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Nuklearwaffen: Russland will neue Atomraketenzüge bauen

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Russland: Eisenbahn als Startrampe Fotos
AP

Zu Sowjetzeiten galten sie als eine der schärfsten Vergeltungswaffen: die Atomraketenzüge. Sie sind beweglich und damit fast immun gegen feindliche Erstschläge. Nun plant Russland ein Comeback des Waffensystems.

Hamburg - Russische Militärs denken über die Anschaffung neuer Raketenzüge nach. Der Eisenbahnraketenkampfkomplex (BShRK), wie er umständlich heißt, soll wieder Teil der russischen Strategischen Raketentruppen (RWSN) werden. Die Überlegungen laufen seit Jahren, doch nun, zum Jahreswechsel, nimmt das Projekt Gestalt an. "Die Materialisierung dieser Idee läuft", verkündete der stellvertretende RWSN-Kommandeur Andrej Filatow im Rundfunksender "Echo Moskwy". Das könne in "nächster Zeit" geschehen.

In der Sowjetära habe "dieser Komplex" große Bedeutung gehabt, der Westen habe gereizt darauf reagiert, dass die Sowjetunion überhaupt eine solche Waffengattung entwickelt habe, sagte Filatow.

In der Tat: Die Amerikaner haben alles darangesetzt, um die Raketenzüge lahmzulegen. So wurde im Salt-1-Abkommen festgelegt, dass nur die Hälfte der Züge gleichzeitig unterwegs sein durfte. Im Verlauf der weiteren Abrüstungsvereinbarungen zwischen Washington und Moskau bot die sowjetische Seite an, dass sich die Züge nicht weiter als 25 Kilometer von ihrem Stützpunkt entfernen sollten.

Bau neuer Raketenzüge ist nicht verboten

Die ersten sowjetischen Raketenzüge wurden ab Februar 1983 erprobt. Sie waren anfangs mit den 104 Tonnen schweren Flüssigkeitsraketen des Typs RT-23 ausgerüstet, die über zehn Atomsprengköpfe zu je 50 Kilotonnen verfügten, die bis zu 10.000 Kilometer weit fliegen konnten. Ab 1989 wurden diese Raketen durch die modernisierte Version RT-23 UTTCh "Molodez" ersetzt - bei der Nato als SS-24 "Scalpel" bezeichnet. Sie haben nicht nur zehn Atomsprengköpfe zu je 500 Kilotonnen an Bord, sondern auch noch ein System zur Überwindung der feindlichen Raketenabwehr.

Die Sowjetunion unterhielt drei BShRK-Divisionen zu je vier Regimentern mit je einem Zug, die nahe Moskau in Kostroma, in Perm am Ural und bei Krasnojarsk in Sibirien stationiert waren. Jeder der zwölf Züge, die in Bewegung kaum von einem Güterzug zu unterscheiden waren, hatte drei Startrampen. Nach den Abrüstungsgesprächen zwischen Washington und Moskau wurden die Züge 2005 abgeschafft. Nach dem Salt-3-Abkommen ist es aber nicht verboten, neue zu bauen.

Der Raumfahrtexperte Juri Saizew geht davon aus, dass die neuen Züge, die im Moskauer Institut für Wärmetechnik entstehen, spätestens 2019 in Dienst gestellt werden. Offenbar sei es aber so, dass der Bau der Infrastruktur inklusive der Standorte und der Kommandozentrale mehr Zeit in Anspruch nehme als die Entwicklung des Raketenkomplexes selbst, sagte er SPIEGEL ONLINE. Als Bewaffnung sind die RS-24 "Jars"-Raketen (SS-27) vorgesehen. Noch stehe nicht fest, wie viele Sprengköpfe die SS-27 haben werde. Auf jeden Fall seien es mehrere mit je 150 bis 300 Kilotonnen Sprengkraft.

Die Idee, Eisenbahnzüge als mobile Raketenstartrampen zu nutzen, stammt ursprünglich nicht von der Roten Armee. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges versuchten deutsche Militärs, ihre V2-Raketen und Abschusseinrichtungen vor den Angriffen der amerikanischen und britischen Luftwaffe zu schützen. Dabei experimentierten sie auch mit Starts der V2 von Eisenbahnwagen.

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insgesamt 154 Beiträge
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1. Hmmm, interessant und nicht sehr schön ...
nadennmallos 23.12.2014
... die Russen sind auf dem Kriegspfad? Nein, eher nicht, aber sie rasseln mit dem sehr großen Säbel, frei nach dem Motto: Wenn ihr nicht brav seid (uns helft und schön macht was wir möchten), dann aber ...! Panik habe ich keine, aber diese Art der Russen gefällt mir nicht.
2. Wer den Krieg will,
laberhannes1 23.12.2014
wer eine Putschregierung in der Ukraine unterstützt, wer Waffen liefert, wer Hetzpropaganda verbreitet, wer kriegstreibend agiert, der darf sich nicht wundern, wenn der ehemals friedliche Gegner nun ebenfalls aufrüstet. Sicher genau das war der Plan der US - NATO Strategen. Glückwunsch, hat geklappt.
3. Wenn Russland andauernd provoziert
kilroy-was-here 23.12.2014
Wenn man Russland andauernd mit einem NATO Beitritt der Ukraine provoziert, dann kommt so was raus. An der Krise in Russland ist der Westen nicht ganz unschuldig...
4. Ausdruck von Paranoia
teacher20 23.12.2014
Sollte Putin schon vergessen haben, dass es vorrangig der Versuch der Sowjetunion war, den Westen rüstungstechnisch zu übertrumpfen, der den maroden Staatskapitalismus und damit das ganze System zum Einsturz brachte? So mächtig und bedrohlich eine neuerliche Aufrüstung mit mobilen Atomraketen auch wirkt (und Putin auch die sehnlich erwünschte Schlagzeile einbringt), ähnlich wie die Flottendemonstrationen bis vor die Küste Australiens und Luftwaffendemonstrationen bis in die Karibik ist sie jedoch nichts anderes als eine hilflose Geste eines an Minderwertigkeitskomplexen leidenden Landes und Volkes und seines testosterongesteuerten Staatspräsidenten, denen die eigene Staatswirtschaft und die Finanzwirtschaft gerade um die Ohren fliegt, nachdem man sich zuvor noch höhnisch über die Wirkungslosigkeit westlicher Sanktionen geäußert hatte.
5. Sehr gut Entscheidung,
tertialtulip 23.12.2014
Rußland muß in angemessener Weise auf die immer agressivere Politik von EUSA reagieren. Ein System das den Amis zeigen wird das bei einem atomarem Erstschlag auch Amerika nicht mehr existieren wird. Der Raketenabwehrschirm wird wertlos.
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