Comac C919 China-Jet steht kurz vor dem Erstflug

Seit 2010 arbeitet ein chinesisches Konsortium an einem Flugzeug, das Airbus A320 und Boeing 737 Konkurrenz machen soll. Jetzt hat der zweistrahlige Jet eine wichtige Hürde auf dem Weg zum Erstflug genommen.

AP/ Wang jiliang/ Imaginechina

In dem Bemühen, eine eigene Luftfahrtindustrie aufzubauen, ist China einen kleinen, aber wichtigen Schritt weitergekommen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Samstag berichtete, hat der C919 genannte Passagierjet, ein Konkurrenzprodukt zu Airbus A320 und Boeing 737, eine wichtige technische Prüfung bestanden.

Ein Kontrollgremium aus 63 chinesischen Luftfahrtexperten hatte dem zweistrahligen Jet attestiert, technisch für den Jungfernflug gerüstet zu sein. Nun stehen laut Xinhua nur noch EMC-Tests (eine Überprüfung der elektromagnetischen Kompatibilität) und sogenannte Taxiing-Tests, bei denen das Rangierverhalten überprüft wird, auf dem Plan - dann kann der Flieger abheben.

Der Erstflug wird vom Herstellerkonsortium Comac (für Commercial Aircraft Corporation of China) schon lange herbeigesehnt. Immer wieder war es im Verlauf der Entwicklung zu Verzögerungen gekommen. Ursprünglich war der Jungfernflug für 2014 vorgesehen, musste dann aber aufgrund verschiedenster Probleme immer wieder verschoben werden. Auch bei der feierlichen Vorstellung des Jets im November 2015 hieß es, der Flieger werde in den nächsten Monaten starten - doch auch daraus wurde nichts.

Internationale Partnerschaft - noch

Comac-Chef Jin Zhuanglong bezeichnete die Fertigstellung des 39 Meter langen Jets mit bis zu 168 Sitzplätzen und einer Standardreichweite von 4075 Kilometern als "bedeutenden Meilenstein in der Entwicklung von Chinas erstem einheimischen Flugzeug". Für die Volksrepublik steht das Flugzeug für jahrelange Anstrengungen, die Abhängigkeit des Landes vom europäischen Flugzeugbauer Airbus und dem US-Konkurrenten Boeing zu verringern - und diesen gar noch Konkurrenz zu machen.

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Comac C919: Der China-Jet

Auch wenn das Flugzeug in China zusammengebaut wurde, spielen ausländische Firmen doch eine Schlüsselrolle für die Produktion. So wurden beispielsweise die Motoren von CFM International geliefert - einem Gemeinschaftsunternehmen von General Electric und Safran. Fahrwerke und Lüftungssysteme kommen vom deutschen Luftfahrtzulieferer Liebherr Aerospace.



insgesamt 14 Beiträge
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hingucker 25.03.2017
1. ... spielen ausländische Firmen doch eine Schlüsselrolle für die Produktion.
Aber doch nicht nur bei der Zulieferung von Komponenten. Soweit ich mich richtig erinnere, sind doch vor Jahren im Rahmen eines Flugzeugdeals mit Airbus Konstruktionspläne (als Bedingung) mit über den Tisch gegangen..?
Trockenfisch 25.03.2017
2. Ausländische Firmen?
Wen interessiert das? Da ging doch vor kurzer Zeit die Nachricht durch die Medien im Zusammenhang mit den Aussagen von Donald Trump über die amerikanischen Autos und die Strafzölle für Deutschland, das nur ein geringer Prozentsatz der Teile eines Chevis odert Cryslers aus den USA stammt. Also machen die Chinesen doch alles richtig wenn sie im Ausland relevante Teile zukaufen die sie selbat nicht besser machen könnten. Alles richtig gemacht, so geht das heutzutage.
Bueckstueck 25.03.2017
3. Chinamarkt
Bis der Haufen international ein Konkurrent zu den alten A320 oder 737 ist, werden die wohl gar nicht mehr hergestellt. Mittelfristig lässt sich so ein Flugzeug nur auf dem heimischen Markt absetzen - der ist ja aber auch gross genug für solche Flugzeuge. Es wird daher noch Jahrzehnte dauern, bis man sich die Reputation erarbeitet hat um mit grossen ausländischen Airlines ins Geschäft zu kommen. Wenn es so einfach wäre, wäre der Markt schliesslich kein Duopol...
chiefseattle 25.03.2017
4. Konkurrenz
Mit 168 Passagieren und 4000km Reichweite ist die C919 eher ein Konkurrent für Bombardier, Embraer und Sukhoi. Auf dem chinesischen Markt wird die Maschine wohl erfolgreich sein. Rein äußerlich meint man eine Mischung aus Boeing und Airbus zu erkennen, beide Hersteller haben auch einiges Know-how zur Verfügung gestellt.
helicopterview 25.03.2017
5. @1
Nicht nur die Konstruktionspläne: Airbus montiert seit Ende 2009 den A320 in China, in einem Werk, das als "Joint Venture" geführt wird. Faktisch haben die den A320 direkt als Schablone für den Comac-Jet geliefert...
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