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CCS-Technologie: Schleswig-Holstein attackiert geplantes Gesetz zur CO2-Entsorgung

Die Bundesregierung plant, unterirdische Kohlendioxid-Lager in Deutschland testen zu lassen. Aus Kiel gibt es nun Protest: Die Bundesländer müssten die letzte Entscheidung an solchen Projekten haben, fordert Ministerpräsident Carstensen.

CCS-Technologie: Kohlendioxid unter die Erde Fotos
DPA

Kiel - Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen will bei Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Änderung des geplanten Gesetzes für unterirdische Kohlendioxid-Lager erreichen. Carstensen werde bei Merkel (beide CDU) vorstellig werden, um eine Länderklausel im Gesetz doch noch durchzusetzen, sagte Wirtschaftsminister Jost de Jager (CDU) am Donnerstag im Landtag.

Sollte diese Klausel nicht erreichbar sein, werde Schleswig- Holstein dem Gesetz im Bundesrat nicht zustimmen. Gegen den Willen der Bevölkerung dürften unterirdische Lagerstätten für klimaschädliches Kohlendioxid nicht eingeführt werden. Jedes Bundesland müsse hier die letzte Entscheidung haben.

Politiker aller Parteien kritisierten, dass Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) bei einem Besuch im Norden die Länderklausel zugesichert habe, sie aber im Gesetzentwurf nun nicht enthalten sei. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern unterstützen laut de Jager Schleswig-Holsteins Position.

Anstatt es in die Luft zu blasen, wollen Kohlekraftwerke das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) einfach vergraben. Doch die Technik birgt möglicherweise Risiken, die noch nicht erforscht sind. In mehreren Bundesländern wehren sich Bürger gegen Testanlagen der sogenannten CCS-Technologie (siehe Kasten links).

Die Firma RWE plant, in Schleswig-Holstein die Abgase eines Kohlekraftwerkes im Ruhrgebiet zu entsorgen, war mit dem Vorhaben jedoch auf Protest bei den schleswig-holsteinischen Anwohnern gestoßen.

Die Bundesregierung will jedoch vorerst keine kommerziellen, großtechnischen Speicher für das Treibhausgas Kohlendioxid im Untergrund zulassen. Ein Gesetz, das Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) und Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) ausgearbeitet haben, erlaubt nur Erprobungsvorhaben mit einem Volumen von maximal acht Millionen Tonnen pro Jahr.

Eine Versuchsanlage zum Abscheiden und Verflüssigen des Treibhausgases läuft bereits seit Herbst 2008 im brandenburgischen Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe.

