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Europäische Union: Treibhausgas-Ausstoß sinkt auf niedrigsten Stand seit 1990

Autoabgase: Weniger Emissionen in Verkehr und Industrie Zur Großansicht
REUTERS

Autoabgase: Weniger Emissionen in Verkehr und Industrie

In Bonn haben Verhandlungen um einen Weltklimavertrag begonnen. Umweltministerin Hendricks erkennt "neuen Schwung". Zahlen aus der EU sorgen für Belebung, China bringt Verwirrung.

Der Ausstoß klimawirksamer Gase in der Europäischen Union (EU) ist 2012 auf den niedrigsten Stand seit 1990 gesunken. Das berichtete die Europäische Umweltagentur EEA. Grund für den Rückgang seien weniger Emissionen in Verkehr und Industrie sowie mehr erneuerbare Energien.

Der EEA zufolge sanken die Emissionen in den 28 EU-Ländern 2012 um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt konnten die Mitgliedstaaten die Emissionen seit 1990 danach um 19,2 Prozent verringern. Ziel der EU ist eine Reduzierung der Treibhausgase, deren Ausstoß stark zur Klimaerwärmung beiträgt, um 20 Prozent bis 2020. Darauf hatten sich die Länder 1997 im japanischen Kyoto geeinigt.

Seit Mittwoch berät die Uno in Bonn darüber, wie der Treibhausgasausstoß weltweit drastisch eingedämmt werden könnte; die Delegierten bereiten den Weltklimagipfel im Dezember in Peru vor. Ihre Hoffnung ist, dass ein Weltklimavertrag 2015 in Paris beschlossen werden kann.

Neue Pläne der USA für eine Verringerung ihrer Treibhausgasausstöße bringen laut Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) neue Dynamik in die Klimaverhandlungen. "Da kommt jetzt ein neuer Schwung rein", sagte Hendricks der Deutschen Presse-Agentur.

Verwirrung um China

Verwirrung gibt es indes wegen Chinas Klimapolitik: Der chinesischer Klimabeauftragte He Jiankun hat seine Ankündigung weitreichender staatlicher Maßnahmen zum Kampf gegen den CO2-Ausstoß zurückgenommen. "Was ich heute gesagt habe, war meine persönliche Meinung", sagte He am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters in Peking. Seine Aussagen seien nur für "akademische Studien" gedacht gewesen.

"Was ich gesagt habe, stellt nicht die Haltung der chinesischen Regierung oder irgendeiner Organisation dar", stellte He klar. He hatte zuvor auf einer Konferenz erklärt, der weltweit größte Kohlendioxidproduzent werde erstmals seine Treibhausgasemissionen mit einer festgelegten Obergrenze eindämmen.

Dies werde im kommenden Fünf-Jahres-Plan der Führung verankert, der 2016 in Kraft trete. Nach der Ankündigung von neuen Maßnahmen durch die US-Regierung am Vortag hatte dies die Hoffnung auf einen Durchbruch im Kampf gegen den weltweiten Klimawandel genährt.

"Bundesregierung steht in der Pflicht"

"Auch in China wird allein schon wegen der Luftbelastung in den Städten gesehen, dass sie etwas gegen den Kohlendioxidausstoß tun müssen", meint indes Umweltministerin Hendricks. Sie betont, in nächster Zeit müssten alle Staaten ihre nationalen Klimaschutzziele vorlegen: "Auf dieser Basis wird dann verhandelt."

In der EU sei man sich einig, bis 2050 die Treibhausgasemissionen um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 zu mindern. Auch für Deutschland pocht sie auf mehr Einsatz: "Mit den bisherigen Maßnahmen würden wir nur rund 33 statt der geplanten 40 Prozent Minderung an Treibhausgasen bis 2020 im Vergleich zu 1990 schaffen." Diese Lücke wolle sie mit einem Aktionsprogramm schließen.

