Neuer Stromspeicher Diese Batterie funktioniert auch bei minus 70 Grad

Egal ob Elektroauto oder Smartphone: Moderne Batterien schwächeln bei Frost. Chinesische Forscher haben nun eine Alternative entwickelt.

Neuartige Batterie
Yongyao Xia/ Yonggang Wang

Neuartige Batterie


Eine auch bei minus 70 Grad noch gut funktionierende wiederaufladbare Batterie haben chinesische Wissenschaftler entwickelt. Selbst bei dieser tiefen Temperatur stellt der Akku noch 70 Prozent der Leistung bereit, die er bei Zimmertemperatur aufweist.

Allerdings ist die Energiedichte recht gering: Mit gängigen Lithium-Ionen-Speichern kann die neue Batterie nicht mithalten. Die Energiedichte sei sogar geringer als bei klassischen Autobatterien auf Blei-Säure-Basis, berichten Yongyao Xia und seine Kollegen von der Fudan University in Shanghai (China) im Fachmagazin "Joule".

Organische Substanz als Elektrolyt

Bei minus 40 Grad behalten Lithium-Ionen-Akkus mehreren Studien zufolge nur noch etwa 12 Prozent der Leistung bei, die sie bei Zimmertemperatur zeigen. Für Wintereinsätze in Kanada oder Russland reicht das nicht.

Um dieses Problem zu lösen, gibt es verschiedene Ansätze: Eine Möglichkeit sind Zusätze im Elektrolyten, jener Flüssigkeit, in der die elektrisch geladenen Teilchen sich bewegen. Ein anderer Weg führt über die Isolierung und äußerliche Erwärmung der Lithium-Ionen-Zellen.

Forscher Yongyao Xia
Yongyao Xia

Forscher Yongyao Xia

Das Team um Xia suchte zunächst nach einem geeigneten Elektrolyten. Sie nahmen die organische Substanz Ethylacetat als Basis, da sie erst bei minus 84 Grad Celsius gefriert. In die Ethylacetat-Lösung gaben die Forscher eine kleine Menge eines Lithiumsalzes, LiTFSI. Es wird beim Laden in positive und negative Ionen aufgespalten.

Zunächst kombinierten die Forscher den Elektrolyten mit den üblichen Elektroden von Lithium-Ionen-Akkus, doch die Leistung verbesserte sich kaum. Als Grund dafür nennen die Wissenschaftler einen Effekt namens Interkalation: Dabei werden Ionen zwischen Kristallgittern von Feststoffen eingelagert. Genau dieser Prozess wird bei tiefen Temperaturen jedoch erschwert. Deshalb verzichteten Xia und Kollegen auf Metallelektroden und setzten auf bestimmte organische Verbindungen.

Einsatz als Energiequelle bei niedrigen Temperaturen

"Im Vergleich zu den Elektroden-Materialien in herkömmlichen Lithium-Ionen-Batterien, die Übergangsmetalle enthalten, sind organische Materialien reichlich vorhanden, billig und umweltfreundlich", wird Xia in einer Mitteilung des Fachmagazins zitiert.

Eine Konkurrenz zu Lithium-Ionen-Akkus werden die neu entwickelten Batterien in absehbarer Zeit jedoch nicht - dafür reiche die Leistung nicht aus. Deshalb schlagen die Forscher in ihrer Studie vor, eine solche auf organischen Elektroden basierende wiederaufladbare Batterie als Hilfsenergiequelle zu verwenden - für kurzzeitige benötigte Leistung bei extrem niedrigen Temperaturen. Die organische Batterie könnte beispielsweise eine Lithium-Ionen-Batterie aufwärmen, damit diese in ihrem optimalen Temperaturbereich arbeiten kann.

Von Stefan Parsch, dpa/hda



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