vor den Scherben ihrer Eindämmungspolitik - und müssen jetzt auf Chinas Hilfe hoffen.

Beim ersten Mal soll es eher laut gezischt denn geknallt haben: Nordkoreas erster Atomtest im Jahr 2006 wurde zwar international scharf verurteilt, aber auch belächelt. Inzwischen lacht niemand mehr. 2009 folgte ein Test mit wesentlich größerer Sprengkraft. Die dritte Bombe, die in der Nacht zum Dienstag detonierte, war abermals stärker - sie löste ein Erdbeben der Stärke 4,9 bis 5,2 aus.

Welche Sprengkraft sie genau hatte, ist unsicher. Südkoreas Verteidigungsministerium spricht von sechs bis sieben Kilotonnen TNT, was eher eine politisch motivierte Untertreibung sein dürfte. Nordkorea selbst behauptet, die Energie habe zehn Kilotonnen betragen. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe in Hannover (BGR) hat dagegen eine Sprengkraft von 40 Kilotonnen berechnet. Zum Vergleich: Die Atombombe, mit der die Amerikaner im August 1945 Hiroshima einäscherten, kam auf etwa 13 Kilotonnen.

Vielleicht noch wichtiger als die absolute Sprengkraft ist der technische Fortschritt der Nordkoreaner. Hier sind sich die Experten bemerkenswert einig: Die jetzt getestete Bombe hatte eine rund viermal größere Sprengkraft als die vorherige. Die BGR hatte 2009 ein Erdbeben der Stärke 4,8 und jetzt eines von 5,2 gemessen. Die US-Geologiebehörde USGS berechnete Magnituden von 4,7 und 5,1, die Uno-Behörde zur Überwachung des internationalen Kernwaffenteststopp-Abkommens (CTBTO) 4,5 und 4,9. Alle kommen damit auf einen Anstieg von 0,4 Punkten auf der logarithmischen Magnituden-Skala - was einer Vervierfachung der eingesetzten Energie entspricht.

Damit haben die Nordkoreaner zum zweiten Mal binnen weniger Wochen beeindruckende Fortschritte bei ihrer nuklearen Bewaffnung demonstriert. Erst Mitte Dezember hatten sie einen weitgehend erfolgreichen Testflug einer Langstreckenrakete durchgeführt, die auch zum Transport von Atomwaffen taugen könnte.

"Die amerikanische Strategie der Eindämmung ist gescheitert"

"Die Nordkoreaner haben mit dem neuen Test bewiesen, dass sie jetzt den Bau von Atombomben mit großem Zerstörungspotential beherrschen", sagt Gerald Kirchner vom Zentrum für Naturwissenschaft und Friedensforschung (ZNF) der Uni Hamburg. "Entscheidend ist allerdings die Kombination aus Raketen- und Kernwaffentests."

Eine Bombe allein besitze noch kein besonderes Drohpotential. Spätestens seit dem Raketentest vom Dezember aber müssten die USA Nordkorea wie einen Staat mit atomaren Interkontinentalraketen behandeln. Die politischen Folgen dürften erheblich sein. "Die amerikanische Strategie der Eindämmung ist gescheitert", so Kirchner. "Sie sollte genau das verhindern, was jetzt eingetreten ist."

Zwar wenden Raketenexperten oft ein, dass Nordkoreas Fähigkeiten überschätzt würden: Ein komplexes System wie eine Interkontinentalrakete könne erst dann als militärisch nutzbare Waffe gelten, wenn es Dutzende erfolgreiche Tests absolviert habe. Das aber hält Kirchner für zu kurz gedacht. "Für ein Regime, das sich in die Enge getrieben sieht, könnte die Zuverlässigkeit eine kleinere Rolle spielen als für westliche Ingenieure." Ob eine Atomrakete statt in San Francisco in Iowa einschlage, könnte aus nordkoreanischer Sicht weniger wichtig sein.

