Berlin - Das niedersächsische Gorleben bleibt bei der Suche nach einem Endlager für Atommüll einer der Kandidaten. Bund und Länder haben bei der Frage, wie mit dem Salzstock umgegangen werden soll, noch keine Einigung gefunden, wie Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) am Donnerstag nach einem Treffen in Berlin sagte. Die Verhandlungsrunde einigte sich jedoch auf neue Wege der Bürgerbeteiligung bei der Endlagersuche. Ein Gesetzentwurf dafür sei zu 90 Prozent ausformuliert und solle noch vor der Sommerpause fertig sein, sagte Röttgen.
Bund und Länder wollen bis zum Sommer ein Endlagersuchgesetz erarbeiten, das die Prozedur der Suche festschreiben soll. Bis 2014 sollen mehrere Standorte festgelegt und in einem mehrjährigen Prozess erkundet werden. Die SPD schlägt vor, fünf Standorte in die engere Auswahl zu nehmen und anschließend die beiden besten Optionen unter Tage zu erkunden.
Strittig sind nun noch die Fragen:
Diese Punkte sollen noch im März bei einem weiteren Treffen geklärt werden. Kein Wort jedoch verlautete offiziell zu einem möglichen Stopp der Erkundungsarbeiten in Gorleben, bis eine Entscheidung gefallen ist.
Zumindest bei der bisher strittigen Frage der Bürgerbeteiligung sind die Gespräche laut Röttgen entscheidend vorangekommen. So soll es an möglichen Endlagerstandorten Informationsbüros für Bürger geben, wie die rheinland-pfälzische Energieministerin Eveline Lemke (Grüne) sagte. Vor Ort sollten regelmäßig Konferenzen mit Bürgern stattfinden.
Vor dem Treffen hatten einige Dutzend Umweltschützer vor dem Umweltministerium demonstriert und eine Liste mit mehr als 61.000 Unterschriften gegen den Standort Gorleben an das Ministerium überreicht. Jochen Stay von der Organisation "Ausgestrahlt" warnte die Politiker vor vorschnellen Entschlüssen. "Zeitdruck wird momentan über alles gestellt", sagte Stay. Wie aus Teilnehmerkreisen zu erfahren war, soll das Endlagergesetz möglichst vor der Sommerpause den Bundestag und den Bundesrat passieren.
Die Linke kritisierte, dass Gorleben weiter im Rennen bleibt. Jeder, der dies zulasse, sei "unbelehrbar, starrköpfig und verantwortungslos", sagte die energiepolitische Sprecherin im Bundestag, Dorothee Menzner. Die SPD-Expertin Ute Vogt kritisierte die Verhandlungsrunde wegen angeblicher Geheimabsprachen im Hinterzimmer: "Statt informeller Absprachen brauchen wir einen nationalen Dialog zur Endlagersuche."
Von Jens Twiehaus, dapd
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Wissenschaft | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Technik | RSS |
| alles zum Thema Atommüll-Endlager | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH