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Hochradioaktiver Atommüll: "Endlager erst in hundert Jahren"

Castor-Behälter: Wohin mit dem strahlenden Erbe? Zur Großansicht
DPA

Castor-Behälter: Wohin mit dem strahlenden Erbe?

Wo wird der hochradioaktive Abfall aus deutschen Atomkraftwerken untergebracht? Die Einrichtung eines Endlagers werde länger dauern und teuer für den Steuerzahler, mahnt eine Regierungskommission.

Die bundesweite Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll und dessen Bau könnten sich nach Ansicht von Experten um Jahrzehnte verzögern und deshalb deutlich teurer werden. Eine Arbeitsgruppe der Endlager-Suchkommission sagt nach einem Bericht der "Frankfurter Rundschau" in einem jetzt vorgelegten Papier voraus, dass das Projekt möglicherweise erst Mitte des nächsten Jahrhunderts abgeschlossen sein werde.

Demnach erwarten die Experten das Einbringen des letzten Atommüll-Behälters erst "zwischen 2075 und 2130" und den "Zustand eines verschlossenen Endlagerbergwerks zwischen 2095 und 2170 oder später".

Der Kommissionsvorsitzende Michael Müller (SPD) sagte der Zeitung, die Kosten dafür könnten deshalb in den nächsten Jahrzehnten auf 50 bis 70 Milliarden Euro steigen. Die Rückstellungen der vier Stromkonzerne E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall, die diese für Abriss der Atomkraftwerke, Zwischen- und Endlagerung gebildet haben, liegen derzeit bei etwas unter 40 Milliarden Euro. "Auf den Staat kommen erhebliche finanzielle Risiken zu, wie das auch die Untersuchungen des Bundeswirtschaftsministeriums zeigen", meint Müller.

Gefahr in Zwischenlagern

Die Bundesregierung ist angesichts der wirtschaftlichen Schwierigkeiten der vier AKW-Betreiber in Sorge, dass die Verpflichtungen zum Kraftwerksabriss sowie zur Endlagerung des Mülls nicht mehr erfüllt werden könnten. Befeuert wurden die Bedenken durch die Aufspaltung des E.ON-Konzerns, der sich auf zukunftsträchtigere Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien konzentrieren will. So kam die Frage auf, was bei einer Pleite einer Betreibergesellschaft der Kraftwerke mit den Rückstellungen geschieht und wie man Risiken abwenden kann.

Auch ein deswegen von der Regierung in Auftrag gegebenes Gutachten sieht erhebliche Gefahren für den Steuerzahler und empfiehlt einen öffentlichen Fonds für den AKW-Abriss, in dem ein Teil oder die gesamten Rückstellungen fließen sollten. Zudem will das Wirtschaftsministerium die Jahresabschlüsse der AKW-Betreiber einem sogenannten Stresstest unterziehen, um zu sehen, ob die in den Bilanzen verankerten Rückstellungen auch verlässlich verfügbar sind.

Michael Sailer, Mitglied der Endlagersuchkommission, warnte in der "Frankfurter Rundschau" vor andauernder Übergangslösung: "Ohne zügige Abwicklung der Endlagersuche könnte Atommüll in einigen Zwischenlagern bis nach 2100 bleiben", sagte er. Es bestehe die Gefahr, dass große Mengen Radioaktivität freigesetzt würden, da die oberirdischen Lager eher gefährdet seien als ein Endlager - etwa durch Krieg oder Terrorismus.

Atommüll ins Ausland?

"Die Zwischenlagerung als Quasi-Dauerzustand hinzunehmen, würde künftige Generationen unverantwortlich belasten", mahnte Sailer, der auch Chef der Entsorgungskommission des Bundes ist.

Die 33-köpfige Kommission aus Politikern, Fachleuten und Vertretern der Zivilgesellschaft hatte im Mai 2014 die Arbeit aufgenommen. Sie soll bis 2016 die Kriterien der Suche erarbeiten. Bis 2031 soll ein Endlager gefunden sein. Grund sind die Zweifel an dem seit 1977 als einzige Option im Fokus stehenden Salzstock Gorleben.

