Alternative Antriebe Ihr Lufttaxi kommt bald

Fliegende Taxis sind Zukunftsmusik? Vielleicht werden Sie schneller in einem sitzen als Sie glauben - mehrere Unternehmen entwickeln Elektro- und Hybridmodelle. Doch die Ökoprobleme der Luftfahrt lassen sich so zunächst nicht lösen.

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Auf den ersten Blick könnte man den kleinen schwarz-weißen Multicopter für ein teures Spielzeug halten. Doch das Modell des "City Airbus", das der Flugzeugbauer gerade beim "Future Lab" auf der Luft- und Raumfahrtmesse ILA in Berlin ausstellt, soll zeigen, wie sich die Firma die Zukunft des Reisens vorstellt - zumindest für einen Teil der zukünftigen Passagiere.

Die Neuentwicklung sei "perfekt für urbane Umgebungen", so Marius Bebesel, Chef des "City Airbus"-Programms auf der Messe. Ausgestattet mit acht Rotoren soll das Fluggerät als eine Art fliegendes Taxi in den Metropolen dieser Welt unterwegs sein. Leise, sicher und komfortabel für die Fluggäste. Bis zu vier Passagiere sollen - autonom oder mit Piloten - befördert werden. "Um es provokativ zu sagen: Wir entwickeln hier kein Spielzeug", sagt Bebesel. Man arbeite an einem Produkt, das für die Serienfertigung und den Massenmarkt geeignet sei.

Ähnliche Ambitionen haben auch der US-Fahrdienstvermittler Uber, der Flugzeugbauer Embraer mit seinem "Elevate"-System sowie die deutschen Start-ups e-volo und Lilium. Bei Lilium hat man den zweisitzigen Prototypen "Eagle" zwar schon im Flug getestet, die Weiterentwicklung zum Fünfsitzer wird aber noch gebaut.

Auch der "City Airbus" fliegt noch nicht. Einstweilen wird erst einmal das geplante Antriebssystem in der Nähe von München im Teststand geprüft. Einen ersten Start des Demonstrators soll es dann Ende des Jahres geben.

Die Luftfahrt hat ein CO2-Problem

Eine beeindruckende Zahl von Unternehmen arbeitet derzeit an Elektro- oder Hybridflugzeugen. Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat man den viersitzigen Wasserstoffflieger HY4 entwickelt. Der Flugzeugbauer Boeing kann es sich leisten, größer zu denken. Er hat sich mit Partnern zusammengetan, um beim Unternehmen Zunum Aero einen hybrid-elektrischen Zwölfsitzer zu entwickeln. Billigflieger Easyjet wiederum will noch höher hinaus. Die Firma kooperiert mit dem US-Unternehmen Wright Electronic beim Bau eines Elektroflugzeugs mit 150 bis 200 Plätzen.

Diese Projekte haben auch damit zu tun, dass die Luftfahrtbranche insgesamt ein massives Ökoproblem hat - und große Versprechen abgegeben hat, sich darum zu kümmern: Ab dem Jahr 2020 soll der Sektor ohne zusätzliche CO2-Emissionen wachsen. Und bis zur Mitte des Jahrhunderts soll dann der Ausstoß an Treibhausgas um die Hälfte sinken. Da könnten neben Entwicklung und Einsatz alternativer Treibstoffe eben auch Elektro- und Hybridflieger helfen.

Allerdings ist eine ganze Reihe von Konzepten schon vor ein paar Jahren wieder in den Schubladen verschwunden: Boeing hat 2008 an einem Wasserstoffflieger gearbeitet - mehr als ein Prototyp kam dabei nicht heraus. Bei Airbus ertüftelte man man den Zweisitzer "E-Fan". Doch auch der wurde nach - erfolgreichen - Testflügen nie zum richtigen Serienprodukt. Nun soll sich das ändern, weil Batterien leistungsfähiger und Bauteile leichter geworden sind.

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Elektro- und Hybrid-Flugzeuge: Abheben in die Zukunft

Inzwischen forscht man bei Airbus zusammen mit Siemens. Man hat gemeinsam den kleinen Elektroflieger "eFusion" entwickelt, danach einen ebenfalls kleinen Hybriden. Jetzt sitzen die Partner am Konzept "E-Fan X". Dafür wollen die Ingenieure einen BAe-146-Regionaljet umbauen - und zunächst eines von vier Triebwerken auf Elektroantrieb umstellen, später dann womöglich ein zweites.

