Chemische Reaktion UV-Licht lässt Van-Gogh-Gemälde verblassen

Schlechte Nachrichten für Kunstliebhaber: Eine bisher unbekannte chemische Reaktion, ausgelöst durch ultraviolettes Licht, macht Gemälden von Vincent van Gogh zu schaffen. Betroffen ist ausgerechnet jene leuchtende Farbe, die den niederländischen Maler einst berühmt machte.

"Der Schnitter": UV-Licht greift Van-Gogh-Gemälde an
dpa

"Der Schnitter": UV-Licht greift Van-Gogh-Gemälde an


Eine bisher unbekannte chemische Reaktion lässt Gemälde des Niederländers Vincent van Gogh braun werden. Das hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, wie das Deutsche Elektronen-Synchrotron (Desy) am Montag in Hamburg mitteilte. Die komplexe chemische Umwandlung lässt das leuchtend gelbe Chrom langsam unter einer bräunlichen Schicht verschwinden. Auslöser sei das ultraviolette Licht der Sonne, schreibt das Team um Koen Janssens von der Universität Antwerpen im Fachblatt "Analytical Chemistry".

Besonders betroffen vom Nachdunkeln sei die Farbe Chromgelb, die der niederländische Künstler (1853-1890) in vielen seiner Bilder eingesetzt hat - etwa in den berühmten Sonnenblumen-Bildern. Um das fast 200 Jahre alte Rätsel zu lösen, ließen die Wissenschaftler Ölfarbe aus dem 19. Jahrhundert rund 500 Stunden lang unter UV-Licht künstlich altern. Bei Röntgenanalysen am Desy und an der Europäischen Synchrotron-Strahlungsquelle ESRF in Grenoble entdeckten die Forscher schließlich die zuvor unbekannte Reaktion des Chroms mit dem UV-Licht.

"Diese innovativen Untersuchungsmethoden sind für uns überaus wichtig zum Verständnis, wie Gemälde altern, und in welcher Weise sie für kommende Generationen konserviert werden müssen", sagte Ella Hendriks vom Van-Gogh-Museum in Amsterdam. Laut Projektleiter Janssens sind bereits weitere Experimente geplant. "Wir möchten der Frage nachgehen, ob es überhaupt möglich ist, Pigmente in bereits eingetrübten Gemälden in ihren Ursprungszustand zurückzuführen."

Van Goghs leuchtende Farbwahl hat Kunstgeschichte gemacht. Ermöglicht wurde dies durch damals neuartige Methoden der Pigmentherstellung. Der Maler, der sich später ein Ohr abschnitt, verwendete die strahlenden Farben, nachdem er von den Niederlanden nach Frankreich gezogen war. Dort lernte er andere Maler kennen, die seine neuen Ideen über Farbwahl teilten. Für seinen Freund Paul Gauguin malte er die gelben Sonnenblumenmotive - als Dekoration für sein Schlafzimmer.

mbe/dpa

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