Bombenfunde Was Luftfracht zum Sicherheitsrisiko macht

Berlin macht Druck: Mit einem Fünfpunkteplan will Innenminister de Maizière den Luftfrachtverkehr sicherer machen. Schon am Montag soll es darüber Beratungen auf EU-Ebene geben. Wo sind die größten Lücken? Und wie können sie geschlossen werden? Eine Übersicht.

Luftfrachtverladung in Köln: Wie kann die Sicherheit verbessert werden?
AP

Luftfrachtverladung in Köln: Wie kann die Sicherheit verbessert werden?

Von Magdalena Hamm


Hamburg/Berlin - Die Bundesregierung drängt auf schärfere Regelungen zur Verbesserung der Luftfrachtkontrolle. Nach Informationen des SPIEGEL erwägen Bundesverkehrs- und Bundesinnenministerium offenbar schwarze Listen für Flughäfen, auf denen nicht nach westlichen Standards kontrolliert wird. Sendungen von diesen Airports sollen dann besser untersucht werden. Dies geht aus einem Fünfpunkteplan hervor, den Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) den Innenministern der EU vorlegen will. "Für unsichere Flughäfen sollte man schwarze Listen anlegen", betonte auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU).

Zu Wochenbeginn waren in Griechenland insgesamt 13 Briefbomben entdeckt worden, die an mehrere EU-Regierungschefs sowie diplomatische Vertretungen adressiert waren. Im Gegensatz zu den beiden Paketbomben aus dem Jemen, die dem Terrornetzwerk al-Qaida zugerechnet werden, sollen die Griechenland-Bomben von Linksextremisten stammen.

Ramsauer sagte: "Falls Gesetzesänderungen oder Ergänzungen notwendig sind, würden wir diese schnellstmöglich vornehmen." Eigentlich sollte erst im Sommer 2011 eine Neufassung des Luftsicherheitsgesetzes ins Parlament eingebracht werden. Doch nun erwägt die Koalition, Teile des Gesetzes noch bis Ende dieses Jahres zu ändern. Bundesinnenministerium und Bundesverkehrsministerium verwiesen allerdings übereinstimmend auf eine Arbeitsgruppe der beiden Ministerien, die mit den Sicherheitsfragen befasst ist. Derzeit sei noch unklar, ob und welcher Änderungsbedarf sich aus den Beratungen ergebe. Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums sind zudem die meisten Regelungen im Bereich der Luftfracht im Luftverkehrsgesetz geregelt.

Auf EU-Ebene kündigte de Maizière bereits jetzt einen Fünfpunkteplan zur schnellen Verbesserung der Sicherheit im Frachtflugverkehr an. Der Katalog sieht folgende Schritte vor:

  • Abgestimmte Sofortmaßnahmen auf europäischer Ebene
  • Die Zuständigkeiten für die Bereiche Sicherheit und Gefahrenabwehr müssen auch auf europäischer Ebene in eine Hand gegeben werden
  • EU-abgestimmte Bewertung der Sicherheit von Flughäfen in Drittstaaten inklusive einer Überprüfung vor Ort
  • Bessere Kontrolle von Luftfracht insbesondere aus unsicheren Drittstaaten
  • Ein Raster, mit dessen Hilfe verdächtige Sendungen anhand von Frachtlisten herausgefiltert werden können

Auf Initiative Deutschlands soll sich der Rat der EU-Innenminister, der am Montag und Dienstag in Brüssel tagt, dem Thema annehmen. Noch im Dezember soll nach de Maizières Worten eine Arbeitsgruppe der EU-Innen- und Verkehrsminister Vorschläge unterbreiten.

Als wichtigste Maßnahme des Fünfpunkteplans nannte de Maizière das Raster, "mit dessen Hilfe verdächtige Sendungen anhand von Frachtlisten herausgefiltert werden können". Wenn zum Beispiel eine jüdische Gemeinde in Chicago gebrauchte Kopierer aus dem Jemen erhalten solle, "dann ist das ungewöhnlich und muss kontrolliert werden", sagte er.