"Die gesamte Bundesregierung steht in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass Deutschland seine internationalen Zusagen erfüllt." Das Kabinett solle das Programm noch vor der Klimakonferenz in Peru beschließen, sagte Hendricks.

boj/dpa/Reuters

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1. Messung des CO2-Ausstoßes nach Ländern ist Nonsens, ...
economic-fool 04.06.2014
Zitat von sysopREUTERSIn Bonn haben Verhandlungen um einen Welt-Klimavertrag begonnen. Umweltministerin Hendricks erkennt "neuen Schwung". Zahlen aus der EU sorgen für Belebung, China bringt Verwirrung. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/co2-in-eu-treibhausgas-ausstoss-sinkt-auf-niedrigsten-stand-seit-1990-a-973275.html
... denn wenn europäische Unternehmen ihre Werkbänke nach Fernost verlagern, wechselt zwar der Standort der CO2-Verursachung, aber doch nicht die (Produktions)Verantwortung! Absurdes Beispiel hierfür sind Energiesparlampen, die in China produziert werden und bei ihrem Einsatz in Europa Strom sparen sollen: wie sieht deren CO2-Bilanz unter Einschluss ihrer Transportkosten aus?
2. Luftverschmutzung in China
Deep_Thought_42 04.06.2014
Hier scheint die Umweltministerin nicht korrekt informiert zu sein. Die gesundheitsschädliche Luftverschmutzung in der VR China basiert auf Asche, Feinstaub, SO2, NOx und ggf. CO. D.h. es werden primär Elektrofilter, Entschwefelungen und Entstickungstechnologien benötigt. Die im Beitrag kolportierte Konzentration der Ministerin auf Kohlendioxid (CO2) lenkt von den drängensten Problemen, die direkt die Gesundheit der Menschen beeinträchtigen, ab.
3. Mit aller Kraft
cvdheyden 04.06.2014
Die EU sollte mit aller Kraft umweltschonende Technologien vorantreiben. Da wäre es auch wichtig, dass die Wirtschaft nicht nur von der Tapete bis zur Wand denkt, da sich damit ein großer Technologievorsprung sichern lässt; Siehe Kommentar des Chinesischen Beauftragten, die ich nicht kommentiere.
4. Hey, Deep_Thought_42:
fpwinter 04.06.2014
Das ist doch der Sinn der PR-Aktion CO2 -- andere Umweltschädlinge komplett aus dem Bewußtsein verdrängen, damit man sich auf den Anlaß-Handel mit Emissionszertifikaten konzentrieren kann. Übrigens auch ein Euphemismus: Wird Feinstaub oder Asche oder Ruß eigentlich auch zertifiziert...?
5. Energiesparlampen
Cephalotus 04.06.2014
Zitat von economic-fool... denn wenn europäische Unternehmen ihre Werkbänke nach Fernost verlagern, wechselt zwar der Standort der CO2-Verursachung, aber doch nicht die (Produktions)Verantwortung! Absurdes Beispiel hierfür sind Energiesparlampen, die in China produziert werden und bei ihrem Einsatz in Europa Strom sparen sollen: wie sieht deren CO2-Bilanz unter Einschluss ihrer Transportkosten aus?
Die Energiebilanz von energiesparlampen ist prima. Das aknn man sich ganz einfach selber herleiten. bei einer angenommenen Lebensdauer von pessimistischen 5000 Stunden spart eine 20W Energiesparlampe statt einer 75W Glühbirne rund 55W*5000h = 275kWh ein. Selbst wenn man die kWh in China mit vergleichsweise günstigen 10€ct ansetzen würde und alle Kosten für die Produktion der ESL reine Energiekosten wären, dann ist die Bilanz trotzdem deutlich positiv, da eine ESL keine 27,50 Euro netto kostet (geschweige denn eine aus China). man kann aber auch Quellen bemühen wie z.B. dieser hier: http://www.lightcycle.de/verbraucher/infomaterialien/infotexte/in-zahlen-energiesparlampen-und-ihr-beitrag-zum-klimaschutz.html Demnach benötigt eine Energiesparlampe in der Produktion 4kWh, eine Glühbirne 0,85kWh. mfg PS: Ich verwende nur noch hochwertige LED (und vereinzelt Halogen), weil mir das Licht besser gefällt.
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