Atomsicherheit: Pannen in Philippsburg nachträglich hochgestuft
Ein Problem im Notkühlsystem des Atomkraftwerks Philippsburg war im Januar 2010 offenbar gravierender als bisher bekannt. Das hat der Energieversorger EnBW eingestanden. Die zuständigen Landesbehörden üben weitere Kritik.
Philippsburg - Mit mehr als zweijähriger Verzögerung sind zwei Pannen im Atomkraftwerk Philippsburg bekanntgegeben worden, die offenbar ernster waren als zunächst mitgeteilt. So hat der Energieversorger EnBW nachträglich ein im Januar 2010 als nicht meldepflichtig eingestuftes Ereignis beim jüngeren Block II nun als Ereignis der Kategorie E, also Eilmeldung, hochgestuft. Es ging damals um Probleme beim Notspeisesystem zur Kühlung der Anlage.
Außerdem teilte das baden-württembergische Umweltministerium mit, dass es im Mai 2009 beim gleichen Block über mehr als zwei Wochen Mängel beim Feuerlöschsystem gegeben habe. "Dabei wurden zahlreiche Betriebsvorschriften nicht beachtet", stellte das Ministerium fest. Die Verantwortlichen sollen sich nun bei einem Gespräch im baden-württembergischen Umweltministerium erklären.
Auch jenseits des Rheins gibt es Probleme mit der Atomsicherheit. Im grenznahen französischen Atomkraftwerk Cattenom hat es am Donnerstag erneut einen Zwischenfall gegeben. Das teilte das saarländische Umweltministerium in Saarbrücken mit. Es handele sich um einen Zwischenfall der niedrigsten von insgesamt sieben Stufen: In einer Stromleitung außerhalb des Kraftwerks sei ein elektrischer Fehler aufgetreten.
Der betroffene Block 1 steht den Angaben zufolge seit 18. Februar wegen Wartungsarbeiten still. Das Ministerium kritisierte, dass es zwei Stunden gedauert habe, bis der Fehler gefunden worden sei - doppelt so lange wie vorgeschrieben. Der saarländische Umweltminister Andreas Storm (CDU) verlangte die sofortige Abschaltung des gesamten Atomkraftwerks - zumindest so lange, bis die von den Ländern Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg verlangte Nachrüstung erfolgt sei. Erst vergangenes Wochenende musste Block 2 des Kraftwerks zum dritten Mal seit Anfang Februar ungeplant abgeschaltet werden.
Frankreichs nationale Atomaufsichtsbehörde ASN hatte den vier Reaktoren von Cattenom - wie auch den übrigen 54 im Land - Anfang dieses Jahres bescheinigt, sicher zu sein. Bei keinem einzigen Kraftwerk gebe es die Notwendigkeit einer sofortigen Stilllegung.
chs/dpa
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