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Ausgegraben

Ausgegraben - Neues aus der Archäologie Radarwellen enthüllen römische Großstadt

Interamna Lirenas galt als Dorf im alten Rom - doch nun zeigen Radarwellen, dass die Siedlung riesig war. Außerdem im archäologischen Wochenrückblick: Ein Massengrab polnischer Helden, an einem Gletscher lag verschollene Diplomatenpost - und die Quelle kostbarer Teufelskrallen wurde entdeckt.

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Da waren die Archäologen überrascht: Die römische Gründung Interamna Lirenas im Tal der Liri in Latium war gar kein verschlafenes, hinterwäldlerisches Nest, wie sie bisher angenommen hatten. Die Stadt, die römische Siedler im vierten Jahrhundert vor Christus rund 80 Kilometer südlich von Rom gründeten, war ganz im Gegenteil eine reiche, lebendige Stadt.

Luftbild des Theaters von Interamna Lirenas: Gewaltige Größe der Anlagen Zur Großansicht
University of Cambridge

Luftbild des Theaters von Interamna Lirenas: Gewaltige Größe der Anlagen

Das entdeckten sie, als sie mit Bodenradarmessungen die genaue Ausdehnung von Interamna Lirenas untersuchen wollten. Die geophysikalischen Messungen zeigten ganz deutlich das Theater, den Marktplatz und weitere öffentliche Gebäude der Stadt.

Die gewaltige Größe dieser Anlagen lässt Rückschlüsse auf die Bedeutung der Stadt zu: Sie muss zu römischer Zeit ein reges urbanes Zentrum gewesen sein. Untersuchungen des Umlandes bestätigen dieses Bild. Den Höfen und Dörfern der Umgebung ging es ebenfalls gut, sie wurden reich durch die Nahrungsmittelproduktion für die hungrigen Städter.

Um das Jahr 500 wurde Interamna Lirenas dann aufgegeben, die Gebäude dienten noch einige Zeit als Steinbruch für neue Bauprojekte in der Region. Heute ist an der Stelle, wo einst einige tausend Menschen lebten, nur noch flaches Farmland zu sehen.

7 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
catcargerry 08.09.2012
OneTwoThree 08.09.2012
Tiananmen 08.09.2012
DianaSimon 08.09.2012
OneTwoThree 08.09.2012
alBab 08.09.2012
trafozsatsfm 09.09.2012

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Archäologische Methoden der Datierung
Radiokarbondatierung
Das radioaktive Kohlenstoffisotop C-14 wird in der Atmosphäre ständig durch kosmische Strahlung erzeugt und gelangt in Form von Kohlendioxid (CO2) in die Biosphäre. Pflanzen, die CO2 aufnehmen, werden von Tieren und Menschen gegessen. Sie enthalten eine niedrige Aktivität, die überall und über lange Zeiträume gleich ist. Stirbt ein Lebewesen, nimmt es kein C-14 mehr auf und die Aktivität klingt in 5730 Jahren um die Hälfte ab. Je älter ein Fund, desto geringer seine Aktivität. Man kann damit bis zu einem Alter von circa 50.000 Jahren datieren.
Lumineszenzdatierung
Sie beruht auf einem Strahlenschaden durch die fast überall vorhandenen radioaktiven Elemente Uran, Thorium und Kalium. Die Halbwertszeiten der Radionuklide dieser Elemente sind so lang, dass man von einem konstanten Radioaktivitätspegel ausgehen kann. Als Sensoren für die Strahlenschäden verwendet man meist Quarz und Feldspäte, die in Keramik und in Sedimenten immer vorhanden sind. Diese Minerale senden Licht aus, wenn sie erhitzt werden (Thermolumineszenz) oder beleuchtet werden (optisch stimulierte Lumineszenz). Je älter die Keramik, desto stärker das Leuchten.
Stratigraphie
Über die Stratigraphie wird das Alter eines Gegenstands anhand der Erdschicht bestimmt, in der er vorgefunden wurde. Die Schichten (lateinisch Straten) entstehen durch natürliche Ablagerungen und menschliche Aktivitäten. Die Stratigraphie kann deshalb gut mit den anderen Methoden kombiniert werden. Wurde beispielsweise ein Holzstück mit der C-14-Methode präzise datiert, kennt man auch das Alter eines Fundstücks, das in direktem Zusammenhang in derselben Erdschicht lag.

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