Neue Panne beim Dreamliner: "Horrorszenario für Piloten"

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Boeing 787: Die Pannenserie des Dreamliners Fotos
REUTERS

Für Boeing ist es eine neue schwere Panne beim Prestigeflieger Dreamliner: In Japan waren bei drei Jets die Feuerlöschanlagen der Triebwerke falsch verkabelt. Bei einem Brand hätte der Fehler eine fatale Kettenreaktion auslösen können.

Tokio - Die Pannenserie der Boeing 787 scheint kein Ende zu nehmen. Immer wieder offenbarte das neue Prestigemodell des US-Flugzeugherstellers zahlreiche kleinere und größere technische Schwächen. Der negative Höhepunkt war Anfang des Jahres erreicht, als die Dreamliner-Flotte weltweit wegen brandgefährlicher Batterien am Boden bleiben musste. Zuletzt stand eine 787 auf dem Londoner Flughafen Heathrow aus einem anderen Grund in Flammen.

Jetzt ist ein neuer Fehler aufgetaucht, der durchaus zu einer Katastrophe hätte führen können. Die japanische Fluggesellschaft All Nippon Airways (ANA) hat nach eigenen Angaben entdeckt, dass die Feuerlöschsysteme an den Triebwerken von drei Dreamlinern falsch verkabelt waren. Wäre ein Triebwerk während des Flugs in Brand geraten, hätte der Fehler demnach dazu geführt, dass das Löschsystem des noch intakten Triebwerks angesprungen wäre. Auf diese Weise wäre nicht nur der Brand ungelöscht geblieben, auch das intakte Triebwerk wäre ausgefallen.

Der Fehler wurde laut ANA in einem Dreamliner entdeckt, der von Tokio nach Frankfurt hätte fliegen sollen. Das Flugzeug sei nach der Behebung des Fehlers mit zweistündiger Verspätung gestartet. Anschließend habe die Fluggesellschaft alle 19 weiteren Dreamliner in ihrer Flotte überprüft und ähnliche Fehler in zwei weiteren Maschinen gefunden, sagte eine Firmensprecherin.

Die Nachricht alarmierte auch andere Fluggesellschaften. Japan Airlines ließ eine Boeing 787, die bereits nach Helsinki unterwegs war, prompt nach Tokio zurückkehren, um eine Inspektion vorzunehmen. Laut einem Bericht von "Flightglobal.com" hat Japan Airlines sieben seiner zehn Dreamliner überprüft, aber keine falschen Verkabelungen gefunden.

"In höchstem Maße kritisch"

Eine Triebwerksfeuerlöschanlage dient dazu, den Brandherd von den Flugzeugsystemen fernzuhalten. Wird sie aktiviert, werden Hydraulik-, Treibstoff- und Ölversorgung für das betroffene Triebwerk unterbrochen. Außerdem wird eventuell, je nach Brandzone, der Triebwerksgenerator abgeschaltet. Anschließend strömt das Löschgas Halon durch eine Rohrleitung und wird durch mehrere Düsen in den vorderen Bereich des Triebwerks gesprüht.

Hartmut Fricke, Professor am Institut für Luftfahrt und Logistik der TU Dresden, nannte die Falschverkabelung "im höchsten Maße kritisch". Sollte im Falle eines Brands das falsche von zwei Triebwerken gelöscht und damit stillgelegt werden, könnte das je nach Flugsituation dramatische Folgen haben. "Dann ist vom harmlosen Zwischenfall bis zum Absturz alles denkbar", so Fricke.

Im besten Fall befindet sich das Flugzeug auf Reiseflughöhe. Wird bei einem Brand zunächst die Löschanlage im intakten Triebwerk ausgelöst, könnte die Crew anschließend auch das brennende löschen, im kontrollierten Sinkflug Geschwindigkeit aufnehmen und dann das nicht vom Feuer betroffene Triebwerk wieder starten. Besatzung und Passagiere würden dann mit dem Schrecken davonkommen, da ein Dreamliner auch mit einem Triebwerk sicher landen kann.

