Streit um Kraftstoffe: Forscher erteilen Bioenergie klare Absage

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Biotreibstoffe sind heftig umstritten: Kritiker warnen seit langem, dass die vermeintliche Öko-Energiequelle alles andere als umweltfreundlich ist. Jetzt senken Forscher erneut den Daumen: Der Kraftstoff vom Acker könne nicht entscheidend zur Energiewende in Deutschland beitragen.

Rapsfeld: Bis 2020 sollen etwa 10 Prozent des Treibstoffs aus Biomasse produziert werden. Zur Großansicht
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Rapsfeld: Bis 2020 sollen etwa 10 Prozent des Treibstoffs aus Biomasse produziert werden.

Hamburg - Treibstoffe wie Bioethanol, Biodiesel oder Biogas stehen seit Jahren in der Kritik: In Schwellenländern wie Brasilien werden Regenwälder gerodet, um Anbauflächen für Ölpflanzen zu schaffen. Zugleich steigen die Lebensmittelpreise, weil der Platz auf den Äckern knapp wird. Jetzt warnen Forscher auch die deutsche Bundesregierung vor den Folgen der Biospritproduktion. In einer Studie der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina kommen sie zu dem Schluss, dass Bioenergie keinen quantitativ wichtigen Beitrag zur Energiewende in Deutschland leisten kann.

Die rund 20 beteiligten Wissenschaftler kritisieren, dass der Anbau von Ölpflanzen in Deutschland wesentlich mehr Fläche verbrauche als andere regenerative Energiequellen. Auch weisen sie darauf hin, dass bei der Produktion von Biotreibstoffen klimaschädliche Gase entstehen und der Anbau der Pflanzen die Nährstoffbelastung der Böden und Gewässer fördert.

Bereits als der Biosprit E10 vergangenes Jahr eingeführt wurde, standen Biokraftstoffe in Deutschland in der Kritik, weil der Anbau von Ölpflanzen mit der Lebensmittelherstellung konkurriert. In diesem Zusammenhang bemängeln die Forscher auch einen Bericht des Weltklimarats IPCC von 2011. Die Zusammenfassung des Beitrags hinterlasse den Eindruck, dass Bioenergie weder klimaschädlich sei noch mengenmäßig limitiert werden müsse. Die Leopoldina-Forscher meinen jedoch, dass man Pflanzen für Bioenergie hierzulande nur anbauen sollte, wenn Nahrungsmittel- und Bioenergie-Produktion kombiniert werden könnten.

Der Bioökonomierat (BÖR), der die Bundesregierung berät, hat vor kurzem in einem Bericht erklärt, dass 23 Prozent der in Deutschland verbrauchten Energie im Jahr 2050 durch Bioenergie abgedeckt werden könnte, vornehmlich allerdings über Importe. Auch die Europäische Union will bis 2020 zehn Prozent des Treibstoffs für Transportzwecke aus erneuerbaren Energiequellen bereitstellen.

Die Leopoldina-Forscher sind skeptisch: Mit Ausnahme der Nutzung von biogenen Abfällen sei die Verwendung von Biomasse als Energiequelle in größerem Maßstab keine wirkliche Option für Deutschland. Vorrang sollten die Einsparung von Energie sowie die Verbesserung der Energieeffizienz haben.

