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Britische Atomanlage: Erhöhte Strahlung in Sellafield gemessen

Atomkomplex Sellafield (Archivbild): Radioaktivitätswerte über den natürlich auftretenden Zur Großansicht
AFP

Atomkomplex Sellafield (Archivbild): Radioaktivitätswerte über den natürlich auftretenden

Die Werte sind auffällig, aber laut Betreiber nicht alarmierend: Wegen erhöhter Radioaktivität sind in der Atomanlage im englischen Sellafield derzeit nur die wichtigsten Mitarbeiter im Einsatz. Der Betrieb soll aber weiterlaufen.

London - Wegen erhöhter Werte von Radioaktivität sind Mitarbeiter der Wiederaufbereitungsanlage im englischen Sellafield zum Zuhausebleiben aufgefordert worden. Das Werk laufe weiter im normalen Betrieb, allerdings nur mit den wichtigsten Mitarbeitern, teilte der Betreiber am Freitag mit. Die Radioaktivitätswerte lägen über den natürlich auftretenden, seien jedoch weit unter denen, bei denen Mitarbeiter reagieren müssten. Tests hätten zudem gezeigt, dass alle Anlagen korrekt und normal liefen. Die Entscheidung sei "konservativ und vorsichtig".

Die Anlage in Sellafield wird zur Lagerung nuklearer Abfälle und zur Wiederaufbereitung benutzter Brennelemente verwendet. Sie ist der älteste und größte Atomkomplex in Europa und wird auch von deutschen Kraftwerksbetreibern zur Wiederaufbereitung benutzter Brennstäbe verwendet. Auf dem Gelände befinden sich noch etliche Castoren mit hochradioaktivem Abfall, die zurück nach Deutschland transportiert werden sollen.

Zuletzt wegen Wintereinbruchs abgeschaltet

Im vergangenen März musste der Betrieb der Atomanlage im Nordwesten Englands vorübergehend ausgesetzt werden, weil Sturmböen und Schnee die Sicherheit der Mitarbeiter gefährdeten. "Sellafield besteht aus mehr als 1300 Gebäuden, und wenn die Anlage in Betrieb ist, gleicht sie einer kleinen Stadt - mit mehr als 10.000 Leuten, die dort arbeiten und sich auf dem Gelände bewegen", erklärt der Betreiber damals.

Wegen der Sturmböen, des starken Schneefalls und der Tatsache, dass viele Straßen bereits gesperrt seien, sei es für die Arbeiter schlicht nicht sicher genug. Also versetzte der Betreiber die Atomanlage als Vorsichtsmaßnahme in "einen kontrollierten Abschaltungszustand" und schickte die Beschäftigten der Wiederaufbereitungsanlage und Einrichtungen zu Lagerung von Atommüll nach Hause. Eine Gefahr für die Sicherheit der Anlage habe auch im März 2013 nicht bestanden.

che/dpa/Reuters

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insgesamt 58 Beiträge
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1. Zerfall
N-Zyan 31.01.2014
Wie alt sind die Reaktoren eigentlich? Die heftige Strahlung im Reaktorkern lässt das Material sehr viel stärker altern. Also wird das Risiko einer Undichtigkeit mit steigendem Alter immer höher. Aber man reitet den Goldesel natürlich bis er zusammenbricht. Soweit klar.
2.
mhampel 31.01.2014
Eine Gefahr für die Sicherheit der Anlage hat es in Sellafield noch nie gegeben. So auch nicht am 10.10.1957: http://de.wikipedia.org/wiki/Windscale-Brand "Die Bevölkerung wurde jedoch erst am Tag nach dem Ende des Brandes gewarnt, die Milch von 17 umliegenden Farmen eingesammelt und in die Irische See verklappt." Und wenn wieder was passiert, dann wird der Ort halt noch mal umbenannt.
3. Jojo
Shoxus 31.01.2014
die Atomkraft ist ja so sicher und Umweltbewusst. Das ich nicht lache.
4. N-Zyan Reaktor?
boatman55 31.01.2014
Ich glaube siehaben hier etwas falsch verstanden. es handelt sich hier nicht um ein Atomkraftwerk mit 'Reaktorkern', sondern um eine Aufarbeitungsanlage. Zwei grundverschiedene Dinge.
5. Hoffentlich
mjrot 31.01.2014
ist das nicht wieder eine dieser "es gibt überhaupt nichts zu sehen" oder "keiner hat vor eine Mauer zu bauen" Routinen.
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Fotostrecke
Simulation: So könnte eine Nuklearkatastrophe aussehen

