Baubeginn Neuer Teilchenbeschleuniger entsteht bei Darmstadt

Ein 1,1 Kilometer langer Tunnel, 1,3 Milliarden Euro, sechs Jahre Bauzeit: In der Nähe von Darmstadt hat der Bau des Teilchenbeschleunigers Fair begonnen. Er soll helfen, den Anfang des Universums zu erforschen.

GSI Helmholtzzentrum/ DPA

Beim GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt ist offiziell der Bau des Teilchenbeschleunigers Fair gestartet. Es ist eines der weltweit größten Bauvorhaben zur physikalische Grundlagenforschung.

Mit dem teilweise unterirdischen Teilchenbeschleuniger wollen Wissenschaftler unter anderem klären, was kurz nach dem Urknall vor etwa 13,8 Milliarden Jahren passiert ist. Die Anlage umfasst eine Fläche von 20 Hektar.

"Das Projekt wird die Grenze unseres Wissens über das Universum weiter nach vorn schieben", sagt der wissenschaftliche Geschäftsführer von Fair und GSI, Paolo Giubellino.

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"Fair": Zeitreise bis zum Urknall

17 Meter unter der Erde

Fair soll 2025 einsatzbereit sein. Herzstück der neuen Anlage ist ein 1,1 Kilometer langer Ringbeschleuniger, der 17 Meter tief unter der Erde verläuft. Er wird an einen bestehenden Beschleuniger angedockt, der etwa 200 Meter Umfang hat.

Elektrisch geladene Teilchen, Ionen und Antiprotonen mit einem Durchmesser von rund einem Zehnmillionstel Millimeter nehmen extrem hohes Tempo auf. In der neuen Anlage sollen sie fast die Lichtgeschwindigkeit von etwa 299.000 Kilometer pro Sekunde erreichen. Dann prallen sie auf einen Widerstand, auf eine Folie oder biologische Zellproben.

Forscher wollen beobachten, wie beim Zusammenstoß durch den extremen Druck und die extreme Temperatur neue Teilchen und Materieformen entstehen. Daraus wollen sie Rückschlüsse auf die Entwicklungsgeschichte des Universums ziehen.

Beim Aufprall sollen ähnlich hohe Temperaturen erzeugt werden wie etwa im Inneren von Sternexplosionen. Die Forschungsgebäude werden wegen der Strahlung bis zu acht Meter dicke Betonwände haben.

Bund trägt 65 Prozent der Kosten

Für die Errichtung der gesamten Anlage sind laut Bundesforschungsministerium fast 1,3 Milliarden Euro eingeplant. Der Bund übernimmt 65 Prozent der Kosten, das Land Hessen 10 Prozent.

Gesellschafter der Fair GmbH sind neben Deutschland auch Finnland, Frankreich, Indien, Polen, Rumänien, Russland, Schweden und Slowenien. Großbritannien ist assoziierter Partner. Das internationale Beschleunigerzentrum soll rund 3000 Forschern aus 50 Ländern zur Verfügung stehen.

Bis es so weit ist, müssen laut Planung noch zwei Millionen Kubikmeter Erde bewegt werden - was etwa der Menge beim Bau von 5000 Einfamilienhäusern entspricht. Rund 600.000 Kubikmeter Beton müssen verbaut werden. Hinzu kommen 65.000 Tonnen Stahl, was laut Planern neun Eiffeltürmen entspricht. Auf der Baustelle sollen bis zu 1000 Menschen beschäftigt werden.

Fair gehört dann weltweit zu etwa einer Handvoll Teilchenbeschleunigern. Am häufigsten verglichen wird die Anlage in Darmstadt mit dem Europäischen Kernforschungszentrum Cern bei Genf. Dort ist der Beschleunigerring mit knapp 27 Kilometern deutlich länger als die Version in Darmstadt.

koe/dpa



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