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Autofahren mit Atomkraft: Frankreich will Klimaziele mit Elektroautos erreichen

Frankreichs Präsident Sarkozy will die Kernkraft auf die Straße bringen - mit einer riesigen Elektroauto-Initiative. Für die strombetriebenen Fahrzeuge soll Paris 1,5 Milliarden Euro ausgeben, Privatleute bekommen 5000 Euro "Super-Umweltprämie." Nicht nur Atomkraftgegner haben Bedenken.

Elektroautos: Nicht ganz frei von CO2 Fotos

Paris - Ob kochen, heizen oder fernsehen - in Frankreich funktioniert fast alles mit Atomstrom. Jetzt soll die Kernkraft auch den Straßenverkehr bestimmen: mit Elektroautos. Sie sollen einen deutlichen Beitrag zum französischen Ziel leisten, die CO2-Emissionen bis 2050 im Vergleich zu 1990 um 75 Prozent zu senken.

Mit seinem Energiemix aus fast 80 Prozent Atomkraft und 20 Prozent aus anderen Quellen sieht sich Frankreich als idealer Ort für die stromgetriebenen Fahrzeuge. Nach Berechnungen der französischen Umweltagentur Ademe könnten sie unter dem Strich nur auf 20 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer kommen - deutlich weniger als in anderen EU-Ländern wie Deutschland, die einen hohen Anteil an Kohle bei der Stromerzeugung haben.

Gleichzeitig soll aber auch die gebeutelte französische Autoindustrie auf Vordermann gebracht werden. Es gelte "eine der wichtigsten Schlachten der weltweiten Industrie" zu schlagen, kündigte Umweltminister Jean-Louis Borloo an. Frankreich müsse "zum weltweiten Marktführer" in Sachen Elektroautos werden.

"Super-Umweltprämie" von 5000 Euro für Elektroautos

Dazu sollen Autobauer, Stromerzeuger und Großkonzerne mit dem Staat an einem Strang ziehen. "Kein Akteur kann das Risiko alleine tragen, aber wenn alle es zur gleichen Zeit machen, wird es funktionieren", ist sich Borloo sicher. Bis 2015 solle ein landesweites System mit einer Million Ladestationen aufgebaut werden, 90 Prozent davon in Privatgebäuden und Unternehmen. 1,5 Milliarden Euro will Paris in die Infrastruktur für die E-Revolution stecken.

Angesichts der anfangs noch hohen Preise für Elektroautos schafft der Staat die Nachfrage erst einmal selbst. Behörden, Kommunen und Staatskonzerne sollen bis 2015 rund 100.000 Elektrofahrzeuge kaufen. Um auch Privatleute für das Elektroauto zu begeistern, verlängert Paris die Laufzeit seiner "Super-Umweltprämie" von 5000 Euro pro Fahrzeug, wenn es weniger als 60 Gramm CO2 pro Kilometer ausstößt. Und mehrere hundert Millionen macht der Staat locker, um den Bau von Batterie- und Elektroautofabriken zu fördern.

Frankreichs Autobauer sind ob solcher Rückendeckung begeistert. Renault will ab 2011 vier verschiedene Elektroautos herausbringen. PSA Peugeot Citroën plant, mit Hilfe des japanischen Partners Mitsubishi den Kleinwagen Ion schon im Oktober 2010 auszuliefern. Noch schneller will mit dem Industriellen Vincent Bolloré ein Newcomer sein: Sein BlueCar soll ab Juni in Frankreich starten.

Nur bedingt umweltfreundlich

Atomkraftgegnern sind die Elektroauto-Pläne ein Graus. Sie seien "keine umweltfreundliche Option", erklärt die Organisation Sortir du nucléaire. Nicht nur, dass ihre massenhafte Einführung auch weiteren Atommüll anfallen lassen werde, sie würden anders als behauptet auch "große Mengen CO2" ausstoßen.

Tatsächlich ist die Rechnung der Umweltbehörde mit den 20 Gramm pro Kilometern mit einigen Bedingungen behaftet. "Es hängt stark davon ab, ob die Autos in der Haupt- oder Nebenzeit aufgeladen werden", sagt Ademe-Experte Eric Vidalenc. "Wenn die Haushalte ihre Fahrzeuge alle um 19 Uhr anschließen, ist das eine echte Katastrophe." Dann müssten Kohle- oder Gaskraftwerke zugeschaltet werden, was die CO2-Bilanz deutlich verschlechtern würde. Noch schlimmer sei es, wenn Schnell-Ladestationen benutzt würden, weil die Netzkapazität dann schnell an ihre Grenzen stoße und gar Strom aus dem Ausland eingekauft werden müsse.