boj/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 13 Beiträge
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1. CO²- Verwertung
mrblond1981 10.09.2010
Mir ist nicht ganz klar, wie lange so dass CO² in diesen LAgerstätten gelagert werden kann und wie schnell diese ausgefüllt sein wird, aber kann man mit CO² irgendwas sinnvolles mit machen, es auf irgendeine Art verwerten oder so?
2. andere verwendung für CO2
prala 10.09.2010
Hallo Mrblond1981, Endlagerstätten sind immer etwas mysteriös. Man sagt halt zukünftige Generationen finden sicher einen Weg daraus noch was sinnvolles machen zu können, deshalb lagern wirs mal ein. Sinnvolle anwendungen von CO2 gibt es wenige, da der Stoff faktish kaum Energie enthält. Enzig könnte man sich vorstellen ihn in geschlossenen Treibhäusern zu benutzen um das Pflanzenwachstum stärker anzuregen. Die zerlegen das CO2 mit Hilfe von Wasser und sonnenlicht wieder zu Sauerstoff und Zucker. Aber das ist sicher teurer...... Grüsse prala
3. Ja.
Dark Enginseer 10.09.2010
Zitat von mrblond1981Mir ist nicht ganz klar, wie lange so dass CO² in diesen LAgerstätten gelagert werden kann und wie schnell diese ausgefüllt sein wird, aber kann man mit CO² irgendwas sinnvolles mit machen, es auf irgendeine Art verwerten oder so?
- Sprudel - Füllung für Gaspatronen für z.B. Schlagsahne - für CO²-Gewehre - Kühlmittel - Treibmittel - Löschmittel - Trockeneis - weitere Anwendungen in der chemischen Industrie - ... Aus meiner Sicht gibt es keinen Grund CO² unter hohem Energieaufwand in porösen Untergrund zu pressen. Bezahlen muß das letztlich der Verbraucher. Es birgt auch gewisse Risiken, da sich größere Blasen bilden könnten, oder chemische Reaktionen auftreten können, z.B. Entstehung von Kohlensäure -> ev. Lösen von Mineralien aus dem Gestein, Destabilisierung des Untergrunds, usw. Die Menge CO², die nicht für oben genannte Anwendungen verbraucht wird, kann man vor Ort in die Atmosphäre entlassen, da es, wie es auch bei dem Artikel heißt, ungiftig ist.
4. 1000 Jahre
Bildungsexilant 10.09.2010
Habe mal gelesen, dass eine Mindestlagerzeit von 1.000 Jahren vorgesehen ist. Was aus Planspielen für die nächsten 1.000 Jahre so werden kann, haben wir Deuscthen ja schonmal kennenlernen dürfen. Was die Nutzung von CO2 in Treibhäusern angeht, muss man bedenken, dass nicht alle Nutzpflanzen gleichermaßen positiv auf ein erhöhtes CO2 Niveau ansprechen. Ich glaube SPON hatte dazu vor einigen Wochen einen Artikel. Außerdem würden in dem Fall die Emissionen nur "vertagt". Das ist deshalb der Fall, weil die Nutzung von Kohle nichts anderes ist als das Anzapfen eines Kohlenstofflagers. Wenn ein Zwischenschritt (Gemüse) eingebaut werden würde, hätte das auf das Klima keine Auswirkungen, da dises Gemüse ja während seines Wachstums kein CO2 aus der Atmosphäre ziehen würde. Im Endeffekt würde das CO2 aber (Dank unserer Verdauung) wieder in die Atmosphäre gelangen. Für das Klima wären also nur eine Nutzung sinnvoll, die ein neues Kohlenstofflager anlegen würde, dass "ewig" bestand hat. CCS scheint hier unumgänglich und wir sollten alle hoffen, dass es funktioniert, denn CCS ist ein integraler Bestandteil aller Klimaszenarien des IPCC. Andere Formen neue CO2-Lager aufzubauen, wären Aufforstung (und den Wald dann auch schön für immer stehen lassen) oder das Abpumpen in die Ozeane (die sind ja ohnehin schon unsere Müllkippe) wo das Gas dann auf Grund des vorherrschenden Wasserdrucks so komprimiert werden würde, dass es sich nicht löst (zumindest theoretisch). Ansonsten könnte man noch Biomasse (Holz) nehmen, sie verkohlen lassen und dann vergraben...
5. Neben der Frage
PatNick, 10.09.2010
Zitat von sysopDie Bundesregierung plant, unterirdische Kohlendioxid-Lager in Deutschland testen zu lassen. Aus Kiel gibt es nun Protest:*Die*Bundesländer müssten die letzte Entscheidung an solchen Projekten haben, fordert Ministerpräsident Carstensen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,716735,00.html
nach der Sinnhaftigkeit dieser Technologie ist die Enstehungsgeschichte dieses Gesetzes ein anschauliches Beispiel gelebten Lobbyismus. Nachzulesen im Buch "Wir Abnicker" von Marco Bülöw (SPD-MdB) unter der Kapitelüberschrift "Das Lobbytheater". Was Carstensen angeht: bei ihm hat die Bauernlobby über die Energielobby den Sieg davon getragen. patnick
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CCS: Kohlendioxid unter die Erde
Technologie
AP
Beim CCS-Verfahren (Carbon Capture and Storage) wird Kohlendioxid aus dem Abgas von Kohlekraftwerken abgeschieden, verflüssigt und unter der Erde eingelagert. Für die konkrete Umsetzung der CO2-Sequestrierung gibt es mehrere Möglichkeiten, die teils bereits in Pilotanlagen erprobt werden. So lässt sich CO2 theoretisch auf drei Arten abtrennen: vor der Kohleverbrennung ("Pre Combustion"), bei der Verbrennung mit reinem Sauerstoff ("Oxyfuel") oder durch ein Waschen der Rauchgase ("Post Combustion"). Für den Transport des unter Druck verflüssigten Gases bieten sich vor allem Pipelines oder Schiffe an. Als Speicherstätten kommen in Deutschland leere Gasfelder oder tief liegende spezielle poröse Gesteinsschichten, sogenannte saline Aquifere, in Frage.
Bisherige Nutzung
Die CCS-Technologie ist nicht grundsätzlich neu, sondern kommt kommerziell bereits bei Erdöl- und Erdgasförderung zum Einsatz. Ziel ist, die Ausbeuterate von Ölfeldern zu erhöhen oder gefördertes Erdgas vom "Begleitgas" CO2 zu trennen. Den Einsatz bei einem Kohlekraftwerk testet der Energieversorger Vattenfall in Brandenburg: Das CO2 wird in der Pilotanlage "Schwarze Pumpe" mit dem Oxyfuel-Verfahren abgetrennt. Im brandenburgischen Ketzin wird in einem salinen Aquifer testweise CO2 gespeichert. RWE plant in Hürth nahe Köln ein Demonstrationskraftwerk für die Pre-Combustion-Abscheidung. Laut Industrie könnte CCS 2020 marktreif sein.
Mögliche Vorteile
Die CCS-Technologie kann den Treibhausgasausstoß eines Kohlekraftwerks deutlich verringern. Sie könnte als Brücke ins Zeitalter regenerativer Energienutzung dienen. Laut Industrie birgt die CO2-Speicherung weniger Risiken als das fortgesetzte Hinauspusten des Treibhausgases in die Atmosphäre. Auch wenn eine Speicherstätte undicht werden sollte, würde das weder giftige noch explosive CO2 demnach ohne Risiko für Mensch und Umwelt verwehen. Da die Schwellenländer immer mehr Kohle verfeuern, ist die Technologie Befürwortern zufolge international unverzichtbar und könnte ein lukratives Exportgut werden.

Kritik
Vor allem Umweltschützer betrachten CCS als teuer, riskant und in Deutschland überflüssig. Die Technik mache Kohlekraftwerke keineswegs sauberer, da sie deren Wirkungsgrad verschlechtere. Auch befürchten Kritiker, CCS könne den Ausbau von erneuerbaren Energien bremsen und stattdessen Akzeptanz für neue Kohlekraftwerke schaffen. Das Verhalten von CO2 in Untergrundspeichern ist noch nicht hinreichend erforscht, Umweltschützer nennen unterirdische CO2-Speicher daher "geologische Zeitbomben". Klar ist, dass CCS schon aufgrund der weltweit begrenzten CO2-Speicherkapazitäten das Klimaproblem nicht dauerhaft lösen kann.

Quelle: AFP

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