Im Jahr "Zwanzig-X" wolle man ein Flugzeug vorstellen, das eine Alternative zum A320 sein könnte, sagt Andrew Anderson, vom Corporate Technology Office von Airbus auf der ILA. Er spricht von einem "massiven Sprung" bei der Technologie, der allein seit dem Jahr 2016 stattgefunden habe.

Diese Chancen wollen auch neue Player nutzen. Auf der Pariser Luftfahrtmesse im kommenden Jahr will Omer Bar Yohay, Chef der israelischen Firma Eviation, seinen Elektroflieger "Alice" vorstellen. Neun Passagiere und zwei Crew-Mitglieder sollen darin bis zu 1200 Kilometer weit fliegen können. Rund 60 Prozent des Startgewichts dürften auf die Batterien entfallen, 9400 Zellen sind im Flugzeug verteilt: vom Fußboden über die Flügel bis zur Decke.

400 Kurskorrekturen pro Sekunde

"Wir bauen eines der wenigen elektrisch angetriebenen Flugzeuge, das unter den heute gültigen Regeln zertifiziert und betrieben werden kann", sagt Bar Yohay. Die Zulassung werde dadurch in zwei oder zweieinhalb Jahren zu schaffen sein, glaubt der Firmenchef. Seinen Kunden verspricht er einen besonders ruhigen Flug, "Alice" korrigiere ihren Kurs 400 Mal pro Sekunde. Und teuer solle das ganze auch nicht sein: "Wir werden billiger und schneller als das Auto sein", so der Firmenchef.

Ähnlich große Versprechen macht auch Jan-Hendrik Boelens von e-volo: "Wir wollen das sicherste Flugzeug der Welt bauen." Und billig sein wolle man auch. Man wolle keinen Service für ein paar wenige Gutbetuchte anbieten.

Wer sich mit den Konzepten für Elektro- und Hybridflieger befasst, merkt allerdings irgendwann: So faszinierend sie sind, werden all diese Luftfahrzeuge erst einmal kaum Passagiere aus traditionellen Jets zum Umstieg auf weniger umweltschädliche Modelle bringen. Das liegt an den physikalischen Grenzen der Batterien. Diese machen einstweilen nur vergleichsweise kleine Flieger möglich, die auf eher kurzen Strecken unterwegs sind - an Transatlantikrouten ist nicht zu denken.

Die neuen Flieger dürften also vor allem neue Kundengruppen in die Luft bringen. "Wir sehen uns nicht als Wettbewerber von Ryanair", sagt auch Eviation-Chef Bar Yohay. "Alice" sei eher eine Konkurrenz zum Auto oder zu kleinen Privatflugzeugen, betrieben von Lufttaxi-Anbietern und Charterliegern. Auch Jan-Hendrik Boelens von e-volo sagt, man konkurriere nicht mit anderen Angeboten. Man schaffe einen neuen Markt.

Interessenten dafür gibt es bereits: Sie freue sich auf ihre erste Reise in einem fliegenden Taxi, sagt etwa Wirtschafts-Staatssekretärin Dorothee Bär auf der ILA. "Ich hoffe, dass das bald losgehen kann". Mit längeren Strecken wird es dagegen dauern.

Wann er sich vorstellen könne, ein Ticket für einen Elektroflieger von Berlin nach Paris zu kaufen, wird etwa Airbus-Manager Anderson auf der ILA gefragt. Um das Jahr 2035 könnte es soweit sein, sagt er. Ähnlich äußert sich auch Siemens-Mann Anton. Er hoffe, dass er dann mit weiteren 59 Passagieren in der Maschine sitze.



