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Boeings Batterie-Probleme: Feuer im Dreamliner ließ sich nicht löschen

Dreamliner am Boden (Februar 2013): Ursache von Batteriebrand weiter unklar Zur Großansicht
AP/dpa

Dreamliner am Boden (Februar 2013): Ursache von Batteriebrand weiter unklar

Was war schuld am Brand in einem Dreamliner von Boeing auf dem Flughafen Boston? Ein neuer Bericht von US-Ermittlern zeigt, wie schwer die Antwort auf diese Frage ist - und wie sehr sich Feuerwehrleute mühen mussten, die Situation überhaupt unter Kontrolle zu bekommen.

Die Reinigungscrew löste den Alarm aus - weil Rauchgestank aus der Küchenzeile im Heck der Japan-Air-Boeing waberte. Der letzte der 184 Passagiere des Fluges JAL008 aus Narita war da gerade sechs Minuten von Bord. Und auch die Piloten hatten die Maschine auf Bostons Logan International Airport gerade verlassen. Ein schnell herbeigerufener Mechaniker fand heraus, dass die Batterie des Hilfstriebwerks im Dreamliner Feuer gefangen hatte.

Mehrere Feuerwehrleute mühten sich, lange Zeit ohne Erfolg. Noch nicht einmal mit einem Speziallöscher ließ sich der Brand ersticken. Wegen des vielen Rauchs mussten die Einsatzkräfte den Brandherd mit einer Thermalkamera suchen. Irgendwann gelang es den Einsatzkräften schließlich, die Batterie auszubauen - obwohl ein Schnellverschluss durch die Brandhitze geschmolzen war.

Das National Transportation Safety Board (NTSB) hat einen ersten Untersuchungsbericht zum Dreamliner-Brand vorgelegt. Das 48-seitige Papier ("Interim Factual Report"), das zusammen mit Hunderten Seiten Dokumentation veröffentlicht wurde, zeigt, dass die Ermittler die genaue Ursache der Batterieprobleme noch immer nicht kennen.

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Pannenflieger: Batterie-Misere an Bord des Dreamliners
Boeing haben die Batterien eine massive Krise beschert. Das Vorzeigemodell Dreamliner ist am Boden gefangen - zumal es wenige Tage nach dem Zwischenfall in Boston zu weiteren Problemen in Japan kam, die gar eine Notlandung erforderlich machten. Neben dem Flugzeugbauer verlieren auch Fluggesellschaften Geld, die ihre neu gekauften Maschinen nicht einsetzen dürfen.

Der neue Zwischenbericht zeigt eindrücklich, wie schwer der Brand in Boston unter Kontrolle zu bringen war. Erst nach einer Stunde und 40 Minuten war er gelöscht. Währenddessen machten Fotografen wenig erbauliche Bilder, auf denen dicke Rauchschwaden aus dem Flugzeugrumpf nach draußen dringen. Dabei soll eigentlich die Klimaanlage im Dreamliner in solchen Fällen den Rauch gezielt aus dem Flieger leiten. Doch die dafür gedachten Ventile funktionierten in Boston nicht - weil die nötige Stromversorgung vom Hilfstriebwerk hätte kommen sollen. Und das hatte wegen des Batteriebrandes die Arbeit eingestellt.

Bereits unmittelbar nach dem Vorfall sorgte die Konstruktion des verwendeten Lithium-Ionen-Akkus für Diskussionen. Die US-Luftaufsichtsbehörde FAA hatte für die Zulassung ein neues Verfahren anwenden müssen - da es nach den normalen Regeln keine Erlaubnis für die neuartigen Batterien hätte geben können. Sie sind zwar leicht, schnell zu laden und weisen eine hohe Energiedichte auf - aber auch eine hohe Brandgefahr.