Die Umweltbehörde warnt die französischen Autobauer auch davor, in der Euphorie jetzt "einfach nur irgendwelche Elektroautos zu bauen". Denn da gebe es durchaus sehr große Unterschiede beim Strombedarf, sagte Vidalenc. "Nötig sind Elektrofahrzeuge, die so wenig wie möglich verbrauchen."

Von Martin Trauth, AFP

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Forum - Klimaschutz mit Atomstrom?
insgesamt 2448 Beiträge
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1.
Ein Belgier, 19.06.2008
Ich bin ein Verfechter der Nutzung der Atomenergie, aber man sollte nicht mit falschen Argumenten für eine richtige Sache werben. AKW's unter dem Gesichtspunkt der CO2 Vermeidung zu propagieren ist unseriös; alle erreichbaren fossilen Energieträger werden verfeuert werden - mit oder ohne Atomkraft. Die Versorgungssicherheit, die Grundlastfähigkeit, die Zukunftsfähigkeit sowie der günstige Preis sind gute Gründe um Atomkraft bis zur erhofften Realisierung der Kernfusion in Europa einzusetzen. Für meinen Teil wiegen diese Vorteile die Probleme bzgl. Sicherheit und Endlagerung auf (kann man auch anders sehen), aber das Argument "Klimaschutz" ist nur ein Scheinargument und schadet der Sache mehr als das es ihr nutzt...
2.
kdshp 19.06.2008
Zitat von sysopEinige Politiker fordern zu einem Umdenken beim Atomausstieg auf, um die Klimaschutzziele erreichen und gleichzeitig die Energiesicherheit gewährleisten zu können. Wie denken Sie, ist für einen nachhaltigen Klimaschutz Atomstrom sinnvoll?
Hallo, die CDU sollte mal klar sagen wieviel neue AKW´s sie haben will oder nach ihrer vorstellung von nöten wären. Geht es hier um 1 AKW oder um 20 ? Auch würde mich mal interessieren wo man sich denn die standorte vorstellen könnte ?
3. Ja !!!
boam2001, 19.06.2008
Viele Länder in der Welt und um uns herum bauen neue Atomkraftwerke, um den steigenden Energiebedarf zu decken. Nur Deutschland geht mal wieder einen seltsamen Sonderweg. Allein mit Energieeinsparungen, Biogas, Wind- und Solarkraft sowie Kraft-Wärme-Kopplung kann man ein 80-Millionen-Volk nicht mit ausreichend Energie versorgen. Ob das wohl ausreicht ???? Die Rot-Grüne Vorgängerregierung hat einen entscheidenen Fehler bei der Abschaffung der Atomkraft gemacht: Sie konnte keine geeigneten Alternativen präsentieren bzw. durchsetzen, welche in der Lage sind, die Bevölkerung und die Wirtschaft mit ausreichend Energie zu versorgen.
4. Was für ein Unsinn
knightsurfer, 19.06.2008
Zitat von sysopEinige Politiker fordern zu einem Umdenken beim Atomausstieg auf, um die Klimaschutzziele erreichen und gleichzeitig die Energiesicherheit gewährleisten zu können. Wie denken Sie, ist für einen nachhaltigen Klimaschutz Atomstrom sinnvoll?
Die Klimaschutzziele können durch den Ausbau der Atomkraft nicht erreicht werden. Bei der Stromproduktion fallen keine Treibhausgase an, jedoch müssen Uranabbau, -anreicherung, Kraftwerksbau mit besonderen Sicherheitsvorkehrungen und Entsorgung sowohl des Atommülls als auch der Kraftwerke mit in Betracht gezogen werden. Bei all diesen Tätigkeiten werden große Mengen CO2 frei. Damit sieht die Bilanz schon erheblich schlechter aus. Des Weiteren ist eine Versorgung Europas durch erneuerbare Energien zu einem Bruchteil der Kosten möglich. Das Problem ist ja nicht, dass nicht ständig genügend regenerative Energie vorhanden wäre, sondern Speicherung bzw. Verteilung. Ein europaweites neues Gleichstromverbundnetz würde diese Probleme lösen. Außerdem heizen Atomkraftwerke auch ohne Treibhausgasausstoß die Atmosphäre auf. Diese Kraftwerke erzeugen mit relativ geringem Wirkungsgrad Strom welcher letztendlich wieder in Wärme umgewandelt wird. Diese Wärme wird an die Umwelt abgegeben und erwärmt zusätzlich. Die tatsächlichen Kosten der Kernenergie sollte man auch nicht ausser Acht lassen: Würden die Entsorgungskosten nicht sozialisiert sondern auf den Strompreis aufgeschlagen, wäre der Atomstrom so teuer, dass ihn niemand abnehmen würde. Fazit: Atomstrom ist eine Technologie von gestern, die die Fragen von morgen nicht beantworten kann. Knightsurfer
5.
Adran, 19.06.2008
Zitat von boam2001Viele Länder in der Welt und um uns herum bauen neue Atomkraftwerke, um den steigenden Energiebedarf zu decken. Nur Deutschland geht mal wieder einen seltsamen Sonderweg. Allein mit Energieeinsparungen, Biogas, Wind- und Solarkraft sowie Kraft-Wärme-Kopplung kann man ein 80-Millionen-Volk nicht mit ausreichend Energie versorgen. Ob das wohl ausreicht ???? Die Rot-Grüne Vorgängerregierung hat einen entscheidenen Fehler bei der Abschaffung der Atomkraft gemacht: Sie konnte keine geeigneten Alternativen präsentieren bzw. durchsetzen, welche in der Lage sind, die Bevölkerung und die Wirtschaft mit ausreichend Energie zu versorgen.
Wenn viele Länder Atomkraftwerke bauen, dann hat das auch auswirkungen auf den preis von Uran, und ob dann die energiequelle noch so günstig bleibt, wie sie ist, darf bezweifelt werden. Angebot und nachfrage gelten auch bei Uran, und er ist noch seltner als Öl.. Nach kampf ums Öl geht dann der kampf ums uran los..super vorstellung..
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Elektroautos auf der IAA: Im Strom der Wartezeit

