737 Max 8 Flugschreiber abgestürzter Boeing sollen in Europa untersucht werden

Normalerweise werden Flugschreiber zur Untersuchung ins Herstellerland geschickt, im Fall der in Äthiopien verunglückten Boeing-Maschine wären das die USA. Doch die Airline teilte nun mit, das Gerät werde extra nach Europa gebracht.

Indonesische Boeing 737 Max 8 (Symbolbild)
REUTERS

Indonesische Boeing 737 Max 8 (Symbolbild)


Die Blackbox der am Sonntag nahe Adis Abeba abgestürzten Boeing737 Max 8 soll in einem europäischen Land untersucht werden.

Es werde "heute oder morgen" entschieden, in welches Land genau der Flugschreiber der Maschine zur Analyse gebracht werden solle. Dies sagte Asrat Begashaw, Sprecher der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines, am Mittwoch.

Die sogenannten Blackboxes zeichnen den Sprechfunk im Cockpit und alle Flugdaten auf, weswegen sie für die Klärung der Unglücksursache entscheidend sind.

Innerhalb von wenigen Monaten endeten zwei Flüge mit Maschinen des Typs Boeing 737 Max in der Katastrophe, 346 Menschen kamen ums Leben. Bereits Ende Oktober war in Indonesien ein Flugzeug gleichen Typs kurz nach dem Start abgestürzt, die Maschine flog im Auftrag der Linie Lion-Air.

Auch die fast fabrikneue Maschine der Fluglinie Ethiopian Airlines war nur wenige Minuten nach dem Abheben nahe Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba verunglückt. Die Ursache für den jüngsten Absturz am 10. März ist noch nicht geklärt.

Misstrauen gegenüber Boeing?

Für gewöhnlich werden die Flugschreiber nach einem Unglück in das Herstellerland geschickt, was in diesem Fall die USA wären. Die Entscheidung für ein europäisches Land könnte daher als Misstrauen gegenüber Boeing ausgelegt werden.

Der US-Luft- und Raumfahrtkonzern steht zunehmend in der Kritik, denn der Absturz am Sonntag mit 157 Toten ereignete sich nur fünf Monate nach einem ähnlichen Unglück in Indonesien.

In beiden Fällen war eine relativ neue Boeing 737 Max 8 im Einsatz, und es kam kurz nach dem Start im Steigflug zu einem Unglück. Bei dem indonesischen Crash vermuten die Experten, dass eine von Boeing für den Flugzeugtyp entwickelte Steuerungssoftware eine entscheidende Rolle gespielt haben könnte. Europa und weite Teilen Asiens haben den Flugzeugtyp nun mit einem Startverbot belegt.

Mindestens 200 der seit 2017 rund 350 ausgelieferten Maschinen stehen inzwischen am Boden.

stu/dpa/Reuters



insgesamt 40 Beiträge
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zardoz77 13.03.2019
1. Usus
Bei der Doku-Serie "Mayday-Alarm im Cockpit" wurde schon oft gesagt, dass bei einem Boeing-Absturz dann Airbus-Techniker mituntersuchen und umgekehrt. Ich denke das ist daher eher Usus. Ob es üblich ist, die gesamte Untersuchung in ein anderes Land zu verlegen, weiß ich jedoch nicht.
testuser2 13.03.2019
2. Nicht Deutschland oder Frankreich
Möglichst ein Land, das nicht so leicht mit Airbus-Interessen in Verbindung gebracht wird. Das sollte alles eigentlich keine Rolle spielen, tut es aber. Da spielen Emotionen und Mechanismen der sozialen Medien, in denen sich Meinungen wie sonstwas hochschaukeln, eine große Rolle. Leider wird das alles auch mit Wahlkampf für und gegen Trump vermengt.
Actionscript 13.03.2019
3. Die FAA hat keine vom Senat ernannte Führungsperson.
Der jetzige Chef ist ein amtierender. Die Trump Regierung hat das versäumt. Obwohl amerikanische Piloten von ähnlichen Problemen mit der Boing in den USA berichtet haben, sieht die FAA kein Problem. Nun, Trump und das Boing Management spielen Golf zusammen.
Atheist_Crusader 13.03.2019
4.
"in einem europäischen Land" sagt noch nicht aus wer genau die Untersuchungen vornimmt. Könnte genausogut sein, dass das eben eine Boeing-Niederlassung in Europa übernimmt. In dem Fall hätte das Ganze wenig AUssagekraft weil es halt immer noch der gleiche Konzern ist. Interessant zu wissen wäre auch wer die Entscheidung getroffen hat und inwieweit sich das von der Standardprozedur unterscheidet.
heissSPOrN 13.03.2019
5.
"Die Entscheidung für ein europäisches Land könnte daher als Misstrauen gegenüber Boeing ausgelegt werden." Nicht nur gegenüber Boeing, sondern auch gegen die dortigen Aufsichtsbehörde, also die FAA.
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