Studie Stickoxidemissionen in Berlin wohl deutlich unterschätzt

Der Anteil von Stickoxiden in der Berliner Luft könnte deutlich höher sein als bisher angenommen, zeigt eine Studie von Potsdamer Forschern. Sie empfehlen, die Hochrechnungen anzupassen.

Stadtautobahn Berlin
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Die per Modellrechnung geschätzten Stickoxidemissionen in der Hauptstadt Berlin könnten einer Studie zufolge deutlich zu niedrig liegen. Es weise einiges darauf hin, dass die Emissionsfaktoren - also wie viel Stickoxide pro gefahrenem Kilometer tatsächlich ausgestoßen werden - neu berechnet werden sollten, sagten Forscher des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam.

Die Forschungsergebnisse sind auch deshalb brisant, weil die Grenzwerte für Stickoxide bereits mit den bisherigen Hochrechnungen in vielen deutschen Städten überschritten werden. Die EU hat Deutschland deshalb vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt.

Stickoxide stammen vor allem aus Dieselmotoren und Heizanlagen. Sie können Atemwege reizen und das Risiko für Herzbeschwerden erhöhen. Daher gibt es europaweit den Grenzwert von 200 Mikrogramm Stickstoffdioxid (NO2) pro Kubikmeter Luft pro Stunde, der nicht öfter als 18-mal pro Jahr überschritten werden darf. Zudem gilt ein Grenzwert von höchstens 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel.

Die Potsdamer Forscher monieren, dass bei der Festlegung der Emissionsfaktoren von einer ruhigen Fahrweise ausgegangen werde, die aber nicht immer der Realität entspreche. Auch die Durchmischung der ausgestoßenen Stickstoffoxide in unteren und oberen Luftschichten sei nur unzureichend erforscht. Das IASS ist eine vom Bund und vom Land Brandenburg geförderte Einrichtung, die zu Klimawandel und Nachhaltigkeit forscht.

Für die Studie, die in der Zeitschrift "Atmospheric Chemistry and Physics" erschien, verwendeten die Forscher Werte aus dem sogenannten Emissionsinventar: Deutschland erstellt darin nach international einheitlichen Vorgaben regelmäßig Emissionsberichte zu unterschiedlichen Treibhausgasen.

Die Emissionen, die zum Beispiel aus den Auspuffen aller Autos kommen, werden dabei anhand von Modellberechnungen flächendeckend geschätzt. Wirklich messen lässt dich die Belastung der Luft dagegen nur in unmittelbarer Umgebung von Messstationen.

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Die IASS-Forscher hatten festgestellt, dass die berechneten Werte deutlich niedriger lagen als die Werte, die tatsächlich an Messstationen gemessen werden. Sie untersuchten daraufhin, was die Ursachen für die Modell-Ungenauigkeiten sein könnten.

Demnach ließen sich realistischere Ergebnisse erzielen, wenn die Fahrweise und die Stickoxidbelastung in bodennahen Luftschichten stärker berücksichtigt würden. Diese Annahme wollen die Forscher nun durch weitere Untersuchungen absichern.

koe/AFP



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