Energiegewinnung Bill Gates will mit Mini-Meilern die Kernkraft revolutionieren

Microsoft-Gründer Bill Gates treibt seinen Traum von effizienter und sauberer Energie voran. Eine von dem Multimilliardär finanzierte Firma lotet den Bau von Mini-Atomkraftwerken aus. Sie sollen jahrzehntelang ohne Wartung Strom produzieren.

Microsoft-Gründer Gates: Sauberer Strom aus Mini-AKW?
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Microsoft-Gründer Gates: Sauberer Strom aus Mini-AKW?


Tokio/New York - Wenn es um klimafreundliche Energieerzeugung geht, kennt Bill Gates keine Tabus: Mit den Milliarden, die er als Microsoft-Gründer verdient hat, unterstützt er unter anderem die Erforschung der Kernenergie. Die von ihm mitfinanzierte Firma Terrapower untersucht derzeit gemeinsam mit Toshiba den Bau von Mini-Atomkraftwerken. Die beiden Seiten befänden sich in Gesprächen über das Projekt, bestätigte Toshiba an diesem Dienstag einen Bericht der Wirtschaftszeitung "Nikkei".

Terrapower will einen Reaktor zur Serienreife bringen, der angeblich die Energieprobleme der Welt lösen soll. Der sogenannte Traveling Wave Reactor (zu deutsch Laufwellenreaktor) soll jahrzehntelang mit einer Ladung Brennelemente auskommen und kaum Wartung benötigen. Damit würde sich die Frage erübrigen, wohin mit den alten Brennstäben. Gegenüber bisherigen Atomkraftwerken soll der neue Typ zudem kompakter und sicherer sein.

Das Konzept des Mini-Meilers zum Eingraben ist freilich nicht neu. Schon in den fünfziger Jahren wurden in Russland und den USA solche Reaktoren gebaut, um abgelegene Gebiete mit Energie zu versorgen. Die Technik basierte auf Reaktoren für Atom-U-Boote.

Jahrzehntelang Strom mit geringer Uranmenge

Das Prinzip des Laufwellenreaktors klingt bestechend: Er braucht nur eine geringe Menge angereicherten Urans und kann ansonsten mit abgereichertem oder natürlich vorkommendem Uran betrieben werden. Beides ist reichlich vorhanden. Während des Betriebs wandert die Kernspaltungszone langsam durch den Brennstoffkern und verwandelt das abgereicherte Uran in Plutonium-239, das dann in seinem Inneren sofort wieder zur Energiegewinnung genutzt wird. Die dabei entstehende Wärme wird mittels konventioneller Dampfturbinen in Elektrizität umgewandelt.

Plutonium entsteht auch in konventionellen Meilern, nur muss man es bei ihnen aus den benutzten Brennstäben herausholen. Das verlangt nicht nur nach einem äußerst aufwendigen chemischen Prozess, sondern ermöglicht auch die Verwendung des Plutoniums für Atomwaffen. Beim Laufwellenreaktor wäre das nicht möglich.

Derzeit verfügen allein die USA über rund 700.000 Tonnen an abgereichertem Uran. Terrapower-Präsident John Gilleland schätzt, dass dieser Vorrat beim Einsatz in Laufwellenreaktoren eine Energiemenge im Gegenwert von 100 Billionen Dollar produzieren könnte. Das Unternehmen will außerdem berechnet haben, dass der gesamte globale Vorrat an abgereichertem Uran, würde man ihn in den neuartigen Reaktoren einsetzen, die Menschheit ein Jahrtausend lang mit Strom versorgen könnte - und zwar bei dem Pro-Kopf-Verbrauch in den USA, der bekanntlich enorm hoch ist.

Reaktor existiert bisher nur in Simulationen

Allerdings gibt es mit dem Laufwellenreaktor ein Problem: Es wurde noch nie einer gebaut. Auch Terrapower hat den Meiler bisher nur mit Supercomputern simuliert - das aber mit enormem Einsatz, wie das Unternehmen betont. Auf diese Weise habe man "neue Beweise dafür gefunden, dass eine Welle der Kernspaltung, die langsam durch den Brennstoffkern wandert, über einen Zeitraum von 50 bis 100 Jahren kontinuierlich eine Milliarde Watt produzieren kann - ohne Anreicherung oder Wiederaufbereitung", heißt es auf der Website der Ideenschmiede Intellectual Ventures, zu der Terrapower gehört.

