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Nahe der deutschen Grenze: Belgien fährt umstrittenen Atomreaktor wieder hoch

Atomkraftwerk Tihange in Belgien: Seit 21.21 Uhr wieder am Netz Zur Großansicht
DPA

Atomkraftwerk Tihange in Belgien: Seit 21.21 Uhr wieder am Netz

Wegen Sicherheitsbedenken war der belgische Atomreaktor Tihange 2 in der Nähe von Aachen abgeschaltet worden. Jetzt ging er wieder ans Netz - mit Hunderten Rissen im Reaktorbehälter und allen Protesten zum Trotz.

Der belgische Atomreaktor Tihange 2 ist ungeachtet von Protesten aus Deutschland wieder hochgefahren worden. Das rund 70 Kilometer westlich von Aachen gelegene Kraftwerk sei am Montagabend um 21.21 Uhr ans Netz gegangen, teilte der Betreiber Electrabel mit. Die Wiederinbetriebnahme sei vollkommen sicher gewesen.

Der Reaktor war zuletzt im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, nachdem Hunderte Haarrisse an den Reaktorbehältern entdeckt worden waren. Nach einer Überprüfung teilte die belgische Nuklearaufsichtsbehörde aber mit, dass es sich dabei um ein Problem handle, das keine Gefahr für die Sicherheit der Reaktoren darstelle.

Nordrhein-westfälische Politiker hatten die Pläne für das Wiederanfahren von Tihange 2 bereits im Vorfeld scharf kritisiert. Sie bezeichneten das Vorgehen der belgischen Behörden unter anderem als "russisches Roulette". Wie der WDR berichtete, simulierte der Krisenstab in Aachen am vergangenen Montag einen Störfall im Reaktor - inklusive der Verteilung von Jodtabletten an die Bevölkerung. Die Stadt habe dem Sender zufolge erfolglos die Option geprüft, die Inbetriebnahme mit rechtlichen Schritten noch abzuwenden.

Aachens Oberbürgermeister Marcel Philipp (CDU) hatte die Pläne zur Wiederinbetriebnahme laut "Rheinischer Post" als bedrohlich und unverantwortlich kritisiert. Den nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) zitierte die Zeitung mit den Worten: "Diese gefährlichen Reaktoren müssen vom Netz. Angesichts der Gefährdungen, die von Tihange und Doel ausgehen, sind Laufzeitverlängerungen unverantwortlich."

Belgien hat insgesamt sieben Reaktoren an den Standorten Doel und Tihange. Doel ist rund 150 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt. Im Zuge des geplanten Atomausstiegs sollen nacheinander alle Reaktoren an diesen beiden einzigen Standorten des Landes abgeschaltet werden.

Vor rund zwei Wochen hatte sich die Regierung Belgiens mit dem Energieversorger Electrabel allerdings auf die Verlängerung der Laufzeit der Reaktoren Doel 1 und Doel 2 bis 2025 geeinigt. Im Gegenzug will Electrabel in erneuerbare Energien investieren, um die Atomkraft ersetzen zu können. Die beiden Reaktoren in der Nähe von Antwerpen werden 2025 bereits 50 Jahre alt sein.

aar/dpa/AFP

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