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Elektroautos im Aufwind: Modelle und Meilensteine
Vor-/Nachteile der Energieträger
Die Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch - SPIEGEL ONLINE zeigt die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Energieträger.
Erdöl
Plus: Erdöl ist der Schmierstoff industrieller Volkswirtschaften. In Deutschland deckt Öl rund 35 Prozent des Energiebedarfs - so viel wie kein anderer Rohstoff. Im Verkehrssektor gibt es momentan kaum Alternativen zu Öl: Das bestehende Tankstellennetz ist auf Benzin und Diesel ausgerichtet, die heute gängigen Motoren fahren fast nur mit diesen beiden Treibstoffen.

Minus: Der Ölpreis ist in den vergangenen Jahren rasant gestiegen - und mit ihm der Spritpreis. Autofahrer mussten zeitweise mehr als 1,50 Euro für Benzin zahlen. Die deutsche Volkswirtschaft verliert dadurch Milliardenbeträge, denn das Land ist fast völlig von Importen abhängig. Weltweit liegen die meisten Ölvorkommen in politisch heiklen Regionen wie dem Nahen Osten, Russland, Venezuela oder Nigeria. Versorgungskrisen kann man daher nicht ausschließen. Darüber hinaus ist Erdöl ein endlicher Rohstoff: Die bekannten Vorkommen gehen langsam zur Neige. Große neue Felder wurden in den vergangenen Jahren kaum entdeckt - und wenn, dann nur in schwierig zu erschließenden Gebieten wie der Arktis. Hinzu kommt die CO2-Problematik: Wenn Öl verbrannt wird, entsteht das Klimagas Kohlendioxid .
Erdgas
Plus: Erdgas ist der klimafreundlichste fossile Energieträger - bei der Verbrennung entsteht weniger CO2 als bei Kohle oder Öl. Außerdem halten die Vorräte noch eine Weile: Die Reichweite der Gasvorkommen wird auf rund 60 Jahre geschätzt, bei Öl sind es nur 40 Jahre. Verfeinerte Fördertechniken machen zudem den Zugriff auf große neue Gas-Reservoirs möglich. Ein weiterer Vorteil: Gas kann einen wichtigen Beitrag zur Stromerzeugung leisten. Denn Gaskraftwerke lassen sich schnell hoch- und runterfahren - diese Flexibilität hilft, die Schwankungen beim Windstrom auszugleichen.