Was muss sich bei den Sicherheits-Checks konkret ändern? Wo klaffen die größten Lücken im System? Und was kostet ein Mehr an Kontrolle?

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
Montanabear 06.11.2010
1. Bombenfunde
Zitat von sysopBerlin macht Druck: Mit einem Fünf-Punkte-Plan will Innenminister de Mazière den Luftfrachtverkehr*sicherer machen. Schon am Montag soll es darüber Beratungen*auf EU-Ebene*geben. Wo sind die größten Lücken? Und wie können sie geschlossen werden? Eine Übersicht. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,727090,00.html
Man fragt sich, warum es so lange gedauert hat, bis diese Lücke geschlossen wurde. Man wusste doch seit 2001 davon.
titule 06.11.2010
2. -
---Zitat von Artikel--- Nur Fracht bis zur Größe einer Europalette kann mit Röntgengeräte auf Sprengstoff untersucht werden. Schwierigkeiten machen größere Sendungen wie etwa tonnenschwere Maschinenbauteile. Sie passen nicht in die Durchleuchter. "Ganze Paletten oder Container können bis heute nicht in einem Arbeitsgang gescannt werden", sagte Giovanni Bisignani, Generalsekretär des internationalen Luftfahrtverbands IATA. ---Zitatende--- Ich kenne Röntgengeräte, in die ganze Sattelschlepper passen - am Flughafen Bangkok gibt es so was. In Häfen werden meines Wissens auch ganze Container geröntgt. Aber seit wann findet man Sprengstoff durch röntgen?
räbbi 06.11.2010
3. .
Es wäre so lustig, wenn es nicht so traurig wäre....seit 2001 is nix passiert, aber jetzt bricht der Aktionismus aus... Ich bin kein Chemiker (vielleicht kann hier einer was genauere sagen), aber diese Paketbombe basierte angeblich auf PETN. Wikipedia sagt mir dass dieses geruchlose Zauberpulver PETN bereits um 1900 (mit den damals sicherlich vergleichsweise bescheidenen Mitteln) entwickelt wurde und massenweise produziert wird. Sprich jeder halbwegs begabte Chemiker mit ein bisschen Hass auf die Welt und einem brauchbaren Labor sollte das Zeugs heute eigentlich herstellen können. ...und aus nem Handy und paar Drähten einen Zünder bauen wird er auch noch schaffen...falls nicht kennt er vielleicht noch einen frustrierten Elektroniker. ...und jetzt kommt die Regierung und will Päckchen durchleuchten und böse Flughäfen sperren...OK, alles klar. Fühl mich sofort bombensicher... ;)
Nebhrid 06.11.2010
4. #
Die Lücke ist noch lange nicht geschlossen.
harald_töpfer 06.11.2010
5. Ablenkungsmanöver?
Zitat von räbbiEs wäre so lustig, wenn es nicht so traurig wäre....seit 2001 is nix passiert, aber jetzt bricht der Aktionismus aus... Ich bin kein Chemiker (vielleicht kann hier einer was genauere sagen), aber diese Paketbombe basierte angeblich auf PETN. Wikipedia sagt mir dass dieses geruchlose Zauberpulver PETN bereits um 1900 (mit den damals sicherlich vergleichsweise bescheidenen Mitteln) entwickelt wurde und massenweise produziert wird. Sprich jeder halbwegs begabte Chemiker mit ein bisschen Hass auf die Welt und einem brauchbaren Labor sollte das Zeugs heute eigentlich herstellen können. ...und aus nem Handy und paar Drähten einen Zünder bauen wird er auch noch schaffen...falls nicht kennt er vielleicht noch einen frustrierten Elektroniker. ...und jetzt kommt die Regierung und will Päckchen durchleuchten und böse Flughäfen sperren...OK, alles klar. Fühl mich sofort bombensicher... ;)
Man könnte mal darüber nachdenken, ob das nicht (nur) ein Ablenkungsmanöver für die Einschränkung eines weiteren Rechts ist.
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