Völlig anders sieht es aber beispielsweise beim Start aus, betont Fricke. Gerate in einer solchen Situation ein Triebwerk in Brand und das falsche werde stillgelegt, müsse die Besatzung notfalls mit dem brennenden Triebwerk weiterfliegen. "Wenn ich den Schub brauche, um zum Ausweichen von Hindernissen Höhe zu gewinnen, muss ich ihn holen, wo immer ich ihn herbekomme", erklärt Fricke. "Da hat man gar keine andere Wahl." In jedem Fall aber sei die Auslösung der falschen Löschanlage ein "Horrorszenario für Piloten".

Boeing betonte dagegen, dass die falsche Verkabelung "keine unmittelbaren Auswirkungen" auf die Flugsicherheit habe: Das Löschgas sei nicht die einzige Möglichkeit zur Bekämpfung eines Brandes; die Aktivierung des Systems führe deshalb nicht zwangsläufig zu einer Stilllegung des Triebwerks. Dennoch werde man das Problem sofort angehen: "Falsch konfigurierte Komponenten", teilte Boeing mit, "sind nicht akzeptabel."

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insgesamt 72 Beiträge
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1. "dreamt" schön weiter...
eknoes 15.08.2013
Zitat von sysopIn Japan waren bei drei Jets die Feuerlöschanlagen der Triebwerke falsch verkabelt. Bei einem Brand hätte der Fehler eine fatale Kettenreaktion auslösen können. Boeing 787: Feuerlöscher in Dreamliner-Triebwerken falsch verkabelt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/boeing-787-feuerloescher-in-dreamliner-triebwerken-falsch-verkabelt-a-916712.html)
Da bekommt die Namensgebung "Dreamliner" gleich eine völlig neue Bedeutung...
2. das ist eigentlich keine Panne...
andimey3 15.08.2013
...sondern ein Herstellungsfehler. Langsam muss wohl der gesamte Produktionsprozess bei Boeing auf den Prüfstand. Der Dreamliner wird langsam zum Nightmareliner.
3. Dreamliner?
noalk 15.08.2013
Nightmareliner
4.
mesopotamien00 15.08.2013
Kommt davon ,wenn die Chinesen immer mehr innovativer und hochwertige Material nutzen ,während die Amis aus Kostengründe zu den -alt-Chinesen -Zeug zugreifen ... Mich wundert garnixXx mehr
5. Ami-Qualität?
khid 15.08.2013
Bei einer Häufung solcher Berichte über ¨Pannen¨ am Dreamliner, kann ich mir gut vorstellen, im Falle dessen, dass ich in so ein Ding auf einen Interkontinentalflug einsteigen soll, dass ich den Flug glatt verweigere! Wie es den Anschein hat, hat Boeing gravierende Qualitätsprobleme in der Produktion - und offenbar wohl auch bei der Konstruktion! Für mich persönlich scheint der Dreamliner eine tickende Zeitbombe zu sein, die erst dann aus dem aktiven Verkehr gezogen wird, wenn so ein Ding vom Himmel fällt! Ich möchte mir nicht ausmalen, was für Fehler noch in dem Flugzeug stecken, wenn es bereits zu Akkubränden, gerissenen Frontscheiben, fehlerhafter Verkabelung am Feuerlöschsystem, etc. gekommen ist! Was, wenn die Verbundwerkstoffe nicht mit dem richtigen Klebstoff oder dessen zu wenig/ungleichmäßig verklebt wurden? Fällt dann während des Fluges so ein Flugzeug irgendwann einfach auseinander? Mein Vertrauen in Boeing ist jedenfalls massiv beschädigt. Allerdings sehe ich meine (Vor-)Urteile über amerikanische ¨Qualitätsarbeit¨ leider wieder einmal bestätigt.... Warum soll für Flugzeuge aus den U.S.A. nicht das Gleiche gelten, wie für Autos?
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