Minus: Weltweit verfügen nur wenige Länder über Gasvorkommen. Entsprechend groß sind die Abhängigkeiten - Deutschland bezieht rund 40 Prozent seines Erdgases aus Russland. Problematisch ist außerdem die noch immer weit verbreitete Bindung an den Ölpreis: Je teurer Erdöl wird, desto teurer wird auch Gas. Stromkonzerne klagen bereits, dass sich Gaskraftwerke kaum mehr rentieren. Private Haushalte kennen dasselbe Problem beim Heizen - Gas ist kaum günstiger als Öl. Auch beim Autofahren stellt Erdgas keine Alternative dar: Der aktuelle Preisvorteil gegenüber Benzin und Diesel liegt nur an der steuerlichen Begünstigung.
Kohle
Plus: Kohle gibt es fast überall auf der Welt - einseitige Importabhängigkeiten wie beim Gas sind deshalb nicht zu befürchten. Auch Deutschland verfügt über nennenswerte Ressourcen: Braunkohle lässt sich ohne Subventionen fördern, für Steinkohle ist dies bei weiter steigenden Preisen zumindest denkbar. Außerdem reichen die Vorräte so lange wie bei keinem anderen fossilen Energieträger: Schätzungen gehen von rund 200 Jahren aus. Kohle eignet sich vor allem zur Stromerzeugung in der Grundlast - rund 50 Prozent des deutschen Stroms stammen aus Kohlekraftwerken .

Minus: Kein Energieträger ist so klimaschädlich wie Kohle. Bei der Verbrennung entsteht rund doppelt so viel CO2 wie bei Gas. Problematisch könnte dies vor allem dann werden, wenn man bestehende Atomkraftwerke durch neue Kohlekraftwerke ersetzt - oder wenn Elektroautos künftig in großem Stil Kohlestrom tanken. Bedenklich sind außerdem die Arbeitsbedingungen, unter denen Kohle gefördert wird : Zu den größten Produzenten zählen China, Russland und Südafrika - Länder, in denen immer wieder Bergleute ums Leben kommen.
Atomenergie
Plus: Kernkraftwerke produzieren - wenn sie einmal gebaut sind - günstigen Strom. Der Rohstoff Uran wird nur in geringen Mengen verbraucht, so dass die laufenden Betriebskosten gering sind. Atomstrom kann in der Grundlast eingesetzt werden, also unabhängig von kurzfristigen Wetterschwankungen. In Frankreich wird Atomstrom auch zum Heizen verwendet, langfristig könnten so auch Elektroautos betrieben werden. Bei der Kernenergie wird kaum CO2 freigesetzt. Sie ist damit klimafreundlicher als Kohle oder Gas.

Minus: Der größte Nachteil der Atomenergie ist das Risiko eines GAUs. Selbst wenn man dafür eine geringe Wahrscheinlichkeit unterstellt - der Schaden wäre enorm. Die Katastrophe in Tschernobyl war nur ein Vorgeschmack dessen, was im dicht besiedelten Mitteleuropa passieren würde: Tausende Opfer, auf ewig verseuchte Landstriche, Vermögensverluste in zigfacher Milliardenhöhe. Hinzu kommt die ungelöste Frage der Endlagerung : Obwohl die Kernenergie seit rund 50 Jahren genutzt wird, gibt es bis heute keine dauerhafte Deponie für die verstrahlten Abfälle. Ob es überhaupt ein sicheres Endlager geben kann, ist umstritten: Der Atommüll strahlt zum Teil mehr als 100.000 Jahre lang - was in dieser Zeit alles passiert, kann niemand vorhersagen. In jüngster Zeit wird ein weiteres Problem immer häufiger diskutiert: Was geschieht, wenn Terroristen einen Anschlag auf ein Kernkraftwerk verüben? Oder wenn sie in den Besitz von spaltbarem Material gelangen? Sicherheitsexperten haben auf diese Fragen keine abschließende Antwort.
Wasser
Plus: Die Wasserkraft ist sehr umweltfreundlich - mit geringem Eingriff in die Natur lässt sich günstig Energie gewinnen. Rund fünf Prozent des deutschen Stroms stammen aus Wasserkraftwerken. Außerdem lässt sich in Stauseen sehr gut Energie speichern: Bei einem Überangebot an Strom wird Wasser nach oben gepumpt. Bei Bedarf wird es dann abgelassen, um die Turbinen anzutreiben.

Minus: In Deutschland ist das Potential der Wasserkraft so gut wie ausgeschöpft. Fast jeder Fluss hat ein Kraftwerk, ebenso fast jeder See. Im Ausland wiederum ist die Wasserkraft zum Teil in Verruf geraten: Riesenprojekte wie der Jangtse-Staudamm in China zerstören die Natur in großem Stil.
Wind
Plus: Von allen erneuerbaren Energien ist die Windkraft in den vergangenen Jahren am stärksten gewachsen. Mittlerweile beziehen die Deutschen deutlich mehr Strom aus Windrädern als aus Wasserkraftwerken. Auch in Zukunft hat die Branche großes Wachstumspotential - vor allem offshore, also in Windparks auf dem Meer . Ein weiterer Vorteil: Die Windkraft ist verhältnismäßig günstig. Die Betreiber der Anlagen bekommen über das Erneuerbare-Energien-Gesetz nur wenig mehr Förderung als der Preis für konventionellen Strom an der Energiebörse hoch ist. Zum Vergleich: Solarstrom wird weit höher vergütet.

