Fukushima Brennstäbe sollen umgelagert werden

Die Brennstäbe im Reaktor 4 des zerstörten Kraftwerks Fukushima gelten als größte Gefahr auf dem Gelände. Nun hat Tepco die Erlaubnis bekommen, sie in ein anderes Becken umzulagern. Gleichzeitig will sich der Staat mehr Kontrolle über die Aufräumarbeiten sichern.

Brennstäbe im Abklingbecken des Reaktors 4 (August 2013): Bergung geplant
AP/dpa/Kyodo News

Brennstäbe im Abklingbecken des Reaktors 4 (August 2013): Bergung geplant


Im japanischen Katastrophen-AKW Fukushima sollen 1530 beschädigte Brennstäbe umgelagert werden. Der Betreiber Tepco habe grünes Licht für die Bergung der radioaktiven Brennstäbe erhalten, erklärte die zuständige Atomaufsichtsbehörde. Demnach sollen die Brennstäbe Mitte November mit einem Kran aus dem Abklingbecken des Reaktors 4 gehoben und in ein anderes Becken umgelagert werden.

Das Becken im Reaktor 4 liegt unbedeckt, seit eine Explosion am 15. März 2011 einen Teil der Außenwand des Gebäudes wegriss. Das Kraftwerk Fukushima war zuvor durch ein Erdbeben und einen Tsunami stark beschädigt worden, was zu mehreren Kernschmelzen führte.

Kritiker haben davor gewarnt, dass die Brennstäbe zu einer weiteren Katastrophe führen könnten - und verweisen auf die große Menge an radioaktivem Material. Walter Tromm vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) relativierte die Gefahr allerdings im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE: "Im Normalfall sind Brennstäbe nach drei Jahren, manchmal auch früher so weit abgekühlt, dass sie aus dem Abklingbecken geholt und trocken gelagert werden können", so der Experte für Kernreaktorsicherheit.

Dies dürfte inzwischen auf die meisten Brennelemente aus dem Abklingbecken zutreffen, so Tromm: Im Abklingbecken in Fukushima lagerten zwar mehrere Tonnen Spaltmaterial. "Das heißt aber nicht, dass diese Menge bei einem Unfall auch nur annähernd freigesetzt würde."

"Ein großer Schritt im Prozess"

Die Umlagerung der Brennstäbe sei "ein großer Schritt im Prozess zur Stilllegung des Reaktors", zitierte die Nachrichtenagentur Jiji den Beauftragten der Behörde, Toyoshi Fuketa. Tepco hatte bereits im Juli 2012 probehalber zwei Brennstäbe aus dem Kühlbecken entfernt.

Nach einem Reuters-Bericht will Japans Regierung dem überforderten Betreiber Tepco allerdings Befugnisse bei den Aufräumarbeiten in Fukushima entziehen. Die Nachrichtenagentur beruft sich auf "eine mit den Überlegungen vertraute Person". Demnach plädiert die Regierungspartei LDP dafür, die für die Stilllegung der beschädigten Reaktoren sowie für den Umgang mit verseuchtem Wasser zuständigen Teile des Energiekonzerns in einer eigenen Einheit zusammenzufassen.

Außerdem gebe es in einem Papier der Partei noch zwei weitere Szenarien: die komplette Ausgliederung der Bereiche oder deren Übergabe an eine der Regierung nahestehende, aber eigenständige Behörde. Die Vorschläge sollen bereits in der kommenden Woche Ministerpräsident Shinzo Abe vorgelegt werden. Es müsse zügig eine klare und realistische Lösung geben.

Tepco wurde vergangenes Jahr mit Steuermitteln gerettet und damit de facto verstaatlicht. Über die Frage, inwieweit die Regierung sich direkt in die Firma einmischen soll, wird in Japan aber kontrovers debattiert. Zu den Vorschlägen der Regierung wollte sich der Konzern zunächst nicht äußern. Tepco versucht seit zweieinhalb Jahren Herr der Lage in Fukushima zu werden, doch die Pannenserie am havarierten Atomkraftwerk reißt nicht ab.

