Online-Vote Forschungsschiff soll "Boaty McBoatface" heißen

Großbritannien will ein neues Polarschiff für Forscher bauen - über Namensvorschläge durften Surfer online abstimmen. Gewonnen hat nun eine Einreichung, die eher als Witz gedacht war.

Computergrafik des noch zu bauenden Forschungsschiffs
AFP/ NERC

Computergrafik des noch zu bauenden Forschungsschiffs


200 Millionen Pfund soll es kosten - das neue Polarforschungsschiff Großbritanniens. Der zuständige Natural Environment Research Council hatte dazu aufgerufen, Namensvorschläge zu machen, über die auch online abgestimmt werden durfte.

Das Rennen machte schließlich "RRS Boaty McBoatface", ein lustig klingender Name, der aus einem Film von Monty Python stammen könnte. RRS steht für Royal Research Ship (Königliches Forschungsschiff). Boaty könnte man mit Bötchen übersetzen, hat aber durchaus noch andere Bedeutungen . McBoatface bedeutet so viel wie McBootsgesicht.

Mehr als 7000 Namensvorschläge waren beim Natural Environment Research Council eingegangen. Klarer Sieger mit fast 125.000 Stimmen wurde schließlich "RRS Boaty McBoatface". Es war nur einer von vielen spaßig gemeinten Schiffsnamen. Vorgeschlagen worden waren auch "RRS Its Bloody Cold Here" (Es ist arschkalt hier, 10.000 Votes) oder "RSS Usain Boat" - ein Sprachspiel mit dem Namen des Sprinters Usain Bolt (7000 Votes).

"Brillanter Name"

Die Idee, das Polarschiff "RRS Boaty McBoatface" zu nennen, kam von James Hand, einem Ex-Moderator der BBC. Hand hatte seine Einreichung damit begründet, dass bis zu diesem Zeitpunkt 90 Prozent aller Einreichungen witzig gewesen seien. "Ich dachte, dann mache ich auch einen Vorschlag und schaue was passiert." Später entschuldigte er sich, damit eine Kontroverse ausgelöst zu haben. Er glaube aber immer noch, dass es sich um einen "brillanten Namen" handle.

Es ist nicht das erste Mal, dass eine von Wissenschaftlern initiierte Namenswahl im Internet anders ausgeht, als diese sich das wohl vorgestellt hatten. Die US-Weltraumbehörde Nasa hatte 2009 nach einem Namen für ein Modul der Raumstation ISS gesucht. Bei der Abstimmung siegte "Colbert", der Name des Satirikers Stephen Colbert .

Letztes Wort hat Forschungsrat

Dieser hatte in seiner Show, damals noch auf Comedy Central, seine Anhänger dazu aufgerufen, für ihn zu stimmen, was diese auch fleißig taten. Der Fernsehmoderator, der sich seit Jahren als Parodie eines erzkonservativen Einpeitschers inszeniert, hatte erklärt: "Wenn Aliens auf die Erde kommen, werden sie es auf dem Weg dahin mit einem Hardcore-Patrioten zu tun bekommen."

Die Nasa musste schließlich die Astronautin Sunita Williams in Colberts Show schicken , die dort verkündete, dass man das Modul "Tranquility" (Ruhe) taufen werde. Zum Trost werde man aber das neue Laufband der ISS, auf dem Astronauten ihre in der Schwerelosigkeit schwindenden Muskeln trainieren, "Combined Operational Load-Bearing External Resistance Treadmill" - kurz Colbert nennen.

Komiker Stephen Colbert vor ISS-Modul

Komiker Stephen Colbert vor ISS-Modul

Der britische Natural Environment Research Council hat nun ein ähnliches Problem wie 2009 die Nasa. Immerhin hatte er aber vorab erklärt, dass die Abstimmung keinen bindenden Charakter habe und nur einen Vorschlag darstelle. Die letzte Entscheidung treffe der Wissenschaftsrat selbst. Man wolle alle Vorschläge sichten, hieß es und dann den Namen verkünden. 2019 soll das neue Forschungsschiff in See stechen.

hda

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