Fossile High-Tech Forscher bauen Roboter nach Urtier-Vorbild

Vor rund 300 Millionen Jahren - lange vor den Dinosauriern - krabbelte das echsenartige Tier Orobates pabsti über die Erde. Forscher haben es nun wiederbelebt.

Jonas Lauströer / HAW Hamburg / DPA

Keiner weiß warum, aber irgendwann haben sie es einfach getan: Vor etwa 350 Millionen Jahren verließen amphibienartige Lebewesen das Wasser, um an Land zu leben. Ohne diesen Schritt gäbe es keine Vögel, keine Säugetiere, also auch keine Menschen. Als eine Schlüsselart dieser Urtiere gilt Orobates pabsti. Ein Fossil des etwa einen Meter langen Pflanzenfressers wurde 1998 in Thüringen entdeckt.

Seitdem fragen sich Forscher: Wie hat sich dieses Urtier wohl bewegt? Wissenschaftler haben nun ein fast 300 Millionen Jahre altes Exemplar des Orobates pabsti als Computeranimation und als Roboter nachgebaut. Tests mit diesen Modellen zufolge konnte sich das frühe Wirbeltier bereits effektiv an Land fortbewegen. Der entscheidende Schritt zur Unabhängigkeit vom Wasser habe wohl einige Millionen Jahre früher als bisher angenommen stattgefunden, schließen die Forscher im Fachmagazin "Nature".

Das Team um John Nyakatura von der Humboldt-Universität zu Berlin und Kamilo Melo von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne (ETHL) hatte zunächst die Knochenreste von Orobates pabsti aus Thüringen analysiert. Die Daten wurden mit fossilen Fußspuren des Urtiers kombiniert und mit den Bewegungen heutiger Amphibien- und Reptilienarten verglichen.

Fotostrecke

10  Bilder
Urzeit-Roboter: Geschlängelt

"OroBot"

Aus der Analyse leiteten die Forscher eine digitale Variante des Urtiers ab. An ihm testeten sie für verschiedene potenzielle Bewegungsläufe, wie plausibel und effektiv diese sind.

Neben dem Computertier wurde zudem nach den errechneten Vorgaben in der Schweiz ein Roboter konstruiert, "OroBOT" genannt. Seine Fußstapfen gleichen denen des Urtiers vor fast 300 Millionen Jahren.

Mit seiner Kombination verschiedener Methoden sei der Ansatz der Studie sehr innovativ, sagt Jörg Fröbisch vom Museum für Naturkunde in Berlin, der selbst nicht an der Studie beteiligt war. Er bezweifelt allerdings, dass die Urzeittiere wirklich früher und dauerhaft dem Wasser entstiegen waren als bisher gedacht. Er vermutet, dass die Tiere zumindest ihre Eier weiterhin im Wasser ablegen mussten.

Im Video: Geheimnisse der Urzeit - Das Dino-Puzzle

koe/dpa

Mehr zum Thema


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.