U-Boot-Bauer und Raketenkonstrukteur Peter Madsen Däne Düsentrieb

Peter Madsen ist ein genialer Bastler und Tüftler. An Raketen für private Raumflüge hat er ebenso gebaut wie an einem mächtigen U-Boot. Das ist nun gesunken. Nicht das erste Mal, dass Madsen spektakulär scheitert.

AP / Niels Hougaard / Ritzau

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Ein Mann läuft einen windigen Hafenkai entlang. Er trägt eine Uniform in Tarnfarben. In seiner linken Hand raschelt eine Rettungsdecke aus hauchdünner Metallfolie, in der anderen hält er eine Wasserflasche. Der Mann heißt Peter Madsen. Und gerade ist er mit seinem selbst gebauten U-Boot untergegangen.

Sein selbst gebautes - was?

Ja, richtig gelesen: sein selbst gebautes U-Boot. Und das war nicht irgendein Mini-Bötchen. Nein, der dänische Ingenieur Peter Madsen, 46, muss an diesem Freitagmorgen den Verlust seiner "UC 3 Nautilus" verkraften. Knapp 18 Meter lang und rund 40 Tonnen schwer liegt sie nun am Meeresboden, irgendwo in der Nähe des Leuchtturms Drogden Fyr. Sie gilt als das größte, von einer Privatperson gebaute U-Boot der Welt.

Was genau passiert ist, werden die Ermittlungen der dänischen Polizei zeigen. Die Ermittler haben angekündigt, Taucher zum Wrack zu schicken. Es geht, so sieht es jedenfalls Freitag Nachmittag aus, auch um die Frage, ob Madsen - wie er behauptet - allein an Bord war. Denn eine schwedische Journalistin wird seit dem Untergang des Boots vermisst.

Zwar sei er tatsächlich mit ihr unterwegs gewesen, bestätigt Madsen. Doch er habe die Frau am Donnerstagabend, also lange vor dem Unglück, auf der Insel Refshaleøen im Kopenhagener Hafengebiet abgesetzt.

Mit maximal acht Menschen in bis zu 100 Meter Tiefe

Die "US 3 Nautilus", mit der beide zuvor noch unterwegs waren, ist Madsens Baby. Vor knapp zehn Jahren hat er sie selbst gebaut, über drei Jahre, zusammen mit einer Gruppe motivierter Kopenhagener Bastler. Für 200.000 Euro, ein lächerlicher Betrag. Dabei war das Schiff technisch komplex, konnte maximal acht Menschen in bis zu 100 Meter Tiefe bringen.

Das scheinbar Unmögliche möglich machen. Das hat Peter Madsen immer wieder gereizt. Neben insgesamt drei U-Booten - vor der "Nautilus" hatte er bereits die kleineren Modelle "Freya" und "Kraka" konstruiert - hat er auch an Weltraumraketen gebastelt. "Copenhagen Suborbitals" hieß das Projekt. Auch hier war es ihm gelungen, Unterstützer für ein scheinbar wahnsinniges Unterfangen zu finden.

Finanziert von Spenden, bastelten Madsen und ein Team um den früheren Nasa-Mitarbeiter Kristian von Bengtson seit 2008 an einer Rakete, die einen Menschen in rund 100 Kilometer Höhe bringen sollte.

Streng genommen nicht irgendeinen Menschen, sondern Peter Madsen.

Er, der laut seiner Biografie "Raketen-Madsen", geschrieben vom dänischen Journalisten Thomas Djursing, seine persönlichen Besitztümer jahrelang in zwei Plastiktüten aufbewahrte, sollte am unteren Rand des Weltalls kratzen - und dann in die Ostsee zurückstürzen. Mit einem Hitzeschutz aus Korktapete außen an der Kapsel. "Wir machen hier nichts Verrücktes", gab sich Madsen trotzdem sicher.

