Hightech in der Archäologie: Röntgenanalyse macht antike Münzen sichtbar

Einzelne Geldstücke sind zu erkennen, darauf Porträts römischer Herrscher. Doch der Schatz klebt noch als ein Klumpen zusammen, es würde Monate dauern, die Münzen voneinander zu lösen. Britische Archäologen lösten das Problem - und verschafften sich per CT-Scan schnelle Erkenntnisse.

University of Southampton/ James Miles

Sie untersuchen Flugzeugbauteile, durchleuchten Proben, um das Wachstum von Pflanzenwurzeln zu verfolgen - und machen jetzt einzelne antike Münzen sichtbar, die noch in einem einzigen Klumpen zusammenkleben. Forscher der University of Southampton durchleuchten per Computertomografie (CT) aktuell mehrere Münzschätze, die in Großbritannien entdeckt wurden. Zusammen mit dem Britischen Museum wollen sie so eine Methode etablieren, die es ermöglicht, archäologische Artefakte auch dann zu analysieren, wenn man sie nicht komplett freilegt.

Die Forscher durchleuchten ihre Proben mit Röntgenstrahlen. Wie bei medizinischen CT-Aufnahmen dreht sich dabei die Röntgenquelle. In kurzer Zeit entstehen Tausende zweidimensionaler Aufnahmen, am Computer wird daraus ein 3D-Bild zusammengesetzt.

Wie das funktioniert, zeigen Aufnahmen eines Münzfundes aus Yorkshire, der aus dem zweiten Jahrhundert stammt. Es handelt sich um ein Gefäß, das einige römische Münzen enthielt. Der Scan zeigt klar die Inschriften auf einigen Geldstücken, zum Teil sind auch die Köpfe römischer Herrscher erkennen. Anhand der Bilder konnten Archäologen die Münzen identifizieren. Anschließend legten sie den Schatz mit herkömmlichen Methoden frei, um zu überprüfen, ob der CT-Scan tatsächlich zum richtigen Ergebnis geführt hatte.

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6  Bilder
CT-Scan von Münzfund: Für eine Handvoll Denarii
Nicht nur bei Münzfunden nützlich

"Eine einzelne Münze auszugraben und zu reinigen kann Stunden oder sogar Tage dauern", sagt Graeme Earl, Archäologe an der University of Southampton. "Diese Technologie gibt uns die Möglichkeit, sie schnell zu untersuchen und zu identifizieren."

Die Methode ist keineswegs auf Münzfunde beschränkt. Beispielsweise untersuchen die Forscher auch eine Urne, die neben neun Geldstücken, die im Jahr 282 geprägt wurden, auch Knochenfragmente enthält. Es würde Monate dauern, den Inhalt der Urne mit herkömmlichen Methoden zu untersuchen, so die Universität.

Die Spezialisten in Southampton sind natürlich nicht die einzigen Forscher, die mit Hilfe verschiedenster Röntgenanalysen fürs bloße Auge Unsichtbares sichtbar machen. So berichteten Wissenschaftler vom Deutschen Elektronen-Synchrotron (Desy) kürzlich, dass sie unter einem von Vincent van Gogh gemalten Stillleben die Zeichnung zweier Ringer entdeckt haben. Und auch Paläontologen profitieren von solchen Analysen, etwa wenn dadurch das im Stein verborgene Bein einer fossilen Schlange entdeckt wird.

wbr

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1. ...Digitale Ausgrabung
toschi_home3 11.07.2012
Die Technik mittels CT wurde in Berlin schon soweit getrieben, dass die gemachten Aufnahmen zu einen 3D-Bild rekonstruiert wurden und anschließend von einem 3D-Drucker das in einem Stein verborgene Artefakt 1:1 wiederhergestellt werden konnte.
2.
Anhaltiner 11.07.2012
Zitat von sysopEinzelne Geldstücke sind zu erkennen, darauf Porträts römischer Herrscher. Doch der Schatz klebt noch als ein Klumpen zusammen, es würde Monate dauern, die Münzen voneinander zu lösen. Britische Archäologen lösten das Problem - und verschafften sich per CT-Scan schnelle Erkenntnisse. CT-Scan macht Münzen aus der Römerzeit sichtbar - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,843648,00.html)
Wenn ich mir so anschaue wie Archäologen mit Kelle und Schäufelchen ganze Siedlungen ausgraben ist es für mich nur eine Frage der Zeit bis man mit einem fahrenden CT (Marke Sitzrasenmäher) einen Fundplatz untersucht.
3. Schön,
caecilia_metella 11.07.2012
Zitat von sysopEinzelne Geldstücke sind zu erkennen, darauf Porträts römischer Herrscher. Doch der Schatz klebt noch als ein Klumpen zusammen, es würde Monate dauern, die Münzen voneinander zu lösen. Britische Archäologen lösten das Problem - und verschafften sich per CT-Scan schnelle Erkenntnisse. CT-Scan macht Münzen aus der Römerzeit sichtbar - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,843648,00.html)
So ein britischer Archäologe sollte dann aber bitte nicht versäumen, seinen Big-Boss anzugeben.
4. Kaiser
trafozsatsfm 12.07.2012
Okay, hier schlägt der Korinthenkacker zu: Der in der Bildunterschrift genannte Kaiser aus dem 2. Jh. hieß Antoni*n*us Pius, nicht Antonius Pius. Ist mir nur aufgefallen, weil ich den Fehler früher selber gemacht habe... ;-)
5.
Oberleerer 21.07.2012
Mir blutet das Herz, wenn auch so wertvolle Funde, Dinosaurier, Mumien oder Erdgräber geöffnet und mit Hammer und Pinsel die Knochen freigelegt werden. Versuche bei versteinerten Sauriern per CT haben ergeben, dass oft das gesamte Tier mit Fell/Federn vorhanden ist.Ebenso denke ich, ist bei Gräbern eine Struktur der Weichteile zu erkennen.
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