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Energieforschung: EU zahlt weitere 650 Millionen Euro für Fusionsreaktor

Für die einen ist der Reaktor "Iter" ein Milliardengrab, für die anderen die Energiequelle der Zukunft. Die EU fördert die experimentelle Anlage, die durch die Verschmelzung von Atomen Energie erzeugen soll, jetzt mit weiteren 650 Millionen Euro.

"Iter"-Reaktor (Grafik): Hoffnung auf die Lösung aller Energieprobleme Zur Großansicht
DPA/ ITER

"Iter"-Reaktor (Grafik): Hoffnung auf die Lösung aller Energieprobleme

Straßburg - Das EU-Parlament hat zusätzliche 650 Millionen Euro für den umstrittenen Kernfusionsreaktor "Iter" gebilligt. Das Geld ist für das laufende Jahr bestimmt. Der weltweit erste Fusionsreaktor soll im südfranzösischen Cadarache entstehen. Die Forscher wollen durch die Verschmelzung von Wasserstoffatomen Energie gewinnen.

Ob das gelingen kann, ist ungewiss. Im Erfolgsfall aber wären die Energieprobleme der Welt auf einen Schlag gelöst: Die beherrschbare Kernfusion wäre eine praktisch unerschöpfliche Stromquelle, die keine Umweltschäden verursacht.

Für die Grünen, die am Freitag gegen diesen Nachtragshaushalt stimmten, ist das Kernfusionsprojekt eine Fehlinvestition. Die Ausgaben für "Iter" gingen auf Kosten wichtiger Investitionen in grüne Energieträger und zukunftsorientierte Forschungsfelder, sagte die deutsche Grünen-Abgeordnete Helga Trüpel. Bereits im regulären Haushalt 2012 seien 450 Millionen Euro für "Iter" enthalten. Nach ihren Angaben liegen die Gesamtkosten des Projekts bei 16 Milliarden Euro, der europäische Anteil daran betrage 6,6 Milliarden Euro.

Befürworter des Fusionsexperiments betonen allerdings, dass das eine geradezu winzige Investition sei, wenn man den möglichen Gewinn berücksichtige. Tatsächlich werden aktuell verfügbare alternative Energien mit weit größeren Summen unterstützt. So belaufen sich allein die für die Solarenergie auf 20 Jahre garantierten Vergütungen, die auf den Strompreis umgelegt werden, auf insgesamt rund hundert Milliarden Euro - und das nicht etwa europa- oder gar weltweit, sondern nur in Deutschland.