Im Zulassungsverfahren hatte Boeing angegeben, statistisch könne es alle zehn Millionen Flugstunden zu Problemen mit den Batterien kommen. Ein Großteil der Tests des Elektriksystems wurde aber nicht vom Flugzeugbauer selbst durchgeführt, sondern von Thales, dem französischen Hersteller der Bordelektronik, und GS Yuasa, dem japanischen Batterielieferanten, wie der Bericht belegt. Dazu kommt, dass Boeing-Mitarbeiter im Namen der FAA Zertifikate ausstellen können. Man kontrolliert sich also in gewisser Weise selbst.

Das NTSB stellt nun fest, dass die gesamte Dreamliner-Flotte zum Zeitpunkt des Boston-Vorfalls gerade einmal 52.000 Flugstunden auf dem Buckel hatte - weit weniger als im Zulassungsverfahren behauptet. Und dazu kommen noch die weiteren Probleme in Japan, die von den dortigen Behörden untersucht werden.

Die Ermittler wollen daher mit aller Gründlichkeit vorgehen, damit es nicht zu weiteren Bränden kommt. NTSB-Chefin Deborah Hersman erklärte, ihre Behörde wolle Mitte April ein Diskussionsforum zum Einsatz von Lithium-Batterien in der Luftfahrt veranstalten. Ende April solle es eine Anhörung zum konkreten Fall des Dreamliners geben. Boeing baut das Flugzeug zwar weiterhin - doch die Auslieferung ist vorerst gestoppt. Für Gerüchte, dass einige Maschinen schon bald zu weiteren Testflügen abheben können, gibt es aktuell keine Bestätigung.

chs

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1. ?
quark@mailinator.com 08.03.2013
Dumme Frage ... aber kann man nicht zumindest übergangsweise ein auf klassischer Technologie basierendes Batteriepack in den Laderaum stellen und anstelle der LiOn-Bats anschließen ? Die brennenden Dinger wiegen 200kg. Selbst wenn alte Technologie das Doppelte wiegt ... was soll's ? Ist mir unklar, wieso Boeing eine solche Möglichkeit nicht wenigstens als Backup schon vorausschauend mit zertifiziert hat.
2. Es gibt einen Ausweg
lackehe 08.03.2013
Um Piloten und Passagiere während des Fluges beschäftigen zu können, sollte man Tretmühlen einbauen, mit denen alle einige Dynamos bedienen sollen. Dann genügt auch eine kleine herkömmliche Batterie für die LED's .
3. Zeigt nur
TheBear 08.03.2013
Zitat von sysopAP/dpaWas war Schuld am Brand in einem Dreamliner von Boeing auf dem Flughafen Boston? Ein neuer Bericht von US-Ermittlern zeigt, wie schwer die Antwort auf diese Frage ist - und wie sehr sich Feuerwehrleute mühen mussten, die Situation überhaupt unter Kontrolle zu bekommen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/dreamliner-brand-experten-koennen-ursache-nicht-klaeren-a-887636.html
Zeigt nur, dass ich mit meiner oft geschmähten Forderung nach einem internationalen Zentrum für R&D für Batterien recht behalte. Entwicklung von Batterien (Akkus) kann man einfach nicht Auto- und sonstigen Firmen überlassen, man versteht einfach noch nicht die Schwierigkeiten auf dem Gebiet, wenn man plant Batterien mit einem akzeptablen Energiegehalt zu entwickeln.
4. optional
helmut.alt 08.03.2013
Batterien mit einer so hohen Ladungsdichte haben das Potential von Bomben. Nämlich dann wenn aufgrund eines Defekts die gespeicherte Energie schlagartig freigesetzt wird.
5. Kern ausstoßen
xees-s 08.03.2013
Die hätten mal bei raumschiff enterprise schauen sollen. Dort wird der Kern ausgestoßen, hier müssten die Batterien notausgestoßen werden, damit die außerhalb weiterbrennen können. Selbst bei BMW werden die Batterien per Sprengkapsel vom Bordnetz getrennt damit kein Brand im Motorraum ensteht. Außerdem ist mir schleierhaft warum Notfallventile zur Entlüftung nicht mechanisch öffnen wenn die Batterien versagen. Hoffentlich ist bei Airbus das Abnahmeverfahren besser als in den USA!
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