Zwei Projekte unter einem Dach

Von Bengtson war für die Kapsel zuständig, Madsen für die Rakete. "Im Prinzip verfolgen wir zwei Projekte unter einem Dach", so beschrieb es Madsen. Es gab unbemannte Tests, von einer Plattform in der Ostsee. Kleinere Fluggeräte schoss man zumindest mit einigem Erfolg in den Himmel, die Startplattform gezogen übrigens vom U-Boot "Nautilus".

Wer die beiden in dieser Zeit besuchte, fand einen betont lockeren von Bengtson vor und einen ziemlich verbissenen, manchmal zynischen Madsen. Zwei Projekte unter einem Dach.

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Peter Madsen: U-Boote und Raketen im Eigenbau

Zwar klappte keine der Missionen nach Plan, doch man kam durchaus voran. Doch irgendwann gab es Streit. Von Bengtson verließ "Copenhagen Suborbitals" im Februar 2014. Ein paar Monate später war dann auch Madsen draußen. Und von Bengtson kam zumindest als Berater wieder.

Zusammengefasst kann man es vielleicht so sagen: Madsen, der auf der Insel Seeland aufgewachsene Zimmermannssohn, war zwar ein genialer Bastler, der für noch jedes Problem eine Lösung fand, ein Perfektionist, der potenziell lebensgefährliche Schlamperei nicht dulden mochte, ein Visionär, der Geldgeber mitreißen konnte.

Aber mit Menschen hatte er es eben nicht so.

Regeln, Kompromisse, Absprachen? Nicht so sein Ding. Das führte zum Bruch mit den rund 40 Mitstreitern im Projekt. Man kennt diese Art von Konflikten von Start-ups, die wachsen. Strukturen werden eingezogen, Abläufe, Pläne. Und auf einmal ist kein Platz mehr für die spontan agierende Gründergeneration.

Bei "Copenhagen Suborbitals" war es nicht anders. Also machte Madsen eben allein weiter, gründete im Juni 2014 das "Rocket Madsen Space Lab", gleich in der Nachbarschaft seiner alten Mitstreiter, auf dem Gelände einer längst pleitegegangenen Werft.

Noch ein Streit

Und dann war da ja noch die "Nautilus". Als das ehemalige Mastermind und seine Anhänger von "Copenhagen Suborbitals" sich zerstritten, rostete das U-Boot auf dem Betriebsgelände vor sich hin. Madsen wollte es den einstigen Getreuen nicht überlassen, gründete - mit neuen Unterstützern - eine Art Trägerverein. Man werkelte wieder, machte die "Nautilus" fit für Fahrten auf und vor allem unter dem Meer.

Und man zerstritt sich ein weiteres Mal. Im März 2015 ließ der Rest des Vereins wissen, man sei aus der Sache raus, habe das Boot vollständig an Madsen übergeben. Und der hat es nun offenbar im Alleingang versenkt. Es habe Probleme mit einem Ventil des 8000-Liter-Ballasttanks gegeben, erklärte er der Zeitung "Berlingske" am Freitag. "Blitzschnell" sei alles gegangen, innerhalb von 30 Sekunden sei das Boot voll Wasser gewesen.

Die dänische Marine erklärt auf SPIEGEL-Anfrage nur, man habe Madsen nach einer großen Suchaktion gefunden, mit zwei Hubschraubern und mehreren Schiffen. Erst nachdem er gerettet worden sei, sei sein U-Boot gesunken. Die Frage, wie es zu dem Unglück gekommen ist, müsse nun die Polizei klären. Man habe Madsen versorgt - daher auch die Uniform, die Wärmedecke und so weiter, die auch auf den Bildern des Fernsehsenders TV2 zu sehen sind. Nun sei die Sache für die Streitkräfte abgeschlossen.