Kernreaktoren
Thermischer Reaktor
In einem Kernreaktor kommt die Kettenreaktion durch Neutronen zustande, die bei der Kernspaltung entstehen und ihrerseits weitere Urankerne spalten. Dazu müssen sie allerdings abgebremst werden. Dazu ist ein sogenannter Moderator notwendig, bei dem es sich in den meisten thermischen Reaktoren um gewöhnliches Wasser handelt, manchmal auch um sogenanntes schweres Wasser oder Grafit.
Brutreaktor
In Brutreaktoren wird ein Gemisch von Uran- und Plutoniumoxid, der sogenannte Mox-Brennstoff, verwendet. Natürliches Uranerz besteht nur zu 0,7 Prozent aus dem spaltbaren Isotop Uran-235, den Rest macht das nicht spaltbaren Uran-238 aus. In einem Brutreaktor wird aber Uran-238 zu Plutonium-239 umgewandelt. In Wiederaufbereitungsanlagen kann das Plutonium abgetrennt und dann als Kernbrennstoff wiederverwendet werden. Auf diese Weise gewinnen Brutreaktoren aus dem vorhandenen Uran in etwa 30 Mal mehr Energie als Leichtwasserreaktoren.

Zur Kernspaltung werden nicht abgebremste, sondern schnelle Neutronen verwendet, weshalb auch vom "schnellen Reaktor" die Rede ist. Da sie allerdings mit geringerer Wahrscheinlichkeit neue Kernspaltungen auslösen, muss das Spaltmaterial im Vergleich zum thermischen Reaktor höher konzentriert werden - was wiederum dazu führt, dass es im Inneren von Brutreaktoren heißer wird als etwa in Leichtwasserreaktoren. Deshalb wird als Kühlmittel auch nicht Wasser, sondern in der Regel flüssiges Natrium verwendet.

Dies führt gemeinsam mit der enorm hohen Giftigkeit von Plutonium zu großen Bedenken hinsichtlich der Sicherheit von Brutreaktoren. Hinzu kommt das zusätzliche Risiko der Transporte von strahlendem Material zwischen den Schnellen Brütern, Aufbereitungsanlagen und thermischen Reaktoren.
Uran und Plutonium in Atomwaffen
Bei einer Uranbombe, wie sie die Amerikaner im Zweiten Weltkrieg über Hiroshima gezündet haben, reichte es bereits, eine Halbkugel des spaltbaren Materials auf einen Dorn zu schießen, die zusammen die kritische Masse für eine Atomexplosion erreichten. Mit Plutonium aber funktioniert dieses sogenannte Kanonenprinzip nicht.

Terroristen müssten stattdessen zum technisch weit anspruchsvolleren Implosionsprinzip greifen: Um eine Kugel aus spaltbarem Material sind mehrere Schichten Sprengstoff angeordnet. Die Explosionsenergie komprimiert das Plutonium so stark, dass die erforderliche Dichte erreicht und die Kettenreaktion eingeleitet wird.

Ob Plutoniumdioxid aus einem Kernreaktor für eine solche Bombe geeignet wäre, hängt von mehreren Faktoren ab. "Für die Qualität für die Waffennutzung ist es zum Beispiel wichtig, wie lange der Brennstoff im Reaktor war", sagt der deutsche Atomexperte Egbert Kankeleit. Im Grunde müssten die Terroristen in der Lage sein, das Pulver in Plutoniummetall umzuwandeln. "Wer die entsprechenden chemischen Kenntnisse hat, kann das schaffen." Die größere technische Hürde sieht Kankeleit in der Konstruktion einer Implosionsbombe. "Aber wenn man Hilfe von der richtigen Seite bekommt, etwa aus Pakistan, wäre auch das kein Problem.

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