Reform des Emissionshandels: Ministerium kreuzt Brüsseler CO2-Pläne
Der Handel mit CO2-Papieren sollte den Ausstoß von Treibhausgasen bremsen, doch die Zertifikate sind zu billig. Die EU-Kommission will das System nun reformieren - das Bundeswirtschaftsministerium stemmt sich dagegen.
Berlin - Eigentlich sollten Emissionszertifikate den Ausstoß von CO2 beschränken: Unternehmen müssen die Papiere kaufen, um ihren Abgasausstoß zu legitimieren - so weit die Theorie. Dann kam der Preisverfall. Firmen können derzeit so günstig Verschmutzungsrechte kaufen, dass kaum ein Anreiz besteht, die CO2-Emissionen zu reduzieren. Die EU-Kommission hat nun beschlossen gegenzusteuern, eine Reform soll das wichtigste Instrument ihrer Klimapolitik retten.
Als einen ersten Schritt schlug EU-Klimaschutzkommissarin Connie Hedegaard in Brüssel vor, den Verkauf neuer Rechte zu verschieben, um die Zertifikate eine Zeit lang zu verknappen und den Preis zu erhöhen. Der Markt dürfe nicht weiter mit einem Überangebot an Zertifikaten geflutet werden, sagte Hedegaard. Nach weiterer Rücksprache mit den Mitgliedsländern will sie im Herbst vorschlagen, wieviele Verschmutzungsrechte statt 2013 erst 2015 auf den Markt kommen sollen.
Skeptiker in der EU-Kommission und der Bundesregierung
In der EU-Kommission ist jedoch umstritten, ob sich der Preistrend tatsächlich durch eine Verknappung der Zertifikate umkehren lässt. Neun Kommissare, darunter Energiekommissar Günther Oettinger und Industriekommissar Antonio Tajani, hatten Bedenken geäußert. Hedegaard konnte deshalb noch keine konkreten Zahlen nennen. In einem Papier ihres Mitarbeiterstabes werden als Optionen 400 Millionen, 900 Millionen oder 1,2 Milliarden Euro Zertifikate genannt, die bis 2015 zurückgehalten werden sollen.
Auch die Bundesregierung äußerte sich kritisch: "Das Bundeswirtschaftsministerium sieht im Moment keine Notwendigkeit für einen Eingriff in das Emissionshandelssystem, da es funktioniert und die vorgegebenen Reduktionsziele erreicht werden", sagte eine Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Man müsse aufpassen, dass die Energiepreise und sonstige Belastungen für die Industrie nicht anstiegen. "Gerade im Hinblick auf die Euro-Krise verbietet sich jede Schwächung des produzierenden Gewerbes." Das Umweltministerium wollte die Vorschläge der Kommission erst genau prüfen und sich dann äußern.
Preise pro Tonne CO2 von 20 auf sieben Euro gesunken
Kraftwerksbetreiber und Industrieunternehmen müssen Rechte zum Ausstoß von Treibhausgasen an der Börse kaufen. Dort sind die Preise pro Tonne CO2 von einst über 20 Euro auf um die sieben Euro eingebrochen. Durch den Preisverfall vermindern sich für Unternehmen auch die Anreize zum Energiesparen, da die CO2-Preise in die Strompreise einfließen. Der Emissionshandel gilt deshalb als zentrales Instrument für die Kürzung des CO2-Ausstoßes.
Da die Regierungen die Rechte selbst verkaufen, mindern sich durch den Preisverfall auch ihre Einnahmen. Die Bundesregierung etwa hatte zunächst mit einem Preis von 15 Euro kalkuliert. Mit dem Geld will sie Klimaschutzprojekte, aber auch die Elektromobilität oder die Gebäudesanierung fördern.
irb/Reuters
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- Mittwoch, 25.07.2012 – 15:49 Uhr
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Durchschnittlich wollen die Kyoto-Vertragsstaaten zunächst bis 2012 durchschnittlich 5,2 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als im Durchschnitt des Jahres 1990. Sechs Treibhausgase werden in einem Zusatz zum Protokoll genannt: Kohlendioxid, Methan, halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), Perfluorkohlenwasserstoffe (PFCs), Lachgas (Distickstoffmonoxid) und Schwefelhexafluorid.
Die nationalen Regierungen teilen Energiesektor und Industrie diese Abgasrechte für jeweils eine Handelsperiode zu. In Deutschland erfolgte dies bislang gratis, künftig wird ein Teil der Zertifikate auch versteigert. Firmen, die mehr CO2 ausstoßen als erlaubt, müssen Strafe zahlen. Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel und der Dienstleistungssektor müssen an dem System bislang nicht teilnehmen.
Die geplanten Zuteilungen werden in Deutschland im sogenannten nationalen Allokationsplan (NAP) zugewiesen. Der erste NAP deckte die Handelsperiode von 2005 bis 2007 ab. Der NAP II läuft von 2008 bis 2012. Pro Jahr werden der Energiewirtschaft und der Industrie Emissionsrechte für 453 Millionen Tonnen CO2 zugestanden.
Kritiker fordern, dass die Zertifikate höchstbietend versteigert und nicht verschenkt werden sollen. Ebenso wird gefordert, weitere Quellen von Klimagasen in das System einzubeziehen, beispielsweise den Flugverkehr.
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