Hoffnung auf Chinas Hilfe

Die Frage ist, was nun passiert. In den vergangenen Jahren ist es Nordkoreas Regime immer wieder gelungen, im Streit um sein Atomprogramm mit Erpressungen und dem Versprechen von Zugeständnissen Vorteile zu gewinnen. "Das Spielchen dürfte nun vorbei sein", so Kirchner.

David Wright, Nordkorea-Experte des US-Forscherverbands Union of Concerned Scientists (UCS), äußert sich ähnlich. "Der US-Regierung gehen die Optionen aus", sagt Wright im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Die beste Hoffnung der Amerikaner könnte nun ausgerechnet China sein - zumal Nordkoreas Schutzmacht zunehmend verärgert auf die militärischen Abenteuer von Pjöngjangs neuem Machthaber Kim Jong Un reagiert. Nordkorea habe "trotz weit verbreiteten internationalen Widerstands einen Atomtest durchgeführt", lautete Pekings offizielles Statement am Dienstag. Man sei ein "entschiedener Gegner" solcher Aktionen.

Fraglich ist allerdings, wie groß Pekings Einfluss in Nordkorea wirklich ist. "Zwar liefert China Öl und andere wichtige Güter, aber an der Grenze gibt es einen großen, kaum kontrollierbaren Schwarzmarkt", sagt Wright. ZNF-Experte Kirchner warnt ebenfalls davor, allzu große Hoffnungen auf China zu setzen. "Am Ende könnte es den Chinesen lieber sein, in ihrem Hinterhof den Verrückten mit der Bombe zu haben als die Amerikaner, die ihre Macht in der Pazifikregion ausbauen wollen."

Militärschlag verspricht keinen Erfolg

Wright sieht einen Teil der Schuld an der jetzigen Situation bei den USA. In der Endphase der Regierung von Präsident Bill Clinton hätte es echte Verhandlungen gegeben, die Regierung seines Nachfolgers George W. Bush habe Nordkorea dagegen zu isolieren versucht. "Das hat in Nordkorea großes Misstrauen hinterlassen", so Wright.

Eine Lösung wäre ein Neustart in den Beziehungen zwischen Nordkorea und der internationalen Gemeinschaft. "Das wäre schwierig und langwierig, scheint derzeit aber die einzige realistische Option zu sein", meint Wright.

Zwar hätten die USA die Möglichkeit eines Militärschlags gegen Nordkorea "nie vom Tisch genommen". Doch dass es wirklich dazu komme, sei unwahrscheinlich. "Die Situation ist ähnlich wie in Iran", sagt Wright. "Ein Militärschlag könnte das Atomprogramm bestenfalls verlangsamen. Er könnte die Situation aber genauso gut weiter verschärfen."

Die BGR gibt mit 40 Kilotonnen die höchste Schätzung über die Sprengkraft ab. BGR-Experte Christian Bönnemann ist allerdings zuversichtlich, dass die Zahl realistisch ist. Entscheidend sei der Vergleich aller bisherigen Versuche. "Die Seismogramme der drei nordkoreanischen Tests stimmen so gut überein, dass man sogar sagen kann, dass sie auf demselben Gelände stattgefunden haben", erklärt Bönnemann. Deshalb sei insbesondere die Berechnung zur Steigerung der Sprengkraft gut abgesichert.