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1. War doch klar..
dinghi 26.07.2012
- daß das nicht funktionieren kann: Ethanol-Kraftstoff: Studien dazu weisen einen Mehrverbrauch bei E85 von bis zu 30 % auf.Ursache ist die unterschiedliche benötigte Luftmasse für das stöchiometrische Verbrennungsluftverhältnis Lambda = 1. Während bei Super-Benzin ca. 14,7 kg Luft mit 1 kg Kraftstoff verbrannt werden können, sind es bei reinem Bioethanol nur ca. 9,0 kg Luft mit 1 kg Kraftstoff. In Liter umgerechnet ergibt sich ein theoretischer Mehrverbrauch von 42 % von E85 gegenüber Super-Benzin.[7] Da aber auch Sauerstoffgehalt, Oktanzahl (Klopffestigkeit) und Verdampfungswärme eine Rolle spielen, reduziert sich der Wert auf ca. 33 %. (http://de.wikipedia.org/wiki/Ethanol-Kraftstoff#E85) Es nutzt alles nichts: Die Antriebsart muß sich verändern. Der Zerknalltriebling, Bauart Otto, mit seinem jämmerlichen, thermischen Wirkungsgrad von maximal 38 % hat ausgedient. Daß bei einem Mehrverbrauch auch mehr Anbaufläche genutzt werden muß, ist nur logisch. Brasilien hat damit keine Probleme: Ethanol fuel in Brazil - Wikipedia, the free encyclopedia (http://en.wikipedia.org/wiki/Ethanol_fuel_in_Brazil) Da nutzt man das Zuckerrohr als Basis - oder Abfallstoffe.
2. Der Kaiser ist also jetzt offiziell nackt..
Olaf 26.07.2012
Zitat von sysopBiotreibstoffe sind heftig umstritten: Kritiker warnen seit langem, dass die vermeintliche Öko-Energiequelle alles andere als umweltfreundlich ist. Jetzt senken Forscher erneut den Daumen: Der Kraftstoff vom Acker könne nicht entscheidend zur Energiewende in Deutschland beitragen. Bioenergie kann in Deutschland nicht zur Energiewende beitragen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,846484,00.html)
Keine dieser Erkenntnisse ist neu, dass hat man alles schon vorher gewusst. Die Frage ist also eher: Warum lassen sich Menschen immer wieder gegen jede Vernunft von Ideologen blenden?
3.
grenzdebil 26.07.2012
Zitat von OlafKeine dieser Erkenntnisse ist neu, dass hat man alles schon vorher gewusst.
Jein. War nicht früher eher der Fakt, dass das Erdöl irgendwann einfach ALLE ist, das große Totschlagargument? Die Luftnummer mit dem Klimawandel und der CO2-Emission kam dann doch erst später, wenn ich mich recht entsinne. Biosprit wurde doch wohl entwickelt, um sich vom Öl autark zu machen, der Kontext in der Energiewende ist relativ neu, oder sehe ich da etwas falsch? Weil das Volk was zum Draufrumkauen braucht. Das gleiche passierte mit der "Solarenergie" und dem "Feinstaub" sowie mit "Umweltzonen" doch auch! Man muss sich allerdings die Frage stellen, inwieweit diese Studie wirklich zu gebrauchen ist. Zur Stormerzeugung Biosprit zu verwenden ist womöglich unsinnig, aber für Kraftfahrzeuge? Die Elektro-Technologie hat noch lange keine Marktreife, und Biosprit mag nicht optimal sein, aber er funktioniert eben.
4.
no-panic 26.07.2012
Zitat von grenzdebilVorrang sollten die Einsparung von Energie sowie die Verbesserung der Energieeffizienz haben.
Der letzte Satz sagt es deutlich: E-Mobilität ist noch nicht weit genug entwickelt und kann momentan nur Nischen besetzen. Öl verbrennen wird nicht mehr lange möglich sein und erzeugt zuviele Schadstoffe. Konsequenz kann doch nur sein, effektiver mit dem Brennstoff umzugehen und natürlich, auch wenn es vielen nicht gefallen wird, Energie einzusparen! Dazu muß der Individualverkehr eingeschränkt werden, das Angebot des ÖPNV muß ausgebaut und günstiger werden.
5. Für ein titelfreies SPON-Forum
SirTurbo 26.07.2012
Hochgradig lächerlich... Ok, Regenwald roden für Sprit für Europa ist ein Problem und keine Lösung... Aber wir in D besitzen eine Natur die nun wirklich haufenweise mehr produzieren kann als an Nahrung gebraucht wird. Was spricht dagegen den Rest der Fläche für Biosprit zu verwenden? Also ausser den Leuten die an PV und Co verdienen meine ich jetzt...
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