Minus: Kritiker halten Windräder für eine Verschandelung der Landschaft. Außerdem weht der Wind sehr unzuverlässig: Bei einer starken Brise wird das deutsche Stromnetz überlastet, bei Flaute muss Strom aus dem Ausland hinzugekauft werden. Praktikable Speicher für Windenergie gibt es bisher nicht. Ein weiterer Nachteil: Starker Wind bläst vor allem in Norddeutschland, die großen Verbrauchszentren liegen aber im Süden und Westen. Um den Strom abzutransportieren, sind zahlreiche neue Leitungen nötig .
Sonne
Plus: Die Sonne ist nach menschlichen Maßstäben eine ewige Energiequelle , und sie scheint für jeden umsonst. Hätten alle Dächer Deutschlands eine Solaranlage, könnte so ein großer Teil des hiesigen Strombedarfs gedeckt werden - klimaschonend und unabhängig von Importen. Darüber hinaus lässt sich das Sonnenlicht auch zur Warmwasserbereitung nutzen: Mit Solarkollektoren kann man herkömmliche Heizungen ergänzen und so die Energiekosten drücken.

Minus: Die Sonne hat den gleichen Nachteil wie der Wind - ihre Energie lässt sich nicht zu jeder Uhrzeit nutzen. Das größte Problem ist jedoch der Preis: Solarstrom kostet viel mehr als konventioneller Strom. Und trotz milliardenschwerer Subventionen leistet Sonnenenergie bislang nur einen geringen Beitrag zur deutschen Stromversorgung: Schätzungen schwanken zwischen einem um zwei Prozent. Damit die Photovoltaik in Mitteleuropa wettbewerbsfähig wird, müsste es eine technische Revolution geben - oder die Preise für konventionelle Energie müssten dramatisch steigen.
Biomasse
Plus: Holz, Stroh, Mais - beim Verbrennen dieser Stoffe wird nur so viel CO2 freigesetzt, wie die Pflanzen vorher der Atmosphäre entzogen haben. Biomasse lässt sich in vielen Bereichen einsetzen: zum Heizen (beispielsweise mit Holzpellets), zum Autofahren (mit Biodiesel oder Bioethanol ) oder zur Stromerzeugung (mit Biogas). Der große Vorteil: Biomasse ist gespeicherte Energie. Man kann also frei entscheiden, wann man sie nutzen möchte - anders als bei Wind- oder Solarkraft. Ein weiterer Pluspunkt: Energiepflanzen, die in Deutschland wachsen, reduzieren die Abhängigkeit von Importen.

Minus: In jüngster Zeit gerät die Bioenergie massiv in die Kritik. Denn die Pflanzen benötigen enorme Anbauflächen - und treten damit in direkte Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion. Gerade bei Biotreibstoffen wird das zum Problem: Lässt es sich moralisch rechtfertigen, dass die Reichen Mais tanken - während die Armen hungern? Hinzu kommt ein gigantisches Mengenproblem: Wollte Deutschland seinen gesamten Benzin- und Dieselbedarf mit Biokraftstoffen decken, wäre dafür eine Fläche nötig, die größer ist als die gesamte Bundesrepublik. Das Gleiche gilt fürs Heizen: Sollten alle Bundesbürger auf Holzpellets umsteigen, würde der deutsche Wald dafür nicht reichen - erneut wären Energie-Importe nötig.
Erdwärme
Plus: Die Wärme im Erdinneren steht rund um die Uhr zur Verfügung. Sie lässt sich sowohl zum Heizen als auch zur Stromerzeugung nutzen. Gäbe es keine Probleme mit der Bohrtechnik, könnte die Geothermie den gesamten deutschen Energiebedarf decken.

Minus: In Deutschland muss man Hunderte oder gar Tausende Meter tief bohren, um ein ausreichendes Temperaturniveau zu erreichen. Die Kosten der Geothermie sind deshalb sehr hoch. Mancherorts gibt es außerdem Probleme mit dem Grundwasser. Andere Länder sind hier aus geologischen Gründen in einer besseren Position: Island zum Beispiel deckt seinen Energiebedarf zum Großteil mit der Wärme aus dem Erdinneren.


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