Energiemanager zur Endlagersuche "Atommüll ins Ausland bringen"

Stark strahlender Abfall aus Atomkraftwerken sollte im Land bleiben, wo er erzeugt wurde - so lautet das gängige Prinzip. Der Chef eines Energieverbandes aber bringt nun Endlager im Ausland ins Spiel.

Castor-Transport: Wohin mit dem strahlenden Erbe?
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Castor-Transport: Wohin mit dem strahlenden Erbe?


Der Chef des Verbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW), ein Eigentümer des Energieversorgers EnBW, glaubt an eine Wende bei der Endlagersuche. Stark strahlender Atommüll könne durchaus im Ausland endgelagert werden.

"Ich bin ziemlich sicher, dass es der Politik nicht gelingen wird, in der dicht besiedelten Bundesrepublik Deutschland einen geologisch geeigneten Standort für ein Endlager durchzusetzen. Das versucht man doch schon 20 Jahre erfolglos", sagte OEW-Chef Heinz Seiffert der Deutschen Presse-Agentur. Er glaube an eine Lösung im Ausland.

OEW gehören 46,75 Prozent des Energiekonzerns EnBW, das Land Baden-Württemberg hält ebenfalls Anteile von 46,75 Prozent. EnBW produziert Strom mit Kohle, Gas, Öl, erneuerbarer Energie und Atomkraft. AKW-Standorte sind Philippsburg, Neckarwestheim und Obrigheim.

Derzeit nutze Deutschland - zumindest wenn es nicht genügend eigenen Strom gibt - Atomstrom aus dem Ausland, sagte Seiffert. "Da ist es doch nicht unlogisch, auch unseren Atommüll dort hinzubringen - es gibt auch in diesem Bereich einen Weltmarkt", erklärte der CDU-Landrat des Alb-Donau-Kreises.

Heinz Seiffert: Der OEW-Chef fordert Tempo bei der Energiewende
DPA

Heinz Seiffert: Der OEW-Chef fordert Tempo bei der Energiewende

Er sorge sich, dass man in 30 oder 40 Jahren weiterhin auf oberirdische Zwischenlager angewiesen sein könne, weil kein Endlager in Deutschland gefunden werden konnte. "Und das halte ich eindeutig für unsicherer, als wenn der Atommüll in geeigneten Gesteins- oder Salzschichten 1500 Meter unter der Erde lagert."

Baden-Württembergs Energie- und Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) lehnte den Vorstoß kategorisch ab. "Es ist abwegig, darüber nachzudenken, den Müll um die halbe Welt zu schicken und zu glauben, damit das Problem lösen zu können", sagte ein Sprecher. Deutschland trage für den in seinen Atomkraftwerken produzierten radioaktiven Abfall eine Verantwortung, die sich nicht delegieren lasse.

Probleme der Energiewende

Mit der strahlenden Hinterlassenschaft der Energiepolitik der vergangenen Jahrzehnte müsse man umgehen. Deshalb gebe es ein Endlagersuchgesetz, das CDU, SPD, FDP und Grüne gemeinsam verabschiedet hätten. Und es gebe eine Kommission, die daran arbeite, die Suche in die richtige Bahn zu bringen. "Das ist kein leichter Prozess, aber es ist der einzig gangbare und Erfolg versprechende Weg", sagte Unterstellers Sprecher weiter.

Hans-Ulrich Rülke, FDP-Fraktionschef im Landtag von Baden-Württemberg, betonte: "Deutscher Atommüll ist ein deutsches Problem." Erst wenn hier kein geeigneter Standort gefunden werde, sollte über eine Lösung im Ausland nachgedacht werden. CDU-Fraktionschef Peter Hauk sagte: "Die maximale Sicherheit steht im Vordergrund, wenn es um die Entscheidung eines Endlagers geht."

OEW-Chef Seiffert ist zugleich Mitglied des Aufsichtsrats bei der EnBW, dem drittgrößten Energieversorger Deutschlands. Seiffert forderte Tempo bei der Energiewende. Sie sei gesellschaftspolitisch gewollt und richtig, befinde sich aber in einer Sackgasse, weil sie zu schnell und ohne genügende Folgenabschätzung vorangetrieben worden sei. "Wir brauchen endlich die politischen Rahmenbedingungen, um auch die Grundlast und Netzstabilität zu sichern."

Zur Energiewende gehöre nicht nur die Förderung der erneuerbaren Energien, sagte Seiffert. "Wir schalten mit den Kernkraftwerken Grundlast ab - und deshalb muss die Bundesregierung dafür sorgen, dass der Bau effizienter Gaskraftwerke wirtschaftlich darstellbar wird." Auch müsse es Anreize geben, um Speicherkapazitäten für überschüssigen Wind- und Solarstrom zu schaffen.

boj/dpa

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
Ishibashi 05.01.2015
1. Import von Uran
ist gut, Export ist schlecht. Können die Grünen mal erklären warum ?
martus1789 05.01.2015
2. Sofort abschalten
Die Sorge, kein Atommüllendlager im dicht besiedelten Deutschland zu finden, ist berechtigt. Aber die wahre Konsequenz daraus kann nur bedeuten: Alle Atomkraftwerke in Deutschland sofort abschalten.
tims2212 05.01.2015
3. Ich weiss...
... es ist unrealistisch, aber warum arbeitet man nich einfach daran, den ganzen Kram einfach in die Sonne zu schiessen!?
kumi-ori 05.01.2015
4.
Atommülllagerung im Ausland hat ja die Schweiz schon mal versucht. Kurz danach fand man die strahlende Fracht in Russland auf einem einsamen Parkplatz verklappt. Wer garantiert bei einer Endlagerung im Ausland, dass wir das Zeug nicht in verdünnter Form wieder zurückbekommen. Außerdem geht es nicht an, dass die Verantwortlichen die Nachkommen anderer belasten. Die Atommafia versucht es immer wieder und wieder. Sie haben Milliarden an Subventionen, Forschungsgeldern und fetteste Gehälter kassiert und es war von Anfang an klar, dass Lösung im Inland gefunden werden MUSS. "Erst wenn hier kein Standort gefunden wird, ..." - was ist das für eine Frechheit! Dann hat man eben noch nicht gründlich genug gesucht. Das war von vornherein Bedingung bei diesem Spiel.
lini71 05.01.2015
5. Ich auch
Zitat von Ishibashiist gut, Export ist schlecht. Können die Grünen mal erklären warum ?
Weil niemand weiß, was mit dem "Müll" passiert, wenn er irgendwo hingebracht wird, zB. Und es egal ist, dass im Falle eines falles, der Kram schlecht gelagert wird und sich verteilt... Und deshalb er bitte da gelagert werden soll, wo das Ganze unter guter Kontrolle ist...
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