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insgesamt 294 Beiträge
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1.
Simoneke 12.02.2013
Schon der fünfte Artikel über Nordkorea heute. Ich würde mir wünschen SPON würde mit ähnlichem Eifer über Obamas Mordmaschinen (Drohnen) berichten. Diese bringen nämlich Tod anstelle von aufgesetzter Empörung.
2. Vielleicht sollten Sie als Macher (wer auch immer dafür verantwortlich
irreal 12.02.2013
Zitat von sysopNordkoreas jüngster Atomtest belegt die Fortschritte des Landes in der Nukleartechnik: Die Explosion war viermal stärker als die vorherige. Zudem verfügt das Regime über Langstreckenraketen. Die USA stehen vor den Scherben ihrer Eindämmungspolitik - und müssen jetzt auf Chinas Hilfe hoffen. Atomtest: Nordkorea sprengt Amerikas Eindämmung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomtest-nordkorea-sprengt-amerikas-eindaemmung-a-882940.html)
ist?) bei spiegel-online diesem Schreiber dieses Beitrages erklären, das Nordkorea genau das besitzt was andere angeblich besaßen, die dann von den Amis (also unter Cauboy Georg double jou Bush Besuch bekamen) und natürlich keinen Besuch bekommen, weil sie haben ja das was anderen unterstellt wird. Scheint doch ein sehr guter Schutz zu sein! Seh ich mitlerweile so, weil die letzten 10 Jahre mir da anderes verdeutlichten, wenn Länder eben keine Atombomben hatten. Also der Iran hat sicher keine, weil sonst würde keiner drüber reden. MFG
3. Chancenlos
G2c 12.02.2013
Zitat von sysopNordkoreas jüngster Atomtest belegt die Fortschritte des Landes in der Nukleartechnik: Die Explosion war viermal stärker als die vorherige. Zudem verfügt das Regime über Langstreckenraketen. Die USA stehen vor den Scherben ihrer Eindämmungspolitik - und müssen jetzt auf Chinas Hilfe hoffen. Atomtest: Nordkorea sprengt Amerikas Eindämmung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/atomtest-nordkorea-sprengt-amerikas-eindaemmung-a-882940.html)
"Die amerikanische Strategie der Eindämmung ist gescheitert". Ja, was hätten die USA den tun sollen? Gleich losschlagen - geht nicht, siehe China. Verhandeln - bringt nichts, siehe Iran und auch Nazideutschland. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Chinesen rational reagieren und ihren Kampfhund zurückpfeifen - was allerdings die Gefahr in sich birgt, dass der Kampfhund sich gegen sein Herrchen wendet (ich hoffe das mal).
4. warten wir auf den iran!
sichernicht 12.02.2013
mal sehen, wie die obamas und netanjahus aus der wäsche gucken, wenn die iraner den ersten test erfolgreich absolviert haben. insgesamt sollte das dennoch für stabilität sorgen. in korea nimmt es die schärfe aus dem konflikt, und im nahen osten sollte die iranische atombombe für ein ruhiges gesprächstempo sorgen.
5. Die Chinesen sollten den Amis vorschlagen:
spiekr 12.02.2013
Wir sorgen für die Verschrottung der Atomwaffen bei unseren kleinen Freunden und ihr macht es genauso mit den Euren - unter Zuhilfenahme maximaler Druckmittel. Ferner werden vorgeschobene Systeme gegenseitig auf einen Abstand von 5000 km zurückgezogen. Der Vorschlag sollte öfffentlich an die USA übermittelt werden, damit die ganze Welt sieht, dass die USA diesen gleichberechtigten Deal noch nicht mal in Erwägung ziehen.
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USA 2150 (2150) / 7700 (7700)
Russland 1800 (1740) / 8500 (8500)
Frankreich 290 (290) / 300 (300)
China k.A. / 250 (240)
Großbritannien 160 (160) / 225 (225)
Israel k.A. / 80 (80)
Pakistan k.A. / 100-120 (90-110)
Indien k.A. / 90-110 (80-100)
Nordkorea k.A. / unter 10 (unter 10)
In Klammern: Zahlen des Vorjahres
Quelle: FAS; Stand: 18. Oktober 2013

Fläche: 122.762 km²

Bevölkerung: 24,346 Mio.

Hauptstadt: Pjöngjang

Staatsoberhaupt:
Kim Il Sung (obwohl bereits 1994 verstorben);
Protokollarisches Staatsoberhaupt: Kim Yong Nam;
"Oberster Führer": Kim Jong Un

Regierungschef: Pak Pong Ju

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