Britische Marine Atom-U-Boot läuft vor Schottland auf Grund

Die "HMS Astute" ist das neueste und größte Atom-U-Boot der britischen Marine - jetzt ist es vor der Isle of Skye auf Grund gelaufen. Laut dem britischen Verteidigungsministerium hat es weder Verletzte noch einen nuklearen Unfall gegeben.


London - Ein U-Boot der britischen Marine, das mit Kernenergie betrieben wird, ist vor der Küste Schottlands auf Grund gelaufen. Das gab das britische Verteidigungsministerium bekannt. Man "berate die Lage", hieß es. "Dies ist kein Atomunfall", erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Weder habe es Verletzte gegeben, noch sei Wasser ins Boot eingedrungen. Das U-Boot sei "wasserdicht". Hinweise auf Umweltschäden gebe es nicht. An Bord seien auch keine Raketen.

Bei dem Boot handelte es sich um die "HMS Astute". Der BBC zufolge ist es das neueste und größte Atom-U-Boot der britischen Marine. Atom-U-Boote beziehen ihre Energie aus einem oder mehreren kleineren Kernreaktoren. Das Boot liege vor der Isle of Skye. Es habe Probleme in felsigen Gefilden gehabt, berichtet die Küstenwache. Offenbar setzte das Boot bei ablaufendem Wasser auf dem Grund auf.

Um 9.20 Uhr Mitteleuropäischer Zeit habe die Wache von dem Vorfall erfahren. Ein Rettungsboot sei zur Unfallstelle entsandt worden. Es sei versucht worden, das U-Boot freizuschleppen, berichtet ein Zeuge gegenüber der BBC. Ein Helikopter umfliege das Areal. Das U-Boot, das 98 Mann befördert, wartet laut "Telegraph" nun auf die Flut - und auf Schlepper, die es wieder ins offene Meer ziehen sollen. Laut Skynews hofft der Kommandant auf die Flut, die das U-Boot anheben soll. Die Küstenwache beobachtet das Geschehen. Ein Schlepper liege in der Nähe des U-Bootes. "Mit der Flut, so gegen 18 Uhr Ortszeit, sollte sich das Schiff bewegen", sagte ein Sprecher zur BBC.

"Brandneue Methode"

Der Unfall ereignete sich dem "Telegraph" zufolge nachdem die Mannschaft Seeleute auf der Isle of Skye abgesetzt hatte. "Als ich heute Morgen aufwachte, sah ich aus dem Fenster und erblickte ein U-Boot", zitiert die BBC einen Augenzeugen. "Ich war sehr überrascht, wie nah es an Land gekommen war, wir haben doch gute Navigationsbojen hier", sagte der Mann. Die Sorge der Crew müsse sein, die Kühlung des Reaktors mit Meerwasser sicherzustellen, sagte ein U-Boot-Ingenieur zur BBC.

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Vor Schottland: Atom-U-Boot auf Grund gelaufen
Die "HMS Astute" gehört zur neuen U-Boot-Flotte Großbritanniens. Das Boot kann nach Angaben der BBC 38 Torpedos und Raketen befördern. Neben Kampfeinsätzen werde es zum Abhören eingesetzt: Das Boot soll feindliche Kommunikation abhören. Es sei so konstruiert, dass es von anderen Booten kaum geortet werden könne.

Das Boot war 2007 fertig geworden und kostete 3,5 Milliarden Pfund (rund 4 Milliarden Euro). Es wiegt 7800 Tonnen und ist fast hundert Meter lang. Nach Angaben des Senders BBC soll es erst im kommenden Jahr im regulären Dienst eingesetzt werden. Die Fahrt könnte ein Test dafür gewesen sein, hieß es.

Noch vor einem Monat hatte sich ein Marine-Kommandant der BBC gegenüber begeistert von dem Schiff gezeigt: "Wir haben eine brandneue Methode, mit der wir das U-Boot kontrollieren können", hatte der Kommandant verkündet.

