Frankreich Unbekannte Drohnen überfliegen sieben AKW

Das Wachpersonal meldet mysteriöse Überflüge: Drohnen über sieben Atomkraftwerken haben die Behörden in Frankreich alarmiert.

AKW Cattenom (Archivbild): Überflüge "ohne Folgen für die Sicherheit"
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AKW Cattenom (Archivbild): Überflüge "ohne Folgen für die Sicherheit"


Paris - Drohnen unbekannter Herkunft haben in den vergangenen Wochen sieben französische Atomkraftwerke überflogen. Der französische Stromkonzern und AKW-Betreiber EDF gab am Mittwochabend bekannt, deswegen Anzeige erstattet zu haben. Er betonte zugleich, die Überflüge seien "ohne Folgen für die Sicherheit oder den Betrieb der Anlagen" geblieben. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte dem Rundfunksender France Info, es seien Maßnahmen ergriffen worden, um die Flugkörper zu identifizieren und zu neutralisieren.

Die Drohnen wurden vom Wachpersonal der Atomkraftwerke gesichtet, meist in der Nacht oder in den frühen Morgenstunden. Angaben darüber, wer die Drohnen gesteuert haben könnte, wurden nicht gemacht. Betroffen waren laut EDF die AKW in Creys-Malville und Bugey im Südosten, Blayais im Südwesten, Cattenom and Chooz im Nordosten, Gravelines im Norden und Nogent-sur-Seine in der Nähe von Paris.

In Frankreich ist es verboten, Atomkraftwerke in einem Umkreis von fünf Kilometern und einer Höhe unter tausend Metern zu überfliegen. Für die Überwachung dieses Luftraums ist die französische Luftwaffe zuständig, wie es in einer Vereinbarung mit EDF geregelt ist.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace zeigte sich "sehr besorgt" über die "verdächtigen Überflüge". Drohnen hätten teilweise am selben Tag "vier weit auseinanderliegende" Atomkraftwerke überflogen. "Das zeugt von einer großangelegten Operation." Auch das Kommissariat für Atomenergie in Saclay nahe Paris sei überflogen worden.

Greenpeace betonte, nicht hinter den Drohnenflügen zu stecken. Im Mai 2012 hatte die Umweltschutzorganisation mit einer Drohne gefilmt, wie ein deutscher Greenpeace-Aktivist mit einem motorisierten Gleitschirm das Atomkraftwerk Bugey im Osten Frankreichs überflog, eine Rauchbombe abwarf und auf dem Gelände landete. Mit der spektakulären Aktion wollte Greenpeace auf Sicherheitsmängel bei französischen Atomkraftwerken aufmerksam machen. Im März hatten Dutzende Atomkraftgegner die Zufahrt zur Anlage in Bugey blockiert.

Frankreich bezieht rund drei Viertel seines Stroms aus Atomkraft, der Anteil soll bis 2025 auf 50 Prozent gesenkt werden. EDF ist der Betreiber aller 19 französischen Atomkraftwerke mit ihren zusammen 58 Reaktoren.

Was wurde eigentlich aus...
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hda/AFP



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Volks.Hirn 30.10.2014
1. Immer noch ohne Wunderbeton-Schutz?
Dabei zeigte das Pentagon doch wie einfach und wirkungsvoll (ZWEI Turbinenwellen praktisch in Luft aufgelöst) der doch ist...
lafrench 30.10.2014
2.
ich glaube den Verts/frz. Grünen gerne, dass sie es nicht gewesen sind. -Industriespionage? -Terrorismus? Man weiß es nicht - und irgendwie wäre eine Kritik der fehlenden Aufklärung, warum kein Abschuss stattgefunden hat, auch sinnvoll vom Spiegel. Zusätzlich wäre es das Mindeste gewesen, in dem Artikel darauf hinzuweisen oder wenigstens zu erwähnen, dass die offiziellen Presseerklärungen der frz. Atombehörde lächerlich sind: "Die Bevölkerung war zu keinem Zeitpunkt gefährdet" Von wegen! Mit solcher offiziellen Fehlkommunikation kommt die frz. Atombehörde beim Spiegel durch? So mutig wäre eine Kritik der frz. offiziellen Organe auch nicht. - Wirklich. - Nur erwartbar wäre sie gewesen!
zapp-zarapp 30.10.2014
3. nur so am Rande ...
... wurde nicht auf SPON kürzlich berichtet, dass der IS auch In Kobane Luftbildmaterial mittels Drohnen gesammelt hat? Na dann hoffen wir doch mal, dass es in Frankreich nur Umweltaktivisten waren ...
raber 30.10.2014
4. Drohnen als Vehikel für Angriffe auf AKWs?
Für mich als Laien kingt es gefährlich wenn irgendeine Terroristenbande, z.B. ISIS, eine Bombe dranhängt und eine Anzahl Drohnen auf ein AKW loslässt. Hoffentlich bin ich zu pesimistisch. Allerdings sehe ich die Gefahr nicht nur für Frankreich.
angste 30.10.2014
5. Das kommt davon
wenn man Schiffe an Russland liefern will. Aber nein, nur ein zeitlicher Zufall
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