Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Asterix' mysteriöse Vorfahren

Warum wurden in einem Vorort der heutigen Stadt Troyes gallische Krieger und einige reiche Frauen begraben - scheinbar weit ab von jeder Siedlung? Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: eine vermurkste Steinzeitaxt und das Grab eines chinesischen Tyrannen.

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Südöstlich von Paris sind Archäologen auf einen Friedhof möglicher Vorfahren von Asterix und Obelix gestoßen. Auf dem Baugelände einer Lagerhalle in einem Vorort der Stadt Troyes fanden sie die Gräber von fünf gallischen Kriegern und weiteren Stammesmitgliedern. Im Comic trägt Asterix stets sein Schwert umgegürtet. Auch einer der Krieger wurde mit seinem Schwert begraben. Es ist 70 Zentimeter lang und steckt noch in der Scheide. Die kostbare Waffe und der Schild mit Metallrahmen sprechen dafür, dass er zu den Anführern seines Stammes zählte.

Fund nahe Troyes, Frankreich: Gräber von Asterix' Vorfahren Zur Großansicht
AFP

Fund nahe Troyes, Frankreich: Gräber von Asterix' Vorfahren

Unmittelbar daneben fanden die Archäologen Frauengräber. Die Frauen trugen keine Waffen, dafür aber wertvollen Schmuck. Um die Hälse hatte man ihnen sogenannte Torques gelegt - gedrehte Metallringe mit offenen Enden, der typische Gallierschmuck jener Zeit. Außerdem trugen sie Broschen, die mit Korallenstücken verziert waren. Die Gallier starben während der La-Tène-Zeit, zwischen 325 und 260 vor Christus - also deutlich vor Asterix, dessen Comic-Wirken sich um 50 vor Christus entfaltet. Während der La-Tène-Zeit begaben sich die Kelten - nur von den Römern "Gallier" genannt - auf Wanderschaft und begannen, ihr Reich auszudehnen. Am Ende erstreckte es sich von Schottland im Norden bis zur spanischen Atlantikküste im Süden.

Seltsamerweise ist in der Gegend des Friedhofs keine Siedlung bekannt, nicht einmal ein "kleines gallisches Dorf". Auch fanden die Ausgräber weder Keramik noch Essensreste in den Gräbern, wie es sonst üblich war. Allerdings standen ganz in der Nähe bronzezeitliche Grabhügel, die in der La-Tène-Zeit noch weithin sichtbar gewesen sein müssen.

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susuki 21.04.2013
Mario_4815162342 21.04.2013
Mahagon 21.04.2013
L_P 21.04.2013
Luscinia007 21.04.2013
Luscinia007 21.04.2013
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Zur Autorin
  • Sabine Bungert
    Angelika Franz ist Archäologin. Als freie Autorin schreibt sie meistens über Kriege, Seuchen und alles, was verwest, verrottet und verfallen ist. Trotzdem ist sie keineswegs morbide veranlagt, sondern findet vielmehr, dass Archäologie die praktischen Dinge des Lebens lehrt. Bei Bedarf kann sie ein Skalpell aus Flint schlagen, in einer Erdgrube Bier brauen oder Hühner fachgerecht mumifizieren.
  • Homepage von Angelika Franz

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.