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fahrgast07 28.04.2018
1. Autowahn auch in der Luft?
Werden die Lufttaxis zum Privileg der Obersten (Frau Bär z.B.), während der Rest nur den Lärm abbekommt? Oders soll das ein Massenverkehrsmittel werden? Dann haben wir den Autowahn unserer Städte auch ständig über den Köpfen. Beides Horrorvisionen! Sicher eine geniale Technik für Rettungsdienste und Polizei. Aber Verkehrsprobleme lösen sie nicht.
sonnemond 28.04.2018
2. Vogelsterben in Deutschland
Seit 1985 ist die Anzahl der Vögel um 85 Prozent geschrumpft. Auch bei Waldspaziergängen möchte ich so ein Ding nicht plötzlich über mir haben, denn bei einem urbanen Gebrauch wird es nicht bleiben. Lufträume sollten rigoros geschützt werden auch über jedem besiedelten Gebiet. Die Dinger können zudem jederzeit als Waffe benutzt werden. Lufttaxis sind das Letzte was wir brauchen.
quark2@mailinator.com 28.04.2018
3.
Wer jemals in der Nähe eines stationierten Hubschraubergeschwaders gelebt hat weiß, was es für einen unerträglichen Lärm gäbe, wenn sich sowas durchsetzt. Wir haben es nichtmal geschafft, die Harley-Fahrer davon abzuhalten, nachts um 3 laut ballernd durch die Orte zu knattern. Da brauch ich jetzt den Heute-ist-Bundesliga-Polizeihubschrauber nicht die ganze Woche über dem Dach. Sonntag reicht völlig. So interessant ich Drohnen aus technischer Sicht finde - als Teil meiner Lebensumgebung will ich sie nicht. Die Vögel würden vermutlich auch völlig meschugge :-).
keksguru 28.04.2018
4. hat mal einer das Lärmproblem bedacht?
ich wohne 2 km neben einem Hubschrauberlandeplatz der Bundespolizei in Bonn-Hangelar, und bin schon jetzt von dem Flugverkehr genervt. Man stelle sich dann mal vor, wenn noch hunderte von Roboter-Hubis über den Rhein sirren würden... mal davon abgesehen von dem ganzen Sturm den so ein Fluggerät beim Landen verursacht. Sollte man mal ganz schnell vergessen, und es sind ja acuh bauliche Maßnahmen nötig denn Hubschrauberlandeplätze gibts nun mal nicht so viele, und mal so eben auf der Straße landen würde so ein Flugauto auch eher nicht. Ich halte das für eine Utopie und Spielzeuge einer reichen Oberschicht, denn niemand sonst würde sich so einen Flug leisten. Ein Hubi kost gut und gerne 1000 Euro die Stunde, und viel günstiger wären solche Drohnen ja anfänglich auch nicht.
sikasuu 28.04.2018
5. Technisch ist das vielleicht möglich, doch wie der Betrieb...
... in/über der Stadt damit sicher möglich sein soll, bleibt ein Geheimnis der Entwickler! . Und, wie das von der Gesetzeslage, den Genehmigungen usw. in den allgemeinen Luftverkehr einzubauen ist..??? . Vor einem Flugplatz z.B. kann keins dieser Taxis ohne Freigabe starten da Luftraum C. Eine Freigabe kann das nicht bekommen weil , der Fahren hat keine "Qualifikation dafür (PPL usw.) Personen darf der auch nicht befördern (APTL.) und und und..... . Allein die luftrechtliche (international) Regeln anzupassen dürfte Jahrzehnte dauern. Da sie EASA,FAA & das LBA vor., . Bevor diese nicht zertifiziert sind, wird das nix & wenn die als Leichtflugzeuge/Sportgeräte zugelassen werden, darf man damit niemand gegen Entgelt befördern:-) . Wie das mit dem Flugplatzzwang & der Mindesthöhe über dem Ballungraum gehen soll? Wie diese Dinger gewartet & geprüft werden müssen....??? . KLar kann man diese "Dinger" als Experimental, zulassen, dann dürfen die auf dem Land weit vom Ballungsraum fliegen... . Fragen über Fragen, kommt mir als Neuauflage von Ideen von 1.900 vor, bewegliche Häuser, Luftfahrräder & man trifft sich in der Luft, steht still (da Ballon oben) & hält eine Schwätzchen! (Gibt schöne alte Bilder davon:-) . Mal gespannt was von diesen Ideen in 10-20 Jahren realisiert wird:-)
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