Der Konzern Toshiba, der nun die Mini-AKW untersuchen soll, gehört zu den größten Anbietern von Reaktoren. Mit der Übernahme des US-Rivalen Westinghouse vor vier Jahren hatten sich die Japaner weiter verstärkt. Die noch junge Energiefirma Terrapower gehört zur Ideenschmiede Intellectual Ventures. An deren Spitze steht mit Nathan Myhrvold der ehemalige Technologiechef von Microsoft. Bill Gates gehört zu den Geldgebern.

2008 hatte bereits die US-Firma Hyperion Power Generation den Bau von Meilern angekündigt, die 10.000 Haushalte mehrere Jahre lang mit Strom und Wärme versorgen, nahezu wartungsfrei arbeiten und absolut sicher sein sollen. Die Reaktoren werden einfach in der Erde vergraben.

Zuletzt haben mehrere Länder, darunter die USA, den Bau neuer Atomkraftwerke angekündigt. Vor einer Woche haben deutsche Physiker gefordert, alte deutsche Meiler durch modernere zu ersetzen. Dass der Neubau eines AKWs allerdings große finanzielle Risiken birgt, zeigt der Fall des EPR-Reaktors im finnischen Olkiluoto. Nach diversen Pannen sind Auftraggeber und Herstellerfirmen heillos zerstritten, die Fertigstellung verzögert sich um Jahre.

hda/mbe/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 128 Beiträge
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Seite 1
tetaro 23.03.2010
1. ..
Zitat von sysopMicrosoft-Gründer Bill Gates treibt seinen Traum von effizienter und sauberer Energie voran. Eine von dem Multimilliardär finanzierte Firma lotet den Bau von Mini-Atomkraftwerken aus. Sie sollen jahrzehntelang ohne Wartung Strom produzieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/0,1518,685289,00.html
Das wird die Mobilität bei Notebooks aber erheblich steigern...1000 Jahre ohne Steckdose.
Rockaxe 23.03.2010
2. man kann...
ja über Bill Gates sagen was man will und auch von ihm halten was man will aber Visionen hat er. Und er soll ja auch eine gewisse "grüne Ader" haben und PRO-UMWELT orientiert sein. Immerhin gibt er sein Geld für sinnvollere Ding aus als manch anderer Mulimilliardär. Auch wenn die Idee ja nicht neu ist, ist die Technik heutzutage weiter so daß eine vernünftige Verwirklichung eher zu realisieren ist als damals. Bill Gates ist auch als jemand bekannt der sich in solchen Fällen nicht unbedingt an der Dauer eines solchen Projektes stört. (Im PC-Bereich bzw. Software mag es anders aussehen.) So gesehen wünsche ich ihm viel Erfolg.
melb00m, 23.03.2010
3. Oh je...
Dieser Mann hat doch mit seinen "Leistungen" im IT-Bereich wahrlich schon genug Unheil über die Welt gebracht. Jetzt auch noch Atomkraftwerke im Privathaushalt? Na das kann ja heiter werden...
amir2008 23.03.2010
4. Technolgie ist bekannt - offen Entsorgung und Terror
Von der technolgischen Seite sind diese Mini Rektoren möglich und warscheinlich beherrschbar. Ungelöst ist aber die Problematik der Entsorgung und was bei diesen, auf viele Standorte verstreuten Mini Reaktoren besonders problematisch ist, ist die Gefahr von Terroranschlägen. Weiterhin wird es große Akzeptanz - Probleme geben.
Ramsesx, 23.03.2010
5. Friedensnobelpreis besser für Gates statt Obama
Zitat von melb00mDieser Mann hat doch mit seinen "Leistungen" im IT-Bereich wahrlich schon genug Unheil über die Welt gebracht. Jetzt auch noch Atomkraftwerke im Privathaushalt? Na das kann ja heiter werden...
Es sollte mehr Menschen wie ihn geben, oder haben Sie gleiches vollbracht wie er? Zum Beispiel große Teile Ihres Vermögens verwendet um in Afrika zu helfen? Wahrscheinlich nicht.
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