Bei "Copenhagen Suborbitals" heißt es, man sei "sehr erleichtert", dass Madsen lebend gefunden worden sei. Man warte nun auf die offiziellen Ermittlungen "für ein klareres Bild, was passiert ist". Unterdessen arbeiten Madsens alte Kumpane an einem weiteren Raketenstart. "Nexø II" soll, wenn möglich, noch im August abheben.



insgesamt 18 Beiträge
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b.toennies 11.08.2017
1. Man sieht von dem "UBOOT" nicht viel
aber die Schweissnahtabschnitte die zu sehen sind sprechen Bände... mit der Gurke würde ich keine 5 Meter unter Wasser gehen...
Alternator 11.08.2017
2. Dänemark, oh Dänemark!
Das Land, in dem richtige Männer noch richtig spielen können. Ein Traum. Vergesst Kanada. Der Motor, der die Nexø-Raketen antreibt, scheint übrigens eine sehr gelungene Konstruktion zu sein. Drückt runde 500 Kilo, und in den Testständen haben einige der Motoren schon zig Zündungen hinter sich. Die Biester sind scheinbar robust! Den BPM5 sollte sich die ESA vielleicht mal ansehen, ob der ein günstiges Aggregat für Satelliten o. Ä. sein könnte. Nur mal als Idee.
murksdoc 12.08.2017
3. Geniale Bastler
Wirklich geniale Bastler erfinden etwas, das es nicht schon seit über hundert Jahren gibt.
Oberleerer 12.08.2017
4.
Zitat von b.toenniesaber die Schweissnahtabschnitte die zu sehen sind sprechen Bände... mit der Gurke würde ich keine 5 Meter unter Wasser gehen...
Können Sie uns aufklären? Ich bin kein Schweißnahtfachmann.
Wolfvon Drebnitz 12.08.2017
5. typisch Deutsch - wieso ist der gescheitert?
Das ist wieder ein typisch deutscher Kommentar. Wieso ist der gescheitert? Der hat es fertig gebracht ein 18m langes U-Boot für kleines Geld zu bauen und seit 7 Jahren zu betreiben. Das nenne ich einen Erfolg. Aber es verkauft sich ja besser wenn man vom großen Scheitern schreibt. Auch der Spon schreibt nur noch Klatsch und Tratsch. Wo ist ein technischer Bericht über das U-Boot oder die Motoren? Nirgendwo! Immer mehr macht die Presse Meinung statt Fakten zu berichten. Auch der Spon schrieb über Musk von einem "Großmaul unter Druck" (24.7.2016). Wer gibt Journalisten das Recht solche Urteile zu fällen und zu schreiben? Musk treibt die ganze deutsche Autoindustrie vor sich her - ohne ihn würden wir noch Jahrzehnte am Diesel schnuppern. Doch wo steht, dass VW und Co. Betrüger sind und ins Gefängnis gehören? Das traut man sich nicht, weil es Anzeigenkunden sind. Natürlich nervt der Vorwurf der Lügenpresse von Pegida - aber das jounalistische Niveau ist in den letzten Jahren dramatisch gesunken - auch bei SPON. Wir haben uns von einem Volk der Dichter, Denker und Erfinder zu einem Volk der Pessimisten und Nörgler entwickelt. Risiko ist was schlechtes und 20 jährige Berufeinsteiger gehen an liebsten zum Staat, weil sie da eine sichere Rente haben. Armes Deutschland, wo treibst Du hin? Ach ja, die Schweißnähte sind auch schlecht - schreibt wahrscheinlich ein Hobbybastler (@b.toennies) der auch schon mal 2 m geschweißt hat. Das Boot hat sicherlich diverse Drucktests gemacht und bestanden. Aber das ist ja unsere Lieblingsbeschäftigung: nörgeln. Was hat der Schweißfachmann b.toennies schon auf die Beine gestellt? Bitte um ein Posting. Was hat der Redakteur von Spon, der Musk ein Großmaul nennt, schon auf die Beine gestellt? Ich bitte um ein Posting.
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