Unfälle von Atom-U-Booten
Juli 1961: Riss im Reaktor-Rohr - acht Tote
An Bord des ersten atombetriebenen Atom-U-Boots der Sowjetunion tritt nach einem Riss in einem Rohr der beiden Reaktoren radioaktive Strahlung aus. Der Kapitän und sieben Besatzungsmitglieder kommen ums Leben.
März 1968: Gesunken im Pazifik
Ein dieselbetriebenes sowjetisches U-Boot der Golf-2-Klasse mit drei Atomraketen an Bord sinkt im Pazifik.
1968: Gesunken in der Barentssee - 90 Tote
In der Barentssee sinkt nach US-Geheimdienstinformationen ein atomgetriebenes U-Boot der Sowjets mit 90 Männern auf Patrouillenfahrt. Taucher stellen später fest, dass die Besatzung ihre 30 Tage reichenden Nahrungsmittelvorräte verbraucht hatte. Das genaue Datum des Unfalls ist nicht bekannt.
Mai 1968: Gesunken bei den Azoren - 99 Tote
Die Scorpion (USA) sinkt mit 99 Mann Besatzung südwestlich der Azoren im Atlantik. Ursache der Katastrophe soll eine durch Fehlschaltung ausgelöste Torpedoexplosion gewesen sein.
April 1970: Gesunken vor der spanischen Küste - 88 Tote
Ein sowjetisches Atom-U-Boot der November-Klasse mit 88 Mann Besatzung sinkt vor der spanischen Küste im Atlantik. Das U-Boot wurde mit zwei Atomreaktoren betrieben und hatte zwei Atomtorpedos an Bord.
Juli 1983: Gesunken vor Kamtschatka - 90 Tote
Vor Kamtschatka sinkt nach US-Angaben ein sowjetisches Atom-U-Boot der Charlie-I-Klasse mit 90 Seeleuten. Ein Leck in einem Abschussrohr soll die Unglücksursache gewesen sein.
Oktober 1986: Gesunken bei den Bermudas
Ein russisches Atom-U-Boot der Yankee-Klasse sinkt etwa 1000 Kilometer nordöstlich von Bermuda. Das U-Boot hatte 16 mit zwei Atomsprengköpfen bestückte Raketen und vermutlich zwei Atomtorpedos an Bord.
April 1989: Gesunken vor der norwegischen Küste - 42 Tote
Nach einem Feuer an Bord sinkt ein Sowjet-U-Boot der Mike-Klasse vor der Nordküste Norwegens, 42 Besatzungsmitglieder kommen uns Leben. Das U-Boot war mit zwei Atomtorpedos bestückt. Das Boot wird versiegelt, in den kommenden 20 Jahren soll kein Plutonium entweichen können.
März 1993: Zusammenstoß in der Barentssee
Ein russisches Atom-U-Boot der Delta-3-Klasse stößt in der Barentssee mit einem Atom-U-Boot der USA zusammen. Beide Atom-U-Boote können zu ihren Stützpunkten zurückkehren.
März 1994: Explosion - zehn Toten
Zwischen Toulon und Korsika explodiert auf dem französischen Atom-U-Boot Emeraude ein Turbogenerator, Dampf strömt aus. Zehn Besatzungsmitglieder sterben durch Verbrühung oder Erstickung.
August 2000: "Kursk"-Katastrophe - 118 Tote
Das russische Atom-U-Boot "Kursk" sinkt 80 Kilometer nordöstlich von Murmansk. Schuld ist vermutlich ein defekter Torpedo. 118 Menschen an Bord sterben, Rettungsversuche sind erfolglos.
Februar 2009: Zusammenstoß im Atlantik
Zwei Atom-U-Boote aus Frankreich und Großbritannien stoßen im Atlantik zusammen, werden schwer beschädigt

boj/Reuters/AP/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 91 Beiträge
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Seite 1
w.-d.w 22.10.2010
1. und in China
Zitat von sysopZwischenfall vor der schottischen Küste: Ein mit Nuklearenergie betriebenes U-Boot der britischen Marine ist auf Grund gelaufen. Offenbar liegt es vor der Isle of Skye. Laut dem britischen Verteidigungsministerium hat es aber weder Verletzte noch einen Atomunfall gegeben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,724690,00.html
ist ein Sack Reis umgefallen ...
Rübezahl 22.10.2010
2. A tom U- Boot
Da wird sich aber nicht nur die britische Asmiralität freuen. Dem Kommandanten dürfte wohl ein Anschiss sicher sein.
Thorfinn 22.10.2010
3. So
kann man natürlich auch gegen die Sparpläne der Regierung demonstrieren.
darkangel_ger 22.10.2010
4. omg...
mein reifen am auto ist kaputt. ich stehe am standstreifen und kann nicht mehr weiterfahren. benzin ist nicht ausgelaufen und auch kein öl. es muss nicht die feuerwehr kommen und auch nicht die autobahn geperrt werden. es steht auch morgen nicht in der bild zeitung aber vielleicht auf spiegel online...
orion4713 22.10.2010
5. .
Zitat von sysopZwischenfall vor der schottischen Küste: Ein mit Nuklearenergie betriebenes U-Boot der britischen Marine ist auf Grund gelaufen. Offenbar liegt es vor der Isle of Skye. Laut dem britischen Verteidigungsministerium hat es aber weder Verletzte noch einen Atomunfall gegeben. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,724690,00.html
her majesty ist not amused
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