boj/dpa

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1. na ja...
texas_star 20.04.2012
Zitat von sysopDPA/ ITERFür die einen ist der Reaktor "Iter" ein Milliardengrab, für die anderen die Energiequelle der Zukunft. Die EU fördert die experimentelle Anlage, die durch die Verschmelzung von Atomen Energie erzeugen soll, jetzt mit weiteren 650 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,828834,00.html
weitere 650 millionen sind im gegensatz zu dem was jaehrlich in solar/windenergie-foerderung fliesst ein klacks. dabei ist das potential der fusions-energie auch nicht nur annaehernd ausgeschoepft, waehrend klar ist, dass wir die sonnenscheindauer in deutschland nicht so einfach erhoehen koennen und solarzellen bezueglich der leistungskapazitaet schon quasi ausgereizt sind. mit fusionsenergie waere die menschheit unabhaengig von wind und sonne. denn ein windrad produziert nur strom wenn der wind ausreichend blaest und eine solarzelle hat nachts eine stromproduktion von gleich Null.
2.
crigs 20.04.2012
Die Politiker müssen auf die Wissenschaftler hören und deren Wünsche erfüllen. Wissenschaftler arbeiten sehr seriös und können sich keine Spekulationen leisten. Stoppt die Beiträge für Kulturförderung und unterstützt die Wissenschaften vermehrt. Crigs
3.
einbelgier 20.04.2012
Zitat von sysopDPA/ ITERFür die einen ist der Reaktor "Iter" ein Milliardengrab, für die anderen die Energiequelle der Zukunft. Die EU fördert die experimentelle Anlage, die durch die Verschmelzung von Atomen Energie erzeugen soll, jetzt mit weiteren 650 Millionen Euro. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,828834,00.html
Entspricht der Deutschen EEG Umlage von 1 Monat! Gut angelegtes Geld; was passiert wenn man den Betrieb subventioniert statt Forschung zu fördern sieht man aktuell am Sterben der Deutschen PV-Industrie. Ob das aber in die grûnen Betonköpfe geht, ist zu bezweifeln.....
4. Wenn es nur die grünen Betonköpfe wären,
chico 76 20.04.2012
Zitat von einbelgierEntspricht der Deutschen EEG Umlage von 1 Monat! Gut angelegtes Geld; was passiert wenn man den Betrieb subventioniert statt Forschung zu fördern sieht man aktuell am Sterben der Deutschen PV-Industrie. Ob das aber in die grûnen Betonköpfe geht, ist zu bezweifeln.....
aber selbst die schwarzen D...köpfe treiben diesen eingeleiteten Unsinn weiter. Dazu haben sie sich selbst getrieben, mit dem voreiligem Ausstieg. Staaten, denen die Zukunft gehört, investieren Milliarden in die Zukunft der Kernenergie. China nimmt seinen ersten Schnellen Brüter ans Netz - Volksrepublik will weitere Atomkraftwerke bauen | Umwelt und Verbraucher | Deutschlandfunk (http://www.dradio.de/dlf/sendungen/umwelt/1512589/) Ein geradezu lächerlicher Betrag für ITER und zukunftweisende Energieforschung. Bei der Produktion von Windrädchen stellen sich auch schon die ersten Probleme ein. Ein Arbeitsmarktmotor sieht anders aus. BBC News - Study says green sector costs more jobs than it creates (http://www.bbc.co.uk/news/uk-scotland-12597097) "Von nun an gehts bergab".....wie vorauschauend doch H. Knef war. Und niemand in Sicht, der den Hebel nochmal umlegt.
5. ein Fusionreaktor verbraucht Energie
digitalesradiergummi 20.04.2012
Zitat von texas_starweitere 650 millionen sind im gegensatz zu dem was jaehrlich in solar/windenergie-foerderung fliesst ein klacks. dabei ist das potential der fusions-energie auch nicht nur annaehernd ausgeschoepft, waehrend klar ist, dass wir die sonnenscheindauer in deutschland nicht so einfach erhoehen koennen und solarzellen bezueglich der leistungskapazitaet schon quasi ausgereizt sind. mit fusionsenergie waere die menschheit unabhaengig von wind und sonne. denn ein windrad produziert nur strom wenn der wind ausreichend blaest und eine solarzelle hat nachts eine stromproduktion von gleich Null.
unterm Strich. Er ist schlichweg eine Scharlatanerie. Wie der Teilchenbeschleuniger. Der Iter dient nur der Bestätigung einer Zoologischen Regel für Kraftwerke. Durch schiere Grösse verbessert sich das Verhältnis zwicher Energieaufname und Abgabe. Aus diesem Grund sind Tiere gleicher Gattung umso grösser, je näher sie an den Polen sind. An den Umstand, dass - egal wie gross- hinterher mehr Energie rauskommt, glaubt kein Mensch.
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"Iter": Milliardenschweres Großprojekt

Fusionsreaktor
Wasserstoff zu Helium
Bei der Kernfusion verschmelzen die Wasserstoffisotope Deuterium und Tritium unter Freisetzung großer Mengen Energie zu Helium. Deuterium ist zu einem kleinen Anteil in gewöhnlichem Wasser enthalten, Tritium muss der Reaktor selbst erzeugen, etwa aus Sand. Ein Gramm Brennstoff könnte nach Angaben des an "Iter" beteiligten Max-Planck-Instuituts für Plasmaphysik (IPP) in einem Kraftwerk 90.000 Kilowattstunden Energie erzeugen - die Verbrennungswärme von elf Tonnen Kohle. Sie wird abgeleitet und in Turbinen zur Stromerzeugung genutzt
Hitze statt Druck
Im Inneren der Sonne geschieht die Kernfusion unter dem ungeheuren Druck der Masse des Sterns. Im Fusionsreaktor muss der Mangel an Druck durch Temperatur ausgeglichen werden. Dort herrscht nur ein Druck von fünf Atmosphären. Dafür wird die Temperatur rund 100 Millionen Grad Celsius erreichen müssen.

Wie das am besten bewerkstelligt werden kann, wissen die Forscher noch nicht. Deshalb werden in "Iter" unterschiedliche Technologien eingebaut, die das Plasma aufheizen sollen - per Elektronenstrahl, Ionenstrahl oder Mikrowelle zum Beispiel. Bei "Wendelstein 7-X" kommen Mikrowellenstrahlen zum Einsatz.

Fotostrecke
US-Militärlabor: Kernfusion auf dem Labortisch

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