chs/dpa/Reuters

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joachim_m. 30.10.2013
1. optional
Es lebe der Neoliberalismus; selbst wenn ein Kraftwerksbetreiber so einen Mist baut, wenn er mit Steuergeldern gerettet wird, weil er sonst pleite ist, eine Überführung in staatlichen Besitz kommt natürlich nicht in Frage. So verbohrt sind nur Ideologen und die Katastrophe dort, besser gesagt, die Katastrophe mit Namen: Rettungs- und Sicherungsmaßnahmen nach dem Unglück, ist schlicht ein Produkt neoliberaler Ideologie, denn sonst würde man notfalls viel Geld reinpumpen, damit sich der Schaden nicht immens vergrößert, aber das Geld muss ja wegen der Renditeerwartung der Aktionäre, die ohne Steuergelder längst nur wertloses bedrucktes Papier in den Händen hätten, eingespart werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Es müsst dort schon längst einige neue Gebäude geben, zum Beispiel neue Abklingbecken, Hallen mit Dächern, welche bestimmte Bereiche des Geländes überdachen, so dass wenigstens bei vorhersehbaren Taifunen nicht riesige kontaminierte Wassermassen entstehen und und und. Und was sehen wir tatsächlich: Tanks, die so schnell zusammengeschustert wurden, dass sie schon nach kurzer Zeit lecken, keine Vorrichtungen (Gebäude, Kanalisation), mit dem man Regenwasser auffangen kann, so dass es nicht kontaminiert wird und deshalb einfach in den Pazifik abgeleitet werden kann und und und. Das ganze ist eine Art: Vati hat gebastelt und die Japaner werden noch ihre helle Freude in Zukunft haben, wenn auch noch die Küste radioaktiv verseucht ist und das umliegende Land auch noch erheblich mehr kontaminiert ist. Aber es war alles schön billig. Übrigens, ohne schön billig hätte es diesen Supergau nie gegeben, denn dann hätte man unter anderem nicht völlig idiotisch die Notstromaggregate direkt ans Meer gebaut und statt das Gelände abzutragen dieses aufgeschüttet; aber das hätte ja höhere Baukosten und höhere Betriebskosten bedeutet. Wenn die Menschheit irgendetwas ausrotten wird, dann ist das der Neoliberalismus, der ohne Rücksicht auf Verluste ganze Landstriche für viele Jahrhunderte zerstört um die Renditeerwartungen nach oben zu bekommen.
panzertom 30.10.2013
2. Brennstäbe und Brennelemente
Meine Güte - ob SPON wohl in diesem Leben noch den Unterschied zwischen Brennstäben und Brennelementen begreift? Ein Tipp: Was man im Wasserbecken sieht und was der Kran anpackt, sind Brennelemente. Brennstäbe kommen in der Reaktor-Praxis gar nicht vor. Dazu müsste man nämlich ein Brennelement zerlegen, zersägen, zerstückeln. Das macht natürlich keiner. Außer SPON.
stabilobacter 30.10.2013
3. achtung fuer die jungs vor ort
Vom erten moment an gilt meine hochachtung dem ersonal vor ort. Auch wenn sie sich mehrfach ueberfoirdert gezeigt heben. Sie seten ihr eben ein. Mehr kann ein ensch von eionem ,deren nicht verlsangen! Aber die herren der geschaeftsfuehrung von tepco und den herren finanzies z.! Der deutschen landesbanken. MenschenverAchtendes verhalten! Asozial im wortsinne. Unfaehig, die. Tragweite ihres handelns zu ermesse geschweige zu verantworten. Werdas muster nicht wiedererkennt kann aus japan tscherenobyl und harriisburg nichts lernen. Und wer nicht lent sirbt. Leider wir mi ihnen DUmmgelaufen. Ihr stabilobacter
stabilobacter 30.10.2013
4. @panzertom
Wer so sehr im thema ist wie sie sollte sich uebr anderes aufregen: Wie kuehlt man einen rdioaktivne kernschmelzrest so dass kein zus. radioaktives wasser entsteht? Helfen statt laberen !! Wissende ran an den speck! Gruss stabilobacter
tylerdurdenvolland 30.10.2013
5. Klagelied
Zitat von joachim_m.Es lebe der Neoliberalismus; selbst wenn ein Kraftwerksbetreiber so einen Mist baut, wenn er mit Steuergeldern gerettet wird, weil er sonst pleite ist, eine Überführung in staatlichen Besitz kommt natürlich nicht in Frage. So verbohrt sind nur Ideologen und die Katastrophe dort, besser gesagt, die Katastrophe mit Namen: Rettungs- und Sicherungsmaßnahmen nach dem Unglück, ist schlicht ein Produkt neoliberaler Ideologie, denn sonst würde man notfalls viel Geld reinpumpen, damit sich der Schaden nicht immens vergrößert, aber das Geld muss ja wegen der Renditeerwartung der Aktionäre, die ohne Steuergelder längst nur wertloses bedrucktes Papier in den Händen hätten, eingespart werden. Um es auf den Punkt zu bringen: Es müsst dort schon längst einige neue Gebäude geben, zum Beispiel neue Abklingbecken, Hallen mit Dächern, welche bestimmte Bereiche des Geländes überdachen, so dass wenigstens bei vorhersehbaren Taifunen nicht riesige kontaminierte Wassermassen entstehen und und und. Und was sehen wir tatsächlich: Tanks, die so schnell zusammengeschustert wurden, dass sie schon nach kurzer Zeit lecken, keine Vorrichtungen (Gebäude, Kanalisation), mit dem man Regenwasser auffangen kann, so dass es nicht kontaminiert wird und deshalb einfach in den Pazifik abgeleitet werden kann und und und. Das ganze ist eine Art: Vati hat gebastelt und die Japaner werden noch ihre helle Freude in Zukunft haben, wenn auch noch die Küste radioaktiv verseucht ist und das umliegende Land auch noch erheblich mehr kontaminiert ist. Aber es war alles schön billig. Übrigens, ohne schön billig hätte es diesen Supergau nie gegeben, denn dann hätte man unter anderem nicht völlig idiotisch die Notstromaggregate direkt ans Meer gebaut und statt das Gelände abzutragen dieses aufgeschüttet; aber das hätte ja höhere Baukosten und höhere Betriebskosten bedeutet. Wenn die Menschheit irgendetwas ausrotten wird, dann ist das der Neoliberalismus, der ohne Rücksicht auf Verluste ganze Landstriche für viele Jahrhunderte zerstört um die Renditeerwartungen nach oben zu bekommen.
Mein Gott, welch ein anschwellender Bocksgesang.... Übersehen sie da nicht ein paar Kleinigkeiten? Diese Firmen tun das, WEIL SIE ES KÖNNEN! Meinen sie etwa das liefe in DE anders ab? Entscheiden tun solche Sachen ausnahmslos demokratisch, also von den Bürgern, gewählte Regierungen. Was wollen sie eigentlich?
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