Atomsicherheit: Pannen in Philippsburg nachträglich hochgestuft

Ein Problem im Notkühlsystem des Atomkraftwerks Philippsburg war im Januar 2010 offenbar gravierender als bisher bekannt. Das hat der Energieversorger EnBW eingestanden. Die zuständigen Landesbehörden üben weitere Kritik.

AKW Philippsburg (im März 2011): Probleme beim Notspeisesystem zur Kühlung Zur Großansicht
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AKW Philippsburg (im März 2011): Probleme beim Notspeisesystem zur Kühlung

Philippsburg - Mit mehr als zweijähriger Verzögerung sind zwei Pannen im Atomkraftwerk Philippsburg bekanntgegeben worden, die offenbar ernster waren als zunächst mitgeteilt. So hat der Energieversorger EnBW nachträglich ein im Januar 2010 als nicht meldepflichtig eingestuftes Ereignis beim jüngeren Block II nun als Ereignis der Kategorie E, also Eilmeldung, hochgestuft. Es ging damals um Probleme beim Notspeisesystem zur Kühlung der Anlage.

Außerdem teilte das baden-württembergische Umweltministerium mit, dass es im Mai 2009 beim gleichen Block über mehr als zwei Wochen Mängel beim Feuerlöschsystem gegeben habe. "Dabei wurden zahlreiche Betriebsvorschriften nicht beachtet", stellte das Ministerium fest. Die Verantwortlichen sollen sich nun bei einem Gespräch im baden-württembergischen Umweltministerium erklären.

Auch jenseits des Rheins gibt es Probleme mit der Atomsicherheit. Im grenznahen französischen Atomkraftwerk Cattenom hat es am Donnerstag erneut einen Zwischenfall gegeben. Das teilte das saarländische Umweltministerium in Saarbrücken mit. Es handele sich um einen Zwischenfall der niedrigsten von insgesamt sieben Stufen: In einer Stromleitung außerhalb des Kraftwerks sei ein elektrischer Fehler aufgetreten.

Der betroffene Block 1 steht den Angaben zufolge seit 18. Februar wegen Wartungsarbeiten still. Das Ministerium kritisierte, dass es zwei Stunden gedauert habe, bis der Fehler gefunden worden sei - doppelt so lange wie vorgeschrieben. Der saarländische Umweltminister Andreas Storm (CDU) verlangte die sofortige Abschaltung des gesamten Atomkraftwerks - zumindest so lange, bis die von den Ländern Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg verlangte Nachrüstung erfolgt sei. Erst vergangenes Wochenende musste Block 2 des Kraftwerks zum dritten Mal seit Anfang Februar ungeplant abgeschaltet werden.

Frankreichs nationale Atomaufsichtsbehörde ASN hatte den vier Reaktoren von Cattenom - wie auch den übrigen 54 im Land - Anfang dieses Jahres bescheinigt, sicher zu sein. Bei keinem einzigen Kraftwerk gebe es die Notwendigkeit einer sofortigen Stilllegung.

chs/dpa

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Die Verantwortlichen ...
mborevi 16.03.2012
Zitat von sysopEin Problem im Notkühlsystem des Atomkraftwerks Philippsburg war im Januar 2010 offenbar gravierender als bisher bekannt. Das hat der Energieversorger EnBW eingestanden. Die zuständigen Landesbehörden üben weitere Kritik. Atomsicherheit: Pannen in Philippsburg nachträglich hochgestuft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,821708,00.html)
... sollen sich im Umweltministerium erklären ... ??? Das ist doch ein Fall für den Staatsanwalt: Absichtliche Täuschung und Gefährdung von Millionen Menschen. Vielleicht versuchter Totschlag?
2.
harry_buttle 16.03.2012
Eine Eilmeldung nach mehr als zwei Jahren .... Reschpekt! ---Zitat--- ... beim gleichen Block über mehr als zwei Wochen Mängel beim Feuerlöschsystem gegeben habe. "Dabei wurden zahlreiche Betriebsvorschriften nicht beachtet", stellte das Ministerium fest. Die Verantwortlichen sollen sich nun bei einem Gespräch im baden-württembergischen Umweltministerium erklären. ---Zitatende--- Was passiert eigentlich, wenn ein KFZ-Halter bei einer Verkehrskontrolle keinen Feuerlöscher (oder nur einen funktionsuntüchtigen) vorweisen kann?
3. Erstens
felisconcolor 16.03.2012
Zitat von mborevi... sollen sich im Umweltministerium erklären ... ??? Das ist doch ein Fall für den Staatsanwalt: Absichtliche Täuschung und Gefährdung von Millionen Menschen. Vielleicht versuchter Totschlag?
Handelte es sich um einen Fehler im Notspeisesystem. Ein System was nur in einem Notfall zum Einsatz gekommen wäre. Zweitens Es hat keinen Notfall gegeben. Macht auch keinen Sinn hier einen Notfall hinein zu interpretieren. (Lassen sie ihr Auto stehen wenn sie vermuten der zweite Bremskreis könnte evtl. ausfallen?) Nun ja der fehler wurde nicht in 1 Stunde sondern erst in 2 behoben. Fakt ist, er wurde behoben. Daraus einen Fall für die Staatsanwaltschaft zu konstruieren ist doch mehr als absurd. Andererseits steht es ihnen frei Anklage zu erheben. Wundern sie sich nicht wenn man sie auslacht. Ach ja. Kleiner Tip. Kommen sie mal wieder in der Realität an. Ist gesünder für sie. Stress kann tödlich sein.
4. ^^
vostei 16.03.2012
Zitat von felisconcolorHandelte es sich um einen Fehler im Notspeisesystem. Ein System was nur in einem Notfall zum Einsatz gekommen wäre. Zweitens Es hat keinen Notfall gegeben. Macht auch keinen Sinn......
Da der Notfall ohnehin nie eintritt, kann man ja getrost auf das System verzichten - kostet nur Geld und Energie und macht noch dazu schlechte Presse, weg damit! :o) Seriousmodon: Sie sprechen von Realitätsverlust?
5. Dann
spon-1317319864453 16.03.2012
Zitat von felisconcolorHandelte es sich um einen Fehler im Notspeisesystem. Ein System was nur in einem Notfall zum Einsatz gekommen wäre. Zweitens Es hat keinen Notfall gegeben. .
Dann braucht man ja gar kein funktionierendes Notfallsystem, reine Geldverschwendung.
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