Bunkerknacker USA drohen Iran mit Superbombe

Ist es diplomatischer Bluff oder die ernsthafte Vorbereitung zu einem Krieg gegen Iran? Die US-Regierung beschleunigt die Entwicklung einer gewaltigen neuen Bombe, die Bunkeranlagen tief unter der Erde zerstören soll. Begründet wird der Schritt mit "dringendem Einsatzbedarf".

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Reuters

Washington - Der "Massive Ordnance Penetrator" (MOP) ist in jeder Hinsicht ein Monster: Mit einem Gewicht von knapp 14 Tonnen ist die Bunkerknacker-Bombe sechsmal so schwer wie das bisher größte Exemplar im Arsenal der USA, die GBU-28. In ihrem Innern befindet sich ein Gefechtskopf mit zweieinhalb Tonnen Sprengstoff, der - je nach dessen Festigkeit - bis zu 60 Meter dicken Stahlbeton pulverisieren soll. Bis zu 40 Meter tief, so die Zielvorgabe, kann die Bombe in mittelfesten Fels eindringen.

Das Programm zur Entwicklung der Superbombe mit der Bezeichnung GBU-57, die zu den stärksten nicht-nuklearen Waffen überhaupt gehört, ist nicht neu - es begann kurz nach dem Irak-Krieg. Im März 2007 wurde der MOP erfolgreich getestet. Doch eigentlich sollte die Waffe erst Mitte 2012 einsatzfähig sein. Jetzt hat die US-Regierung den Termin vorgezogen - und macht daraus kein Geheimnis.

Der MOP könne tief vergrabene "Einrichtungen feindlicher Staaten" zerstören, die dem Bau von Massenvernichtungswaffen dienten, sagte Pentagon-Sprecher Geoff Morrell am Mittwoch in Washington. Er wich der Frage aus, ob sich die Bombe gegen Staaten wie Iran oder Nordkorea richte, denen die US-Regierung die Entwicklung von Atomwaffen in unterirdischen Anlagen vorwirft. "Man kann nicht über die möglichen Ziele dieser Bombe spekulieren", sagte Morrell.

Kaum verhüllte Drohung an Teheran

Doch seine Worte dürften als eindeutige Drohung vor allem an Iran zu verstehen sein - insbesondere angesichts des Wortlauts, mit dem das Pentagon den US-Kongress um Genehmigung bat, Mittel aus anderen Projekten in die Entwicklung des MOP umzuleiten. Das Verteidigungsministerium habe einen "dringenden operativen Bedarf, harte und tief vergrabene Ziele angreifen zu können", heißt es zur Begründung in dem Papier.

Darüber hinaus verlangt das Pentagon in dem Schreiben auch zusätzliche Mittel, um B-2-Bomber so anzupassen, dass sie die gewaltige Bunkerknacker-Bombe transportieren können. Bei einem Angriff auf iranische Nuklearanlagen wären die Tarnkappen-Bomber mit großer Wahrscheinlichkeit an vorderster Front im Einsatz. In dem Pentagon-Dokument heißt es auch, dass die Anfrage vom Pacific Command und vom Central Command des US-Militärs unterstützt worden sei. Ersteres ist unter anderem für Nordkorea, letzteres für Iran zuständig.

Insgesamt will das Pentagon rund 68 Millionen Dollar zusätzlich für das MOP-Programm ausgeben: 28 Millionen für die schnellere Entwicklung der Bombe, 19 Millionen für den Bau von vier Exemplaren und weitere 21 Millionen für die Umrüstung der B-2-Flugzeuge. Wie ABC berichtet, hat der Kongress die Anforderung des Pentagons bereits bewilligt. In der vergangenen Woche hat das Pentagon dem Luftfahrtkonzern McDonnell Douglas für 51,9 Millionen Dollar (35,5 Millionen Euro) den Auftrag erteilt, mit der Umrüstung der B-2 zu beginnen.

Experten bezweifeln Erfolgsaussichten

Ob ein Luftangriff gegen unterirdische Anlagen erfolgreich sein kann, ist allerdings umstritten, da dies von vielen Faktoren abhängt - etwa der Tiefe und Art des Ziels, seiner Panzerung oder der Beschaffenheit des Bodens. So wäre der Einsatz einer enorm starken Sprengladung gegen Massenvernichtungswaffen nicht ohne Risiko, da Radioaktivität, chemische Kampfstoffe oder Krankheitserreger freigesetzt werden könnten. Brandbomben wiederum hätten möglicherweise nicht genügend Sprengkraft. Ende 2003 haben Experten eines US-Regierungslabors gar Pläne für den Einsatz kleinformatiger Atomwaffen gegen Bunkeranlagen entworfen. 2005 kam eine Studie allerdings zu dem Ergebnis, dass selbst diese "Mini-Nukes" noch Millionen von Menschen töten könnten.

Das Pentagon lässt inzwischen nicht nur an immer größeren konventionellen Bomben, sondern auch an neuartigen Gefechtsköpfen forschen, die speziell zur Bekämpfung unterirdischer Ziele konzipiert sind. Gearbeitet wird auch an Waffen, die nicht vertikal aufs Ziel treffen, sondern horizontal - um sich die Verwundbarkeit der Bunkereingänge zunutze machen.

Der MOP soll laut Pentagon-Sprecher Morrell "in einigen Monaten" einsatzbereit sein. "Wir leben in einer Welt, in der es Leute gibt, die Massenvernichtungswaffen anstreben - und dies in geheimer Weise tun." Drohungen dieser Art hat US-Regierung schon zur Amtszeit von Präsident George W. Bush eingesetzt. Im März 2003 etwa testete das US-Militär die "Massive Ordnance Air Blast Bomb", die wegen ihres Kürzels MOAB auch "Mother Of All Bombs" genannt wurde.

Mit der gewaltigen Explosion habe man der irakischen Armee die "enormen Nachteile" eines Krieges deutlich vor Augen führen wollen, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld damals. Neun Tage später begann die Invasion des Iraks.



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