Bisher haben sich nur Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg bereiterklärt, hochradioaktiven Atommüll zwischenzulagern - nötig ist mindestens ein drittes Land, das sich aber nicht findet. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) plant, die Behälter nun bundesweit unterzubringen. Zuletzt hatte ein Energiemanager aus Baden-Württemberg vorgeschlagen, ein Endlager für deutschen Atommüll im Ausland zu suchen.

boj/dpa/Reuters/AFP

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 236 Beiträge
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1. Zahltag St. Nimmerlein
cassandros 20.04.2015
Die "deutsche Gründlichkeit" wird am Ende dazu führen, daß die Radioaktivität fast völlig abgeklungen sein wird, bevor unsere Politiker zu einer Entscheidung kommen. Lächerlich das Ganze; es zeigt aber die ganze Dimension des Problems mit diesem hochgefährlichen Abfall. Feststehen tut lediglich, wer am Ende die Rechnung bezahlen wird: wie immer die Verbraucher, nicht die Abfallerzeuger.
2. Endlager...
fatherted98 20.04.2015
...sind Schwachsinn. Das einzig vernünftige ist, die Zwischenlager überirdisch auszubauen in denen der Müll kontrolliert steht und jederzeit ein Austritt registriert werden kann. Die Verklappung in unterirdische Bergwerke ist ein Windei das in Deutschland schon seit 40 Jahren durch die Landschaft fegt. Kommt endlich weg von der Vorstellung den Dreck einfach unter die Erde zu schaffen.
3. noch Schlimmer als gedacht
Mr Bounz 20.04.2015
Aber eigentlich war es ja zu erwarten. Die CSU will Atomkraft, aber keine Abfälle. Typisch Das GÜNSTIGE am Atomstrom ist für die Verursacher die Tatsache das Sie lange Tod sind bevor die Probleme auch nur ansatzweise gelöst sind. Wirklich Irre das es immer noch Menschen gibt die gerne mehr von dieser Totengräber-Technoliogie hätten.
4. Es wird nie ein
frank1980 20.04.2015
"Endlager" geben. Wir sind nicht in der Lage für einen Punkt der Erde zu sagen: Dort wird sich in Millionen Jahren nichts verändern. Wenn keine Möglichkeit des Recylings gefunden wird, werden die nächsten paar 50.000 - 1.000.000 Jahre !!!! kosten für die Lagerung anfallen.
5.
rolarndt 20.04.2015
Die Gewinne sind abgeschöpft und bei den Spekulanten gelandet. Die Beseitigung des Drecks darf der Steuerzahler bezahlen. So funktioniert der Kapitalismus. Ich halte das für ein Verbrechen an der Allgemeinheit. Die Spekulationsgewinne der Energieaktionäre gehören rückwirkend für 50 Jahre versteuert.
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Neustart fürs Endlager: Die Suche nach dem Endlager

Was kostet der Atomausstieg?
Zu den Kosten des Atomausstiegs kursieren verschiedene Zahlen. Die wichtigsten Werte im Überblick:
Privatwirtschaftliche Investitionen
Für den Atomausstieg müssen neue Windräder, Solaranlagen, Biomasseanlagen und Gaskraftwerke gebaut werden. Stromleitungen müssen ausgebaut werden. Hinzu kommen Investitionen in Energieeffizienz. Nach SPIEGEL-ONLINE-Berechnungen belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 170 Milliarden Euro bis 2020. Andere Forschungsinstitute kommen auf ähnliche Werte.
Haushalt
Die Politik streitet vor allem darüber, was die Energiewende für Auswirkungen auf den Haushalt hat. Die im vergangenen Jahr beschlossene Brennelementesteuer etwa sollte der Regierung jährlich 2,3 Milliarden Euro bringen. Jetzt drohen die Energieversorger, gegen die Abgabe zu klagen - ihrer Ansicht nach war sie an die Laufzeitverlängerung gekoppelt. Manche fordern neue Subventionen für Industrien mit besonders hohem Energiebedarf.

Gleichzeitig verknüpft die Regierung Ausgaben mit dem Programm, die für den Atomausstieg gar nicht nötig sind: So will sie die Mittel für die Wärmedämmung alter Gebäude steigern. Generell gilt: Entschieden ist noch nichts - für Kostenberechnungen in puncto Haushalt ist es noch zu früh.
Strompreis
Die Preise für Endverbraucher werden auf absehbare Zeit nur wenig steigen. Denn der Strom, den sie beziehen, wird stets über mehrere Jahre eingekauft. Der aktuelle Preisschub fällt vorerst kaum ins Gewicht.

Bis Ende des Jahrzehnts könnte der Preis indes um mehrere Cent steigen. Allein durch den Netzausbau und die Großhandelspreise wäre ein Anstieg um drei Cent möglich - dazu kämen Milliardenkosten aus der EEG-Umlage.ssu

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