Panne Block 1 im Atomkraftwerk Fessenheim abgeschaltet

Das französische Kernkraftwerk Fessenheim an der deutschen Grenze meldet eine Panne. Ein Reaktorblock wurde abgeschaltet. Gefahr bestehe nicht, erklärt der Betreiber.

Atomkraftwerk Fessenheim
REUTERS

Atomkraftwerk Fessenheim


Im französischen Atomkraftwerk Fessenheim ist wegen einer Störung Block 1 abgeschaltet worden. Nach einer Mitteilung des Betreibers EDF vom Mittwoch an das Regierungspräsidium Freiburg gab es eine Störung im Kreislauf des nuklearen Anlagenbereichs.

Der Block wurde am Mittwoch um 18.30 Uhr abgeschaltet. Das habe keine Auswirkung auf die Sicherheit und die Umwelt, könne aber zur Freisetzung von nicht radioaktivem Wasserdampf führen, teilte der Energieversorger mit. Block 2 des Atomkraftwerks laufe weiter.

Fessenheim im südlichen Elsass ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. Es liegt direkt am Rhein an der Grenze zu Baden-Württemberg. Beim Stresstest für Atomanlagen 2012 sahen Fachleute unter anderem Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren.

Ein Gutachten stufte Fessenheim als "sicherheitstechnisch unzureichende Anlage" ein. Das Atomkraftwerk soll stillgelegt werden. Über den Zeitpunkt aber streiten deutsche und französische Politiker.

Die Zukunft des am Rheinkanal gelegenen Atomkraftwerks, dessen zwei Reaktoren 1977 ans Netz gingen, sorgt schon seit Jahren für Streit. Angeheizt wurde dies zuletzt durch Medienberichte in Deutschland über einen gravierenden Störfall im April 2014.

Den Berichten zufolge waren die Steuerstäbe zum Abschalten des Reaktors nach einer Überflutung in Block 1 nicht mehr manövrierfähig, sodass der Block durch die Einleitung von Bor ins Kühlsystem abgeschaltet werden musste. Der staatliche Stromkonzern EDF, der das AKW betreibt, soll den Vorfall heruntergespielt haben.

Streit ums AKW

Die französische Atomaufsichtsbehörde ASN hält den Zustand des Kraftwerks für "insgesamt zufriedenstellend". Zu einer Schließung aus Sicherheitsgründen gebe es "keinen Grund".

Frankreichs Präsident François Hollande hatte im Wahlkampf versprochen, das Atomkraftwerk in seiner bis zum Frühjahr 2017 laufenden Amtszeit abzuschalten. Als Präsident beteuerte er zunächst, das AKW werde bis Ende 2016 geschlossen.

Später rückte der Sozialist aber davon ab. Hintergrund sind massive Probleme beim Bau eines neuen Atomreaktors im nordfranzösischen Flamanville. Dieser hätte bereits 2012 ans Netz gehen sollen - inzwischen ist Ende 2018 angepeilt. Die französische Regierung macht ein Abschalten von Fessenheim von der Inbetriebnahme des neuen Reaktors in Flamanville abhängig.

Frankreich ist von der Atomkraft so abhängig wie kein anderes Land weltweit: Rund 75 Prozent des produzierten Stroms kommen aus Atomkraftwerken. Frankreich will diesen Anteil bis 2025 auf 50 Prozent senken und dazu erneuerbare Energien massiv ausbauen.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hatte jüngst erneut aus Sicherheitsbedenken die Stilllegung von Fessenheim gefordert. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) forderte an diesem Wochenende den französischen Präsidenten in einem Brief zur sofortigen Abschaltung der grenznahen Atomkraftwerke Fessenheim und Cattenom auf.

boj/dpa

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